Gericht setzt „Hochrisikotäter“ auf freien Fuß

Mönchengladbach - Er hatte mehrfach Kinder missbraucht und saß dafür hinter Gittern. Doch obwohl dem 39-Jährigen von einem Sachverständigen „gefährliche sexuelle Gewaltfantasien“ attestiert wurden, setzte ein Gericht in Mönchengladbach den Mann auf freien Fuß.

Der vom Gericht bestellte Sachverständige hatte die Rückfallgefahr für den 39-Jährigen auf 50 Prozent beziffert, ein anderer hatte ihn als “Hochrisikotäter“ eingestuft. Er hatte mehrere minderjährige Mädchen schwer missbraucht.

Das Landgericht lehnte die von der Staatsanwaltschaft beantragte nachträgliche Sicherungsverwahrung dennoch ab. Die strengen Voraussetzungen für eine nachträgliche Verwahrung lägen nicht vor, befand das Gericht nach Angaben eines Sprechers. Damit scheiterte die Staatsanwaltschaft mit ihrem Versuch, den Mann auch nach Ablauf seiner Haftstrafe wegzusperren. Der Kinderschänder konnte das Gericht am Donnerstag als freier Mann verlassen.

Der Mann war dort im Dezember 1999 zu insgesamt neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Weitere Sachverständige und Zeugen hatten die Gefahr allerdings als geringer eingeschätzt. Da der Vergewaltiger auch während Hafturlauben keine weitere Taten beging, sah das Gericht die gesetzlichen Hürden als nicht überschritten. Im Gesetz heißt es, vom Täter müssten “mit hoher Wahrscheinlichkeit“ weitere Straftaten zu erwarten sein.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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