Tiere gerissen

Wölfin „Gloria“ darf nicht erschossen werden ‒ Schäfer verliert vor Gericht

Ein Wolf wandert im Wald umher.
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Der Wolf kommt der Region Stuttgart immer näher.

Wölfin „Gloria“ soll am Niederrhein bis zu 140 Tiere gerissen haben. Als Problemwolf wird sie aber nicht eingestuft. Ein Gericht hat entschieden: Sie darf leben.

Düsseldorf - In Nordhrein-Westfalen am Niederrhein geht seit einigen Jahren Wölfin Gloria auf die Jagd. Weil sie dabei auch Schutzzäune überspringt und Weidetiere reißt, sind viele Schäfer der Region nicht gut auf sie zu sprechen. Einer von ihnen, Kurt Opriel, beantragte daher, sie als Problemwolf einzustufen - verhaltensauffällige Wölfe können zum Abschuss freigegeben werden. Gloria hatte wiederholt Schafe des Schäfers und anderer Schafzüchter gerissen. Opriel hatte 29 Tiere - 26 Prozent seiner Herde - eingebüßt.

Gloria und ihr Jagdverhalten waren Anfang Mai Thema vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht - und die Richter entschieden zugunsten der Wölfin. Das Gericht zeigte sich nicht überzeugt, dass dem Schäfer Opriel auch in Zukunft ernsthafter Schaden droht. Im vergangenen Jahr habe es nur noch einen Vorfall gegeben. Die meisten Schafe seien Gloria 2018 und 2019 zum Opfer gefallen. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass sich die Wölfin auf das Reißen von Schafen spezialisiert habe, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Werthmann.

Wölfin Gloria in NRW: Bis zu 140 Tiere sollen ihr zum Opfer gefallen sein

Wölfin Gloria, im Amtsdeutsch Wolfstier „GW954f“, soll zwischen 92 und 140 Weidetiere am Niederrhein gerissen haben: „Shetlandponys, Schafe, Ziegen und Damwild im Gehege“, sagt Anwalt Stefan Steinkühler. Gloria habe mehrfach Stromzäune von 1,20 Meter überwunden und sei damit eigentlich verhaltensauffällig, hatte er argumentiert.

Schäfer Kurt Opriel stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Er müsse das Urteil „sacken lassen und dann gucken, wie es weitergeht“, sagt er. Opriel wollte den Kreis Wesel verpflichten, eine Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesnaturschutzgesetz zu erteilen, damit die Wölfin als verhaltensauffällig getötet werden darf. Der Wolf* gehört zu den streng geschützten Tierarten, seine Tötung ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Wölfin Gloria „kein verhaltensauffälliger Wolf“

Ob er in Berufung gehe, wisse er noch nicht, sagt Schäfer Opriel nach der Urteilsverkündung. „Man muss jetzt auch an die Tiere denken.“ Inzwischen hat sich Opriel für 150.000 Euro einen Schafstall zugelegt - „ohne Subventionen“, wie sein Anwalt betont. Aber die Schafe die ganze Zeit drinnen einzusperren, sei nicht artgerecht.

Dass dem Schäfer ein ernster wirtschaftlicher Schaden entstanden war, hatte auch der Kreis Wesel nicht bestritten. Man werde ihn weiterhin beim Schutz seiner Herde unterstützen, versicherte Kreis-Mitarbeiter Klaus Horstmann. Als Problemwolf will er Gloria aber nicht einstufen - trotz zahlreicher Risse von Weidetieren, die nachweislich auf ihr Konto gehen. „Das ist für mich kein verhaltensauffälliger Wolf“, sagt Horstmann. „Die Übergriffe werden weitergehen“, ist sich dagegen Opriels Anwalt Steinkühler sicher.

Was die Zukunft angeht, hatte Matthias Kaiser vom Landesumweltamt für den Schäfer keine guten Neuigkeiten. Nicht nur habe sich ein Rüde zu Gloria gesellt und mit ihr ein Junges gezeugt. Auch gehe er davon aus, dass bald weitere Wölfe auf Wanderschaft das Wolfsgebiet Schermbeck entdecken und sich auf den 957 Quadratkilometern ansiedeln.

Wölfin Gloria in NRW: „Eindeutig ein Problemwolf“

Die Umweltschutzverbände Nabu und BUND sowie NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) begrüßten das Urteil. Die Arbeit sei damit aber nicht getan: „Herdenschutz war, ist und bleibt das Gebot der Stunde“, so die Ministerin. „An einer Koexistenz von Weidetierhaltung und Wolf führt in Europa kein Weg vorbei.“

Enttäuscht zeigte sich dagegen der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV). Schutzmaßnahmen und eine schnelle Entnahme auffälliger Wölfe müssten „zwei Seiten einer Medaille“ sein. „Unterbleiben hier Konsequenzen, wird die Akzeptanz für den Wolf weiter schwinden“, so der RLV. Viele Weidetierhalter fühlten sich inzwischen von Politik und Verwaltung mit dem Problem im Stich gelassen.

„Wölfe vermehren sich rasend schnell und machen die Weidetierhaltung bald unmöglich“, warnte der jagdpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Karlheinz Busen. Gloria sei eindeutig ein Problemwolf. „Wir brauchen den Abschuss von Wölfen zur Bestandsregulierung. Wenn die Landwirtschaftsminister in Bund und Land nicht in der Lage sind, die artgerechte Tierhaltung wirksam zu schützen, sind sie für ihren Job offensichtlich ungeeignet“, so Busen. (ial mit dpa) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. Eine drastische Maßnahme ergriff auch ein Schäfer aus Nordhessen: Aus Angst vor dem Wolf verkaufte er seine gesamte Herde*.

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