Oktober 2006

Zehn Jahre nach dem Fall Kevin: Kinderschutzbund fordert mehr Prävention

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Der Tod des kleinen Kevin vor zehn Jahren hat Deutschlandweit für Entsetzen gesorgt.

Hannover - Zehn Jahre nach dem Tod des kleinen Kevin in Bremen sieht der Deutsche Kinderschutzbund nach wie vor Verbesserungsbedarf im Präventionsbereich der Jugendhilfe.

„Wir fordern, dass es in allen Städten in Deutschland Präventionsketten gibt, damit man früh auf Überforderung reagieren kann“, erklärte der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers. 

Polizisten hatten den zweijährigen Kevin im Oktober 2006 tot im Kühlschrank seines drogensüchtigen Ziehvaters entdeckt. Der Fall war ausschlaggebend für Reformen des Kinderschutzes bundesweit. Durch eine Gesetzesänderung 2011 wurde zum Beispiel festgelegt, dass ein Vormund nicht mehr als 50 Mündel betreuen darf. Zuvor war ein Vormund zum Teil für über 200 Fälle zuständig.

„Jede Hilfe, die früh geleistet wird, ist wirksam und kostengünstig, und alles, was man spät macht, wird teuer und wirkt oft nicht mehr“, sagte Hilgers. Der Kinderschutzbund fordert, dass im Kinder- und Jugendhilfegesetz Rechtsansprüche der Familien auf familienergänzende frühe Hilfen festgeschrieben werden. Bisher sei das in den Kommunen sehr unterschiedlich und oft von der finanziellen Ausstattung abhängig.

Chronologie des Falls

Januar 2004: Kevin kommt als Kind einer drogensüchtigen Mutter zur Welt.

November 2005: Die Mutter stirbt. Kevin kommt für drei Wochen in ein Kinderheim. Das Jugendamt wird zum ersten Vormund des Kindes. Eine Woche später kann Kevin wieder zum Vater.

Ende April/Mai 2006: Vermutlicher Todeszeitpunkt von Kevin.

2. Oktober 2006: Ein Gericht beschließt, Kevin aus der Wohnung des Vaters abzuholen.

10. Oktober 2006: Polizisten finden Kevin tot im Kühlschrank.

31. Oktober 2006: Eine Dokumentation zu Fehlern der Behörden wird vorgestellt. Dabei wird erstmals bekannt, dass der festgenommene Drogensüchtige nicht Kevins leiblicher Vater ist.

2. November 2006: Das Parlament der Hansestadt setzt einen Untersuchungsausschuss ein. Das Gremium kommt zu dem Schluss, dass die Sozialbehörden drastische Fehler gemacht haben.

13. November 2006: Kevin wird in Bremen beigesetzt.

5. Juni 2008: Das Landgericht Bremen verurteilt den Ziehvater wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Misshandlung von Schutzbefohlenen. Außerdem wird die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

25. August 2010: Das Landgericht stellt das zweite Verfahren um den Tod Kevins gegen den Amtsvormund ein. Der Mann muss eine Auflage von 5000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Damit endet die juristische Aufarbeitung der Tragödie.

dpa

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