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„Züge einer Sekte“: Wie radikal sind Klimaaktivisten wirklich?

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Von: Johannes Nuß

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Freitag ruft Fridays for Future zum globalen Klimastreik auf. Extremismusforscher Alexander Straßner warnt vor Radikalisierung und sieht Parallelen zur RAF.

Berlin/Osnabrück – In ganz Deutschland und vielen weiteren Ländern sind an diesem Freitag, 23. September 2022, Demonstrationen für mehr Klimaschutz geplant. Die Klimaschutzbewegung Fridays For Future ruft zu einem weltweiten „Klimastreik“ auf. Allein in Deutschland soll es Proteste in mehr als 200 Städten geben. Größere Demonstrationen sollen unter anderem in Berlin, Hamburg und Köln stattfinden. 270 Aktionen seien geplant. Unterstützt wird der Aufruf von vielen Natur- und Umweltschutzverbänden. Kurz davor ist die Stimmung hitzig, die bekannte Klimaaktivistin Luisa Neubauer nannte Olaf Scholz einen „fossilen Kanzler“.

Extremismusforscher warnt: „Züge einer Sekte“ – Wie radikal sind Klimaaktivisten wirklich?

Doch mit Blick auf die Aktivisten warnt Extremismusforscher Alexander Straßner nun davor, dass sich Teile der Bewegung radikalisieren könnten. Er sieht sogar Parallelen zu Mitgliedern der Roten Armee Fraktion wie Andreas Baader, Ulrike Meinhof oder Gudrun Ensslin. Selbst Klimaaktivist Tadzio Müller von „Ende Gelände“ schloss jüngst sogar eine „grüne RAF” nicht aus, wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtet.

Klima-Aktivisten die aus Protest Gleise besetzt haben, werden einzeln von Polizeibeamten von den Gleisen getragen.
Noch sind die Proteste von Klimaaktivisten in Deutschland relativ harmlos und enden schlimmstenfalls in bestzten Gleisen oder Straßen. Doch Extremismusforscher Alexander Straßner warnt vor einer Radikalisierung der Bewegung. Teile erinnern ihn an die erste Generation der RAF. (Archivbild) © Markus Scholz/dpa

Straßner warnte in dem Interview mit der NOZ mit Blick auf jüngste Blockaden von Straßen und Kohlekraftwerken vor einer Radikalisierung der Klimaaktivisten. „Das erinnert mich frappierend an die ersten RAF-Mitglieder, die in die Illegalität gegangen sind“, sagte der Politikwissenschaftler der Zeitung. „Sie waren wie die Klimaaktivisten heute überzeugt: Wer nicht mitzieht, den müssen wir zwingen.“

Straßner sagte, die Bewegung trage in Teilen Züge einer Sekte und erhebe einen absoluten Wahrheitsanspruch. „Die Aktivisten behaupten von sich selbst, für eine ganze Generation zu sprechen. So diskriminieren sie systematisch andere Meinungen, und auch das ist ein Kennzeichen einer Radikalisierung.“ Genau diese Argumentationslinien habe die Rote-Armee-Fraktion gezeigt, sagte Straßner, der an der Universität Regensburg lehrt.

Extremismusforscher warnt: „An Rändern tummeln sich Extremisten, denen Maßnahmen nicht reichen“

Er sieht Gruppen wie „Letzte Generation“, „Ende Gelände“ und „Extinction Rebellion“ besonders kritisch. „Sie weigern sich, den parlamentarischen Weg zu beschreiten, und behaupten, dafür sei die Zeit zu knapp.“ Noch fehle es diesen Gruppierungen allerdings an einer Galionsfigur, die für Militanz stehe. Straßner geht dennoch von einer weiteren Radikalisierung aus: „An den Rändern tummeln sich Extremisten, denen neue klimapolitische Maßnahmen nicht reichen. Für sie gibt es keine Kompromisse, sondern nur die eigenen Forderungen.“

Gleichzeitig nahm der Politikwissenschaftler aber die Aktivisten der Bewegung Fridays for Future im Zuge des Interviews in Schutz. „In meinen Augen hat sich Fridays for Future deutlich gemäßigt. Vertreter der Bewegung zeigen sich gesprächsbereit und kandidieren für politische Ämter. Die anderen genannten Bewegungen weigern sich, den parlamentarischen Weg zu beschreiten“, so Straßner.

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