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Mallorca 2022: Sauf-Tourismus am Ballermann ist schlimmer als vor Corona

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Von: Andree Wächter

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50 Jahre Ballermann auf Mallorca und zwei Jahre Corona haben die Insel verändert. Der Sauf-Tourismus ist wieder schlimmer geworden – trotz vieler Gesetze.

Palma – Die Strandpromenade zwischen Palma de Mallorca und El Arenal war vor Corona ein Mekka fürs Partyvolk. Laute Musik, feiern im Bierkönig und Sangria aus Eimern – so ließ es sich zusammenfassen. In diesem Jahr feiert der Ballermann seinen (inoffiziellen) 50. Geburtstag. Und zu einem „Runden“ wird anständig gefeiert – fast so wie früher. So zumindest die Klage von Juan Miguel Ferrer, Geschäftsführer einer Initiative für mehr Qualität an der Playa de Palma. Zuletzt war Mallorca wegen Brandstiftung in die Schlagzeilen geraten.

Öffnungszeit Bierkönig10 bis 4 Uhr
Mega-Park10 bis 5 Uhr
Oberbayern20.30 bis 6 Uhr
Club NL Mallorca23 bis 6 Uhr

Sauf-Tourismus auf Mallorca: Zustände wohl schlimmer als vor der Corona-Pandemie

Der Sauf-Tourismus um den Ballermann auf Mallorca ist nach Einschätzung von Unternehmern derzeit noch schlimmer als in den Jahren vor der Corona-Pandemie. Manche Urlauber kämen gegen 10 Uhr morgens in den Hotels an, und um 14 Uhr könnten sie schon nicht mehr gehen, zitierte die Zeitung Última Hora am Mittwoch Juan Miguel Ferrer.

Mallorca - Partylocation Megapark
Party-Location auf Mallorca: Im Megapark an der Playa de Palma „Ballermann“ ging vor Corona die Post ab (Archivfoto). © Jens Kalaene/dpa

Die Urlauber buchten in der Regel zehn Tage im Voraus und blieben im Durchschnitt drei oder vier Nächte. Pro Tag würden sie nur 30 bis 40 Euro ausgeben, davon das meiste für Alkohol, klagte Ferrer. Touristen feierten noch um 4 Uhr morgens, manchmal mit Megafonen, die unerklärlicherweise weiterhin frei verkauft würden. Zum Teil würden volltrunkene Urlauber von ihren Freunden einfach auf der Straße liegen gelassen.

Saison sei bereits verloren: Party-Urlauber feiern wild auf Mallorca

„Wir betrachten die Saison bereits als verloren, was die Kontrolle der Exzesse angeht“, zitierte die Mallorca Zeitung Ferrer. Die Polizei müsse die strengeren Regeln auf den Straßen auch durchsetzen. Vor einigen Wochen hatte er sich im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur noch optimistisch geäußert. Corona habe wie ein Katalysator für die eigenen Bemühungen gewirkt und einen neuen Typ Urlauber angezogen. Dieser wolle Dinge wie gutes Essen mit lokalen Produkten und einen umweltfreundlichen Nahverkehr.

Diese positive Entwicklung sei leider mit dem 10. Mai zu Ende gegangen. „Kaum waren die großen Partytempel wieder geöffnet, wurde dieser neue Typ Urlauber vom alten Feierpublikum verdrängt“, bedauert Ferrer. „Seither leiden wir unter der Ankunft großer Gruppen von Touristen, die nur darauf aus sind, sich auf den Straßen, an der Strandpromenade oder am Strand zu betrinken“, zitierte die Zeitung Ferrer.

Mallorca: Ballermann wird 50 und kämpft mit Gesetzen gegen den Sauftourismus

Ob der inoffizielle 50. Geburtstag vom Ballermann etwas mit gestiegenem Sauf-Tourimsus zu tun hat, ist unklar. Seit Jahren versucht die Insel-Regierung auf Mallorca mit Gesetzen dem entgegenzuwirken. Vor Jahren gab es schon das Verbot für Sangria-Eimer-Saufen und strenge Regeln für Raucher, kommen nun Benimmregeln auf Mallorca dazu.

