Alpenverein ruft zum Messner-Boykott auf

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Paradebergsteiger Reinhold Messner bei einem Fototermin für seinen Film Nanga Parbat.

München - Das Tischtuch zwischen dem Extrembergsteiger Reinhold Messner und dem Deutschen Alpenverein ist zerschnitten. Spitzenfunktionäre rufen offen dazu auf, den Parade-Bergsteiger zu meiden.

Schon seit vielen Jahren gärt es zwischen dem 54-jährigen Südtiroler, der als erster Mensch auf allen 14 Achttausendern stand, und der größten Bergsteigervereinigung der Welt. Jetzt kam es zum totalen Zerwürfnis – wegen eines Artikels, den Messner für die März-Ausgabe des Fachmagazins „Bergsteiger“ geschrieben hat. In einem vom 8. Mai datierten Schreiben an sämtliche 354 Sektionen mit ihren gut 750 000 Mitgliedern fordern DAV-Präsident Heinz Röhle und Bundesgeschäftsführer Thomas Urban dazu auf, Messner etwa bei Buchvorstellungen oder Multivisionsschauen zu boykottieren.

Wörtlich heißt es: „Das Präsidium beschließt, dass Messner künftig keinerlei Plattform im DAV-Hauptverein und im DAV Summit Club erhält. Des Weiteren werden alle Sektionen mit der Empfehlung angeschrieben, diesen Schritt auf Sektionsebene ebenfalls nachzuvollziehen.“ Der DAV argumentiert, dessen ehren- und hauptamtliche Vertreter seien in den vergangenen Jahren „wiederholt massiv attackiert“ worden bis hin zu „sehr persönlichen Angriffen“ gegen Einzelpersonen.

Als „völlig inakzeptabel“ erachtet der DAV Messners Vergleiche der aktuellen Führungsspitze des Bergsteigerverbands mit den Nationalsozialisten. Versuche, mit Messner „zu einem kameradschaftlichen Miteinander zurückzukommen“, seien gescheitert. Anstoß genommen hatte Reinhold Messner an einigen Zeilen im Alpenvereins-Jahrbuchs „Berg 2009“, in dem sich Stefan Witty und Oliver Lindenthal mit dem Thema Naturschutz befassen. Die Autoren werfen „der Seite der Extremen“ – und damit Leuten wie Messner – vor, dass bei ihnen „Umweltbildung nach wie vor ein anspruchsvolles Unterfangen“ sei. Gemeint ist: Extremkletterer scherten sich wenig um die Umwelt.

Dabei sei die Vorbildwirkung von Spitzenalpinisten immens, wie das Positivbeispiel Hans Kammerlander beim DAV-Projekt „Skibergsteigen umweltfreundlich“ oder das der Huber-Buam zeige. Witty und Lindenthal folgern: „Man muss die Leithammel in die richtige Richtung lenken, dann läuft die Herde hinterher.“ Prompt antwortete Messner im „Bergsteiger“, der DAV habe sich geoutet „als das, was er schon immer sein wollte: die Avantgarde Vorgestriger“. Das DAV-Motto „Zukunft schützen“ veranlasste Messner zu dem Kommentar: „Vor allem vor ungebrochenen Menschen. Sie könnten sich weigern, Leithammel oder Schafe zu sein. Noch schlimmer, sie ließen sich nicht lenken oder vielleicht nicht in die richtige Richtung?“

Ehrenamtliche DAV-Funktionäre titulierte er als „selbsternannte Schafsköpfe“. Jedenfalls seien dies „nicht selbst bestimmte Bergsteiger“, eher die „jungen Erben eines totalitären Vereinsverständnisses“. In Anspielung auf das Verbot der Naturfreunde 1933 moniert Messner, „dieser Verein“ habe sich „zum Komplizen von Ausgrenzungskampagnen gemacht“. Er wundere sich, dass „Alpinisten von Weltruf“ als „Leithammel“ bezeichnet werden dürften, „ohne dass dieser Akt linkischer Angeberei eine Revolution auslöst“. Die Reaktionen auf das Zerwürfnis sind unterschiedlich. Der Tölzer Andreas Kubin, Chefredakteur des „Bergsteiger“, zeigt Verständnis für Messner. Der habe seine Kritik „ja nicht zum ersten Mal formuliert“.

Anders sieht dies Siegfried Weippert, Vorsitzender der traditionsreichen Elite-Sektion Berggeist. Er beglückwünscht den DAV zu dem „längst überfälligen Entschluss“. Die Sektion selbst habe schon vor Jahren die Aufnahme Messners „wegen diffuser Charaktereigenschaften abgelehnt“. Messner übrigens legte noch eins drauf, als ihn unsere Zeitung zum DAV-Beschluss befragte: „Diese Ausgrenzungskultur beweist, dass der DAV heute noch im Geist der 1930er Jahre lebt.“

Von Martin Becker

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