Zollitsch: Zu spät auf Missbrauchsfälle reagiert

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Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, hat Fehler bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle eingeräumt.

Berlin - Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, hat Fehler bei der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle eingeräumt. Jetzt soll die Wissenschaft helfen.

“Aus heutiger Sicht hätten wir früher reagieren müssen“, sagte er der “Süddeutschen Zeitung“ (Freitag). “Wir dachten, dass wir erst einmal die Dimension erfassen müssen. Wir haben ja sofort gesagt, wie sehr uns jeder Fall erschüttert. Aber dann kam eine Lawine über uns.“

Das Ausmaß der Gewalt gegen Kinder habe ihn erschüttert, sagte Zollitsch weiter. “Das wird uns noch lange beschäftigen.“ Er räumte ein: “Ja, es gibt eine Vertrauens- und Glaubwürdigkeitskrise. Sie hat uns hart getroffen. An der Überwindung dieser Krise arbeiten wir.“

Missbrauch in der katholischen Kirche: Chronologie

Chronologie der Missbrauchsfälle

Die Problematik des sexuellen Missbrauchs in der Kirche werde wissenschaftlich aufgearbeitet, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Der Missbrauchsbeauftragte, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, werde Anfang nächsten Jahres dazu Details vorstellen. “Mit der wissenschaftlichen Forschung machen wir deutlich: Wir wollen aufklären.“ Er zweifle nicht am Aufklärungswillen aller Bistümer, sagte Zollitsch.

Nach seinen Angaben wird sich Papst Benedikt XVI. bei seinem Deutschland-Besuch im kommenden September möglicherweise auch mit Missbrauchsopfern treffen. “Darüber wird nachgedacht.“ Zollitsch machte deutlich, dass er große Hoffnungen in den Besuch des Papstes setzt: “Er wird einen Motivationsschub mit sich bringen. Weil er glaubwürdig ist.“ Zollitsch betonte, es lohne sich in der Kirche zu sein und zu bleiben. “Resignation und Rückzug wären jetzt jedenfalls die falsche Antwort.“

Der Erzbischof bedauerte, dass es manchmal eine “sehr einseitige und journalistisch alles andere als überzeugende Berichterstattung“ über die Missbrauchsfälle und die Reaktionen der Kirche gegeben habe. “Für mich war das mein schwerstes Jahr als Erzbischof und als Vorsitzender der Bischofskonferenz.“

dpa

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