Benimmregeln Ballermann 2022

Party in Clubs/Disko erst ab 18.

Party-Urlauber müssen mit Schuhen und Oberteil bekleidet sein.

Wer in der Warteschlange negativ auffällt (betrunken, aggressiv, Tätowierungen mit Neonazi-Symbolen), muss draußen bleiben.

Wer negativ auffällt, bekommt überall Hausverbot! Die Betreiber der Lokale informieren sich und haben zudem einen direkten Kanal zur Polizei eingerichtet.

Drogenkonsum in Clubs/Disko ist verboten.

Rauchen auf der Restaurant-Terrasse sowie beim Gehen auf offener Straße ist verboten (war es seit 2021, jetzt wird streng kontrolliert).

All-Inklusive mit Alkohol in Ballermann-Hotels ist verboten (war seit 2020 extrem eingeschränkt).

Trinkgelage auf der Straße sind verboten.

Verkauf von Alkohol nach 21.30 Uhr ist verboten.

Megafone, Lautsprecher (Lärmbelästigung) und Kostüme sind verboten.

Herumlaufen mit nacktem Oberkörper an der Promenade ist verboten.

Sex in der Öffentlichkeit/im Auto/am Hotelfenster ist verboten.

Wildpinkeln, Müll hinterlassen und Anpöbeln, sich beschwerender Anwohner sind verboten.

Aufblasbare Sexpuppen oder Handtücher mit anzüglichen Bildern sind verboten.

Bei fahrenden Straßenhändlern zu kaufen, ist verboten.

Hütchenspiele oder das Anbieten von Massagen am Strand sind verboten.

Strafen: ab 100 Euro (Quelle: MDR)

Warum Mallorca zur Partymeile wurde, darüber ranken sich diverse Geschichten. Als sicher gilt, dass Ballermann eine Verballhornung des Wortes Balneario (Heilbad) ist. So heißen an der Playa die seit 1972 durchnummerierten Strandlokale, von denen es heute 15 gibt. Hoch her ging es schon in der Anfangszeit besonders am Ballermann 6, wo sich Gäste einen geballert haben. Seit 2017 heißt das im Rahmen der Qualitätsoffensive von Unternehmern und Regionalbehörden schick umgebaute Lokal aber Beach Club Six. Für viele Stammkunden natürlich ein Kulturschock.

Zurück zu den Anfängen: In den 1970er-Jahren wurden für das feierwütige Publikum an der Playa immer mehr Discos und Kneipen eröffnet. Schlagerstars wie Bernhard Brink, Costa Cordalis und Jürgen Drews entdeckten die Insel und wurden für Auftritte eingeflogen. Gegen Ende des Jahrzehnts begann Inselgastronom Juan Ferrer im legendären „Köpi“ als erster, importiertes deutsches Fassbier auszuschenken. Der Andrang war groß, die Leute tranken auch auf der Straße, der Carrer de Miquel Pellisa wurde deshalb in „Bierstraße“ umgetauft.

Ballermann auf Mallorca: Insel wurde zum Party-Mekka – inklusive Eimersaufen

Von da an gab es kein Halten mehr. Das berüchtigte und inzwischen verbotene Eimersaufen wurde zum Pflichtprogramm. Der Ballermann wurde zum Kult, zum Mythos, zum Lebensgefühl, zur Subkultur.

Immer mehr Gesetze, Vorschriften und Benimmregeln. Die Frage ist, wann ist der Bogen überspannt? Wer sich am Strand umhört, vernimmt fast nur Kritik an der Entwicklung: „Mittlerweile finde ich das ein bisschen streng“, „Überall Polizei“, „Die Leute benehmen sich hier alle gut“, ist beispielsweise zu hören. Einige, die jedes Jahr kommen, „der vielen Gesetze“ nicht mehr nach Mallorca zu reisen. Die meisten wollen der Insel aber treu bleiben.

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