Alkohol könnte vor Weihnachten ausgehen

Lieferengpässe: England droht Weihnachten auf dem Trockenen zu sitzen

In England könnten Weihnachten und Silvester dieses Jahr anders aussehen als gewohnt: Lieferengpässe sorgen besonders in einer Branche für Sorgen.

London – Kurz vor Weihnachten warnt der britische Verband des Wein- und Spirituosenhandels davor, dass die Versorgung mit Alkohol in den Weihnachtstagen knapp werden könnte. Auch die Jahreswende wäre damit von den Lieferengpässen betroffen. In Deutschland sorgt man sich vor englischen Verhältnissen, doch die angespannte Liefersituation in England hängt vor allem mit dem Mangel an Lkw-Fahrern auf der Insel zusammen.

Land: England
Hauptstadt:London
Premierminister:Boris Johnson

Brexit sorgt für Lieferengpässe bei Alkohol

Der Brexit spaltet das Land. In der englischen Lebenswirklichkeit hat er bereits konkrete Auswirkungen, unter anderem wegen der Lieferengpässe. Durch den Brexit gibt es insbesondere bei Lkw-Unternehmen akuten Arbeitskräftemangel. Viele Lkw-Fahrer kamen in der Vergangenheit aus der EU, die neuen Einwanderungsgesetze erschweren deren Einstellungen nun. Schon seit längerer Zeit bekommt die Regierung in London den Arbeitskräftemangel in der Logistikbranche nicht unter Kontrolle.

Der britische Verband des Wein- und Spirituosenhandels stellt daher konkrete Forderungen an die Regierung: Ein befristetes Visaprogramm speziell für Lkw-Fahren läuft im Februar des kommenden Jahres aus. Der Verband fordert die Regierung auf, das Programm um mindestens ein Jahr zu verlängern. Schon jetzt gibt es große Verzögerungen in den Lieferzeiten von Wein und Spirituosen – diese Krise könnte sich bis Weihnachten noch einmal deutlich verschärfen.

Mangel an Lkw-Fahrern sorgt in England für Lieferengpässe

Lieferengpässe betreffen nicht nur die Alkoholindustrie

Der Job des Lkw-Fahrers hat unter der englischen Bevölkerung wenig Konjunktur. In der Vergangenheit hatten viele Arbeitnehmer aus Osteuropa diese Jobs im Niedriglohnsektor übernommen – sie mussten durch den Brexit in großer Anzahl das Land verlassen. Die Jobs sind meist schlecht bezahlt und die Bedingungen schlecht. Ausreichend Ersatz hat man auf der Insel bisher nicht gefunden. Deutliche Lohnsteigerungen gab es lange nicht. Boris Johnson hatte daher einen Kurswechsel angekündigt, der mit höheren Löhnen einhergehen sollte. Aus der Wirtschaft werden Zweifel laut, ob es kurzfristige Lösungsansätze für die Versorgungskrise gibt.

Diese betrifft nicht nur die Alkoholindustrie, sondern ebenso andere Bereiche, die abhängig sind von der Zulieferung durch Lkws. Auch an Tankstellen in London und im Südwesten Englands fehlte es in den letzten Monaten oft an Treibstoff. Dabei mangelt es keineswegs an Treibstoff an sich, dieser ist grundsätzlich in ausreichenden Mengen vorhanden und zugänglich. Auch hier war es der Mangel an Arbeitskräften, die den Treibstoff liefern können, an dem die Versorgung hakte.

Die Regierung in London reagierte darauf unter anderem mit einem massiven Angriff auf Arbeitnehmerrechte: Im Juli wurden die minimalen Ruhezeiten von Fahrern verkürzt – offiziell nur „vorübergehend“.

Auch Deutsche sollen helfen, die Lieferengpässe zu lösen

Die Verzweiflung der Regierung in London scheint groß. Ein größerer Zusammenbruch der Lieferlogistik wäre der Super-GAU für die Regierung von Boris Johnson. Diese hatte die nach dem Brexit noch im Land befindlichen Deutschen kontaktiert. Die Regierung richtete sich mit der Frage an sie, ob sie noch einen alten Führerschein der Klasse 3 hätten. Dieser berechtigt zum Führen kleinerer Lkws. Die Maßnahme zeigt, wie drängend die Situation in England ist.

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Es gibt offensichtlich keine Pläne, welche die Arbeitsbedingungen und Löhne für Lkw-Fahrer auch kurzfristig so deutlich verbessern, dass der Job wieder attraktiver wird. Der Glaube an Boris Johnsons „Kurswechsel“ ist nicht groß, auch wenn er höhere Löhne fordert. Stattdessen greift die Regierung zu Verzweiflungstaten, das zeigt auch die Kontaktaufnahme der deutschen Einwohnerinnen und Einwohner.

Drohen Lieferengpässe auch in Deutschland?

Die Lieferengpässe in England bedrohen Deutschland nicht in dieser Vehemenz. Die Dringlichkeit in England ist vor allem ein Ergebnis des Brexits. Trotzdem spielen auch hier globale Lieferengpässe eine Rolle: Die Corona-Krise hat die globale Logistik aus dem Rhythmus gebracht. Für viele Waren gibt es lange Wartezeiten – in Deutschland beispielsweise im Bereich der Spielwaren.

Deutschlandweit sind etwa drei Viertel der Einzelhändler von Lieferengpässen betroffen, leere Regale drohen trotzdem nicht. Auch in Niedersachsen rät man dennoch zum frühen Geschenkkauf. Die Lieferengpässe könnten für den Einzelhandel bis Sommer 2022 andauern – wenn auch in anderem Maße, als in England. Was die Versorgung mit Alkohol angeht, gibt es in Deutschland derweil keinen Grund zur Sorge – auf der Insel hingegen muss man sich möglicherweise auf Feiertage auf dem Trockenen einstellen.*Kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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