Verbitterung auf Euböa

Brände in Griechenland: Corona-Inzidenz bleibt unverändert hoch

Die Flammen auf der Insel Euböa und unzähligen Brandherden in Griechenland toben weiter. Immerhin gibt es bei der Corona-Inzidenz vorsichtigen Optimismus zu vermelden.

Athen/Euböa – Das lange Warten hat ein Ende. Erstmals seit Anfang der verheerenden Waldbrände auf der Insel Euböa flogen Löschflugzeuge massive Lufteinsätze gegen die Feuerbrunst. Im nördlichen Teil der Insel stehen viele Quadratkilometer Wald in Flammen, dort kämpfen die Bewohner zuweilen gegen bis zu sieben Kilometer lange Feuerwände.

Land:Griechenland
Hauptstadt:Athen
Bevölkerung:10,72 Millionen (2019) Eurostat
Währung:Euro

Derweil ist die Verbitterung bei den Menschen auf der zweitgrößten Insel Griechenlands am Anschlag, da das Hauptaugenmerk der Löscharbeiten aus der Luft sich vor allem auf Brände vor den Toren Athens konzentriert hatte.

Brände auf Griechenlands Insel Euböa: „Man hat uns brennen lassen“

„Man hat uns brennen lassen“, machte ein Inselbewohner beim Fernsehsender Skai seinem Unmut Luft.

Flammen nähern sich dem Dorf Gouves auf der Insel Euböa, etwa 185 Kilometer nördlich von Athen.

Man habe keine andere Wahl gehabt, kam umgehend das Dementi der Rettungskräfte. „Wir konnten nicht überall sein. Man muss sich nur vorstellen, die Flammen im Norden Athens hätten sich auf dicht besiedeltes Gebiet ausgeweitet“, argumentierte ein Feuerwehrmann gegen die Anschuldigung.

Menschenleben stehen für den Premier Mitsotakis in der Strategie gegen Waldbrände in Griechenland klar an erster Stelle

Auch der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis hatte in den vergangenen Tagen immer wieder darauf gepocht, das Menschenleben oberste Priorität vor Besitz und brennenden Waldstücken hätten. Daher wohl auch die Konzentration auf die griechische Hauptstadt und ihr Umland. Dorthin sind seit heute auch Brandbekämpfungsexperten aus Niedersachsen und NRW unterwegs. Denn während den Großraum Athen etwa vier Millionen Menschen ihr Zuhause nennen, ist die Einwohnerdichte auf Euböa mit gerade einmal 220.000 deutlich geringer.

Deshalb kamen auch die Überlegungen zustande, die Löscheinsätze hauptsächlich vor den Toren der griechischen Hauptstadt zu fliegen, da das von Waldbränden geplagte Gebiet auf der Insel größtenteils unbewohnt und hauptsächlich von Wäldern bedeckt ist.

Zwar verfügt Griechenland über eine der größten Flotten an Löschflugzeugen und -hubschraubern in Europa, auch wenn manche davon schon jahrzehntealt sind. Und der Premier hatte sich auch nicht gescheut, bereits am 3. August internationale Hilfe anzufordern, die nun verstärkt eintrifft.

Notlandung von Löschflugzeug – Pilot unverletzt

Ein kleines griechisches Löschflugzeug vom Typ PZL ist am Sonntagabend wegen eines Motorschadens auf der Insel Zakynthos notgelandet. Der Pilot sei wohlauf, berichtete das griechische Staatsfernsehen (ERT) unter Berufung auf die Zivildienstzentrale in Athen. Er war bei den Löscharbeiten eines Feuers im Einsatz, das auf der Insel im Ionischen Meer ausgebrochen war.

Die Löschflugzeuge sind in Griechenland seit mittlerweile mehr als sechs Tagen im Einsatz – solange es Tageslicht gibt. Nachts versuchen Techniker, die Maschinen wieder einsatzbereit zu machen, wie es in dem Bericht weiter hieß.

