Corona-Pandemie

Großbritannien: Ex-Premier Brown kritisiert EU für Corona-Politik in Afrika

Der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown.
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In einem Gastbeitrag für die britische Tageszeitung „The Guardian“ hat der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown die Europäische Union scharf angegriffen.

Nur zwei Prozent der Bevölkerung in Afrika sind vollständig gegen Corona geimpft. Der britische Ex-Premier Brown macht der EU deswegen schwere Vorwürfe.

London – Der frühere britische Premierminister Gordon Brown wirft der EU versagen bei der Lieferung von Covid-19-Impfstoffen an afrikanische Länder vor. In seinem monatlichen Gastbeitrag in der britischen Tageszeitung „The Guardian“ griff Brown die EU-Staatschefs scharf für die Corona-Politik an und warf ihnen vor, einen „neokolonialen Ansatz“ zu verfolgen.

Ehemaliger britischer Premierminister:Gordon Brown
Geburtsdatum und -ort:20. Februar 1951 in Glasgow, Schottland
Partei:Labour

Der ehemalige britische Premierminister fordert in dem Zeitungsartikel US-Präsident Joe Biden, den amtierenden britischen Premier Boris Johnson und Italiens Premierminister, Mario Draghi, auf, anlässlich der UN-Vollversammlung im nächsten Monat in New York einen Sondergipfel einzuberufen. Bei diesem Gipfel solle das Impfstoffdefizit Afrikas angegangen werden, schreibt Brown. In Deutschland hatten im Bundesland NRW beispielsweise Ende Juli bereits Gruppierungen dazu aufgerufen, Impfstoff an afrikanische Länder zu spenden*.

Britischer Ex-Premier Brown greift EU scharf an: Impfdosen in Afrika produziert, aber an die EU geliefert

Es sei schockierend, dass etwa zehn Millionen Einzeldosen von „Johnson & Johnson“, die in einer Fabrik in Südafrika hergestellt wurden, in die EU exportiert würden, anstatt afrikanischen Ländern zu helfen, so Brown.

„Im Vergleich zur schnellen Entwicklung der bahnbrechenden Covid-Impfstoffe sollte es einfach sein, die ganze Welt zu schützen. Aber der Impfnationalismus – und Europas neokolonialer Ansatz für die globale Gesundheit – teilt die Welt in reiche und geschützte Menschen und in arme und nicht geschützte Menschen ein. In diejenige, die leben, und in diejenigen, die arm, ungeschützt und vom Sterben bedroht sind.“

Trotz Warnungen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, dass dringendere Maßnahmen erforderlich sind, schreibt Brown, dass 45 von 54 afrikanischen Ländern ihr Ziel im September verfehlen würden, zehn Prozent ihrer Bürger zu impfen.

Britischer Ex-Premier Brown greift EU scharf an: 59 Milliarden Euro als Sofortporgamm gefordert

Reiche Länder sollten 50 Milliarden Pfund (59 Milliarden Euro) an finanzieller Unterstützung bereitstellen und auf Patente verzichten, damit afrikanische Länder ihre eigenen Medikamente herstellen könnten. Die afrikanischen Nationen benötigen die Impfstoffe sofort. Weiter schreibt Brown, dass reiche Länder nicht sicher seien, bis es die Massenimpfungen für jedes Land gäbe.

Brown schreibt in seiner Kolumne, dass die USA die Möglichkeit hätten, fast zwei Milliarden zusätzliche Dosen zu kaufen, die EU habe Zugang zu einer Milliarde zusätzlichen Schüssen versprochen. Und auch Kanada hätte 191 Millionen Dosen der Vakzine zugesagt.

„Aufgrund zu vieler Bestellungen werden ihre Bevölkerungen wahrscheinlich nicht alle diese Impfdosen verwenden“, so Brown. „Doch im Zuge der Zusicherungen haben reiche Länder afrikanische Länder effektiv vom Zugang zu den dringend benötigten Dosen ausgeschlossen.“

Corona in Afrika: 88 Prozent der Impfstoffe gehen an die G20-Gruppen – nur 1,8 Prozent der Erwachsenen in Afrika geimpft

Brown schreibt weiter, dass die Kluft zwischen reichen und armen Ländern so groß sei, dass 88 Prozent der weltweit verteilten Impfstoffe an die G20-Gruppe gingen – also an die reichsten Nationen. Brown stellte fest, dass 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Europa, Großbritannien und den USA vollständig geimpft sind, während es in Afrika nur 1,8 Prozent sind. * kreiszeitung.de und 24rhein.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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