Zeuge (17) im Sauerland-Prozess schweigt

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Die Angeklagten Daniel Schneider (li.) undAdem Yilmaz (re.) sitzen flankiert von Justizbeamten im Verhandlungssaal des Oberlandesgerichtes auf der Anklagebank (Archivfoto).

Düsseldorf - Ein damals 15-Jähriger soll im Sommer 2007 die Bomben-Zünder der mutmaßlichen Sauerland-Terroristen nach Deutschland geschmuggelt haben - in einem Paar Schuhe. Im Prozess verweigerte er nun die Aussage.

 Der heute 17-Jährige verweigerte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf jedoch jede Aussage, da die Bundesanwaltschaft in der Sache auch gegen ihn ermittelt. Der Deutsche tunesischer Herkunft wollte auch keinen der Angeklagten als Empfänger der Schuhe identifizieren. In früheren Vernehmungen soll er den mutmaßlichen Rädelsführer Fritz Gelowicz auf Fotos als möglichen Empfänger wiedererkannt haben. Bundesanwalt Volker Brinkmann kommentierte das Schweigen des Zeugen in ungewohnt scharfen Worten. Ihm sei zwar egal, ob er eine Aussage mache, sagte er an den 17-Jährigen gewandt: “Aber Ihnen sollte es nicht egal sein.“ Er wisse noch nicht recht, ob er den Zeugen anklagen solle - doch er müsse sich im Klaren sein, wie sein Verhalten gedeutet werden könne. “Daraus kann ich meine Schlüsse ziehen.“

Tüte aus der Türkei nach Deutschland gebracht

Statt des Jugendlichen sagte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes aus, der ihn im September 2007 verhört hatte. Der Junge habe angegeben, die Schuhe und eine Hose bei einer Türkei-Reise von einem Unbekannten bekommen zu haben, sagte der Ermittler. Er sei mit dem Fremden ins Gespräch gekommen, weil beide aus Deutschland stammten. Dabei habe ihn dieser gebeten, die Dinge für einen Freund mitzunehmen. Ob der 17-Jährige vom brisanten Inhalt der Schuhe wusste, ging aus der Aussage nicht hervor.

Der Jugendliche brachte die Tüte mit Schuhen und Hose demnach nach Deutschland und erhielt dafür 100 Euro für ein Bus-Ticket. Der Mann, der die Tüte abholen werde, sei ihm als deutsch aussehend beschrieben worden. Nach seiner Rückkehr nach Braunschweig habe ihn der Empfänger angesprochen, er habe ihm die Tüte übergeben. Der 17-Jährige erkannte bei Vernehmungen nach Angaben des Kriminalhauptkommissars auf Fotos den Angeklagten Gelowicz als möglichen Abholer der Tüte.

Dolmetscher und Justizbeamte sagen als Zeugen aus

Als Reaktion auf das Schweigen des 17-Jährigen hörte der Senat am Mittwoch auch zwei Justizbeamte und einen Dolmetscher als Zeugen. Alle drei gaben an, dass der Jugendliche zuvor im Saal Blickkontakt mit den Angeklagten Gelowicz und Attila Selek aufgenommen und ihnen zugelächelt habe. Mehrere Verteidiger betonten, dass man aus diesem Lächeln nicht auf eine Bekanntschaft zwischen dem Zeugen und den Angeklagten schließen könne.

Die zum Islam konvertierten Deutschen Gelowicz und Daniel Schneider, der Deutsch-Türke Selek und der Türke Adem Yilmaz wollten laut Anklage mit Autobomben möglichst viele US-Bürger in Deutschland töten. Sie sollen eine deutsche Zelle der Islamischen Dschihad-Union (IJU) gegründet haben. Die Männer müssen sich unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags verantworten. Schneider wird zudem versuchter Mord vorgeworfen, weil er bei seiner Festnahme auf einen Polizisten geschossen haben soll.

AP

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