Brände in Griechenland: Flammen haben bisher keine Opfer gefordert – Evakuierungsmaßnahmen von Premier Kyriakos Mitsotakis greifen

In gewisser Art und Weise geben die Erfolge dem Premier Kyriakos Mitsotakis aber auch recht. Jedenfalls ein bisschen. Das müssen selbst Kritiker zugestehen. Noch forderten die Brände in Griechenland keine Menschenleben und die Evakuierungsmaßnahmen haben trotz der heiklen Situation und dem hohen Zeitdruck Hand und Fuß.

So funktionierte die Warnung per SMS einwandfrei. Gleichzeitig hatten Evakuierte, die nicht bei Verwandten unterkamen, ein Dach über dem Kopf. Trotz der Notlage konnten diese kostenlos in Hotels übernachten.

Zudem hatte Polizei die Lage im Griff und verhinderte Plünderungen oder holte jene Bürgerinnen und Bürger aus ihren Häusern, die entweder nicht gehen oder ihre Hab und Gut nicht zurücklassen wollten.

Kritik an Premier Kyriakos Mitsotakis wird lauter während Brände in Griechenland weiter wüten

Entsprechend ruhig verhält sich bisher die Opposition. Die Medien hingegen waren weniger zimperlich, obwohl sie sich bisher in der zweijährigen Amtszeit des konservativen Premiers Mitsotakis bisher eher kleinlaut gaben. Selbst als die Corona-Krise drohte, den Tourismus in Griechenland einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Jetzt macht allerdings erste Kritik am Premier die Runde. „Es ist das erste Mal, dass die Regierung stufenweise die Kontrolle verloren hat“, schätzte die regierungsfreundliche Sonntagszeitung To Vima die Lage der Brände in Griechenland kritisch ein.

Die oppositionsnahen Zeitungen wiederum gingen am Sonntag deutlich schärfer mit dem griechischen Premier ins Gericht. „Evakuiert das Land!“, titelte die linke „Documento“ und zeigte die Silhouette des Premiers vor den brennenden Umrissen Griechenlands. Das Image von Mitsotakis liege in Schutt und Asche, befand die Zeitung „Kontra“.

Krisenerprobter Regierungschef lässt keine Diskussion während der Waldbrände in Griechenland zu

Doch auch hier zeigt sich der griechische Regierungschef krisenerprobt und planungssicher. „Es wird Zeit geben für Kritik und Selbstkritik. Aber nicht jetzt“, sagte er bereits am Donnerstag. Die Bürger seien zu Recht erzürnt, aber man werde ihnen beim Wiederaufbau beistehen.

Aus Athener Regierungskreisen heißt es laut der dpa, Mitsotakis werde sich derzeit öffentlich nicht in die Schuld-Diskussion einschalten. Diese solle vor dem Parlament abgehalten werden, wenn die Brände dann wirklich bewältigt seien. Das aber könnte noch Wochen dauern.

Inzidenz in Griechenland: Corona-Fälle und Neuinfektionen mit Covid-19 bleiben stabil

Doch bei allem Kampf gegen die Waldbrände führt Griechenland im Zuge der Corona-Krise einen Zweifrontenkrieg. Immerhin dort gab es am Sonntag eine kurze Atempause zu vermelden. Da die Inzidenz von 187,7 auf 187,6 minimal abflachte.

Dennoch vermeldete Griechenland 2.746 Corona-Neuinfektion und 10 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19.

Möglicherweise eine Front, an der vielleicht etwas Entspannung eintritt.

Unterdessen toben die Brände in Griechenland auch am Sonntagabend weiter. Und die Feuer auf der Insel Euböa sind ebenso wenig unter Kontrolle, wie jene auf der Halbinsel Peloponnes und in Dutzenden anderen Regionen Griechenlands. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Petros Karadjias

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