Rinderknochen implantiert: Chirurg muss 10.000 Euro Bußgeld zahlen

Marburg - Weil er einer Patientin gegen ihren Willen Implantate aus Rinderknochen eingesetzt hat, ist ein ehemaliger Chefarzt wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt worden. Das Marburger Landgericht belegte den früheren Leiter der Marburger Unfallchirurgie mit einer Geldbuße über 10.000 Euro.

Außerdem wurde der 67-jährige Mediziner mit einer Geldstrafe auf Bewährung in Höhe von 15.000 Euro verwarnt. Die Geldbuße von 10.000 Euro geht je zur Hälfte an die Bundesvereinigung Lebenshilfe und die Staatskasse. Mit diesem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Carsten Paul: “Die Patientin hatte ausdrücklich Implantate aus Rinderknochen abgelehnt, dieser Wille ist missachtet worden.“ Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil ist somit rechtskräftig. Staatsanwältin Annemarie Wied sprach von einer “angemessenen Strafe“. Der Verteidiger des verurteilten ehemaligen Chefarztes, Michael Teske, sagte: “Mein Mandant hat das Urteil angenommen, weil er einfach einen Schlussstrich ziehen möchte. Es ist eine Strafe, allerdings im unteren Bereich.“

Der verurteilte Arzt hatte im Jahr 2003 eine Patientin mit Kreuzbandriss operiert und ihr dabei auch Stifte aus Rinderknochen ins Knie gepflanzt, obwohl die Patientin vor der Operation in einem Arztgespräch und auf ihrem Einwilligungsbogen diese Art von Implantaten abgelehnt hatte. In der Verhandlung gab der ehemalige Chefarzt zu, dass er den Willen der Patientin nicht überprüft hatte, im Trubel des Krankenhausbetriebs habe er es versäumt, in ihre Krankenakte zu schauen. Rückblickend müsse er sagen, “man hätte lieber reingeschaut“. Bis dahin habe sich noch nie ein Patient gegen die Rinderknochen-Implantate gewehrt.

Gegen den ehemaligen Leiter der Unfallchirurgie an der Marburger Universitätsklinik wird seit dem Jahr 2005 ermittelt. Ein anonymer Brief an die Klinik brachte den Mediziner ins Visier der Staatsanwaltschaft. Diese hat in fast 300 Fällen von Operationen in den Jahren 2000 bis 2005 ermittelt. Der Chirurg soll unter anderem Rinderknochen-Implantate verwendet haben, die gar nicht zugelassen waren. Er soll diese in der Klinik teilweise auch selbst angefertigt haben.

Bei einigen Patienten kam es nach den Operationen zu Komplikationen, allerdings konnte nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht sicher festgestellt werden, ob diese Beschwerden tatsächlich auf die Rinderknochenimplantate zurückzuführen sind. Im Jahr 2005 wurde der ehemalige Chefarzt von der Marburger Uniklinik suspendiert. Der 67-Jährige hat nach eigenen Angaben noch in Gießen eine halbe Stelle.

AP

Rubriklistenbild: © dpa

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