Kapitän zu 16 Jahren Haft verurteilt

Costa Concordia: Kreuzfahrt-Katastrophe mit 32 Toten vor 10 Jahren

Am 13. Januar jährt sich die Costa-Concordia-Katastrophe
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Am 13. Januar 2012 hatte die Costa Concordia einen Felsen vor der italienischen Insel Giglio gerammt. An Bord waren mehr als 4200 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

100 Jahre nach der Titanic sank 2012 die Costa Concordia. Beide Katastrophen werden ihren Platz in den Chroniken haben, da die Kapitäne Fehler machten.

Giglio – Wenn Schiffskapitäne Fehler machen, dann ist die Katastrophe meist nicht weit. Beim Untergang der Titanic (Kollision mit einem Eisberg) ist nicht zweifelsfrei geklärt, welche Verantwortung der Kapitän hat. Die Schuldfrage beim Untergang der Costa Concordia am 13. Januar 2012 haben Gerichte beantwortet: Kapitän Francesco Schettino trägt die Verantwortung. Er wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Bei dem Unfall starben 32 Menschen – auch 12 Deutsche.

UnternehmenCosta Crociere
TochtergesellschaftenCosta Cruise, AIDA ...
Gründung1854
HauptsitzGenua (Italien)

Untergang der Costa Concordia: Kapitän brachte sich in Sicherheit

Auch 110 Jahre nach dem Sinken der Titanic ist die Ursache nicht zweifelsfrei geklärt. Vermutlich waren es auch Verkettungen von unglücklichen Ereignissen. Ob man jemals den genauen Tathergang rekonstruieren kann, ist fraglich. Dies war beim Untergang der Costa Concordia deutlich einfacher, dank moderner Technik. Pikant: Das ungeschriebene Seefahrergesetz „Der Kapitän geht als letzter von Bord“ setzte Francesco Schettino außer Kraft und brachte sich schnell in Sicherheit.

Nachdem Schettino mit einem Rettungsboot auf einer Mole gelangt war, da lief die Evakuierung noch, forderte ihn der Einsatzleiter der Küstenwache am Telefon zur Rückkehr auf. „Gehen Sie an Bord, verdammt noch mal!“, brüllte Gregorio de Falco. Die Aufzeichnung des Telefonats zementierte das Bild eines Kapitäns, der einerseits Großmaul und Frauenheld war, andererseits aber ein Feigling, was Schettino dementierte.

Costa Concordia: Kapitän muss ins Gefängnis

Letztlich war Schettino der einzige, der wegen des Untergangs der Costa Concordia ins Gefängnis musste. Unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung wurde er im Februar 2015 in Grosseto in der Toskana zu 16 Jahren Haft verurteilt. Ein Berufungsgericht und auch das höchste italienische Gericht in Rom bestätigten später das Urteil.

Seit viereinhalb Jahren sitzt Schettino nun im Gefängnis in Rom. Sein ehemaliger Anwalt Donato Laino gab zuletzt ein Interview und sagte, dass Schettino Alpträume habe. Er habe die 32 Toten nicht vergessen, fühle sich aber auch selbst als Opfer, berichtete Laino.

Nach Schiffsunglück: Schettino sei nicht fair behandelt worden, so sein Anwalt

Dass die Äußerungen von Schettino stammen, dementierte sein aktueller Anwalt Saverio Senese prompt. Sein Mandat spreche schon seit langem nicht mehr öffentlich und hoffe auf eine baldige Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. In Straßburg hatte er 2018 Beschwerde gegen das Urteil aus Italien eingelegt.

Schettino sei nach dem Schiffsunglück nicht fair behandelt worden, außerdem habe es eine mediale Kampagne gegeben. „Fare lo Schettino“, den Schettino machen, ist heute in Italien ein geflügeltes Wort für Feigheit. Ein Gerichtssprecher sagte jüngst auf Anfrage, er rechne damit, dass der Fall 2022 bearbeitet werde.

Untergang der Costa Concordia: Was war passiert?

Was war passiert? Die Costa Concordia war am Abend von Civitavecchia nahe Rom aus in See gestochen. Das Mittelmeer ist ein beliebtes Reiseziel für Costa-Schiffe. Aus Prestigegründen – oder Angeberei – wollte Schettino sie so nah wie möglich an Giglio bringen, um den Hafen zu „grüßen“ und den Gästen ein hübsches Fotomotiv bieten. Was sonst oft klappte, ging schief: Das fast 300 Meter lange Schiff schrammte unter Wasser einen Felsvorsprung, der schlitzte den Rumpf rund 70 Meter auf.

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Passagiere hörten einen lauten Knall. Das Kreuzfahrtschiff vibrierte, Reisende hielten sich am Mobiliar fest, Geschirr fiel zu Boden, dann ging das Licht aus. Mehr als 4220 Menschen an Bord ahnten noch nichts von der Katastrophe, die sie in den nächsten Stunden erleben würden. Auf der Kommandobrücke konnten Kapitän Francesco Schettino und seine Offiziere nicht fassen, einen Felsen gerammt und ihr Schiff auf der Seite aufgeschlitzt zu haben.

Wasser strömte ein, das Schiff war schnell manövrierunfähig. Nur weil der Wind die Concordia gegen die Insel trieb, kam das Schiff dort auf einem Unterwassersockel mit starker Schräglage zum Liegen. Hätte der Wind anders geweht, wäre die Concordia aufs offene Meer getrieben und wohl komplett gesunken – mit noch viel schlimmeren Opferzahlen.

Costa Concordia: Passagiere lange Zeit im Unklaren gelassen

Die Passagiere der Costa Concordia und die Küstenwache wurden eine Dreiviertelstunde lang im Unklaren gelassen. Als Crewmitglieder schon mit Schwimmwesten durch die Gänge liefen, sollten die Reisenden in den Kabinen bleiben und Ruhe bewahren. Erst gegen 22.30 Uhr rief man die Passagiere für die Evakuierung an Deck und meldete den Behörden den Notstand. Durch schnelles Handeln kann eine Tragödie verhindert werden.

Das Schiff neigte sich immer mehr, die Lage wurde chaotischer. Manche Passagiere konnten in die Rettungsboote steigen und in den Hafen von Giglio fahren. Andere sprangen ins Wasser und schwammen die etwa 100 Meter an Land. Viele aber waren im Rumpf eingeschlossen.

Costa zahlte mehr als 80 Millionen Euro Schadenersatz

Inzwischen haben die meisten Passagiere ein Schadenersatzangebot für 14.000 Euro pro Person angenommen. Das Unternehmen Costa Crociere gab schon 2015 an, insgesamt mehr als 80 Millionen Euro Schadenersatz gezahlt zu haben an die Gäste und auch Besatzungsmitglieder der Concordia. Das Wrack wurde später aufgerichtet und nach Genua geschleppt. Dort wurde die Costa Concordia zerlegt, verschrottet und Teile recycelt. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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