Experte mit positiver Prognose

Großbritannien-Inzidenz: „Corona-Entwicklung macht Hoffnung“

England feierte bereits einen Freiheitstag zum Ende der Corona-Maßnahmen. Inzidenz sinkt im Vereinigten Königreich: Ist das Land für Deutschland ein Vorbild?

London – Die Corona-Inzidenz in Großbritannien ist ein stetiges auf und ab. Sie war lange Zeit am Explodieren und erreichte dabei beinahe die 500er-Marke. Dann entspannte sich die Lage wieder etwas, sodass die Inzidenz Anfang August wieder auf 265 gesunken war.

Seitdem ist sie erneut gestiegen und steht am 9. August bei 280,6. Dennoch gibt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit eine positive Prognose bei rtl.de ab: „Die Entwicklung in Großbritannien zeigt, dass man nicht einfach behaupten kann: Wenn wir fast alle Maßnahmen aufheben, läuft alles aus dem Ruder“. Selbst, wenn unlängst im Vereinigten Königreich eine neue Corona-Mutation entdeckt wurde.

LandVereinigtes Königreich
HauptstadtLondon
Fläche242.495 km²
Bevölkerung 66,65 Millionen

Man würde nun genau das Gegenteil sehen. Zwar sei das Infektionsgeschehen eines Landes nicht eins zu eins auf andere übertragbar, aber laut Schmidt-Chanasit mache es Hoffnung, zu sehen, was Impfungen erreichen würden. Denn trotz Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen und einer hohen Inzidenz sei das Gesundheitssystem in Großbritannien nicht überlastet.

Auch in Deutschland wollen viele Länder und Ministerpräsidenten beziehungsweise Bürgermeister auf eine neue Bewertung der Corona-Inzidenz setzen. Niedersachsen scheint sogar bereits über einen Entwurf für eine neue Corona-Verordnung zu diskutieren ... vor der Bund-Länder-Konferenz am Dienstag.

Aktuelle Corona-Inzidenz in Großbritannien: Hohe Impfrate im Vereinigten Königreich – „Freiheitstag“ für Deutschland?

Seit dem 19. Juli wurden im Rahmen eines Freiheitstages fast alle Corona-Beschränkungen aufgehoben. Großbritanniens Weg: Ein Appell an die Bürger. Dabei ginge es vor allem um Eigenverantwortung. Zu dem Zeitpunkt hatten bereits 88 Prozent der Erwachsenen eine erste Impfung erhalten, rund zwei Drittel auch eine zweite.

In Großbritannien feierte die Bevölkerung einen Freiheitstag zum Ende der Corona-Maßnahmen.

Ob man in Deutschland deshalb auch bei gegebenem Zeitpunkt einen „Freiheitstag“ wie auf der Insel machen solle, „müssen wir als Gesellschaft diskutieren“, äußerte sich der Hamburger Virologe gegenüber rtl.de weiter. Es liege nun an der Politik, sicherzustellen, dass alle Bürgerinnen und Bürger in Deutschland eine Chance auf eine vollständige Impfung bekommen. Dafür brauche es noch bessere Impfangebote: „Aber bezüglich der Grundrechtseinschränkung ist das sicherlich ein Wendepunkt, an dem man sich genau überlegen muss: können wir weiter Grundrechte einschränken?“

Dennoch spricht sich Schmidt-Chanasit gegen Impfungen an Schulen aus.

Corona-Regeln in Großbritannien aktuelle Marschroute für Deutschland: Leiter Intensivmedizin des UKE Hamburg fordert Impfanreize

Auch der Leiter der Intensivmedizin am UKE Hamburg, Stefan Kluge, erwartet von den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag neben Impfanreizen auch neue Kriterien zum Abbilden der Infektionslage. Die 7-Tage-Inzidenz als Richtwert sollte bestehen bleiben, sagte Kluge gegenüber dem NDR. Aber der Wert müsse hochgesetzt werden.

„Wir können nicht mehr bei 50 irgendwelche Maßnahmen ergreifen“, äußerte sich Kluge weiter und fügte beim NDR hinzu. „Und die Auslastung der Intensivstationen sollte eine Rolle spielen.“ Es würden zwar auch noch andere Kriterien diskutiert. „Aber ich glaube, wir brauchen einfache Parameter, die für die Bevölkerung transparent und nachvollziehbar sind.“

Viele Experten fordern eine Auslegung der Corona-Maßnahmen anhand der Auslastung der Intensivbetten.

Die Lage sei nicht mehr so dramatisch wie Anfang des Jahres, weil viele Risikogruppen mittlerweile geimpft seien, erklärter Kluge weiter. Momentan sei der Anteil von Patienten, die auf Intensivstationen behandelt würden, ziemlich gering. „Noch ist das gut zu managen. In England und Frankreich sind es aber schon vier bis fünfmal so viele.“

Im Herbst kommen neue Faktoren für eine höhere Infektionsrate hinzu

Kluge geht davon aus, dass es im Herbst auch in Deutschland deutlich mehr Neuinfektionen geben wird – durch Reiserückkehrer, Schulbetrieb und anderes Wetter. Darauf müsse sich die Politik vorbereiten, zum Beispiel mit Impfanreizen und mehr mobilen Teams. „Wir müssen jetzt die 10 bis 30 Prozent überzeugen, die noch unentschlossen sind.“

Ein anderer Virologe aus Hamburg machte derweil weniger Hoffnung in Bezug auf Corona. Gleichzeitig steht im September auch noch ein möglicher neuer Lockdown im Raum, der eine Abschaffung der Maskenpflicht auch erst im Februar 2022 anvisiert.

Da stehen die Aussichten auf einen „Freiheitstag“ wie in Großbritannien wohl eher schlecht. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/Alberto Pezzali

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