1. Startseite
  2. Deutschland

Windrad der Superlative: Chinesen wollen Windkraft und Erneuerbare Energien stärken

Erstellt:

Von: Anika Zuschke

Kommentare

Windräder des Offshore-Windparks „Baltic 2“ sind in der Ostsee vor der Insel Rügen zu sehen und die chinesische Flagge.
China hat ein neues Offshore-Windrad mit einer Leistung von 18 Megawatt angekündigt – Deutschland schwächelt hingegen im Offshore-Windsektor. (kreiszeitung.de-Montage) © Jens Büttner/dpa/Panthermedia/Imago

Deutschland möchte den Ausbau von Erneuerbaren Energien angehen – auch mithilfe von Offshore-Windkraft. Inwiefern China das bisher aber besser schafft.

Zhongshan – Mit der Energiekrise, die Deutschland infolge des Ukraine-Kriegs kalt erwischt hat, ist die Notwendigkeit eines schnellen Ausbaus von Erneuerbaren Energien wieder einmal überaus deutlich geworden. Doch ziehen Länder wie China beim Ausbau von Offshore-Windenergie rechts und links an der Bundesrepublik vorbei.

Der chinesische Windturbinenhersteller „Mingyang“ beispielsweise hat erst vor wenigen Tagen ein neues Windrad angekündigt, das 96.000 Menschen im Jahr mit grünem Strom versorgen kann. In Deutschland wurden indes im ganzen Jahr 2022 nur 38 neue Offshore-Windräder installiert – 2021 ist kein einziges Windrad an der Küste dazugekommen. Sind die ambitionierten Ausbau-Ziele der Regierung also überhaupt realistisch?

Windenergie nimmt in China an Fahrt auf – mit neuem innovativen Windrad

Der Windturbinenhersteller „Mingyang Smart Energy“ hat auf der Plattform LinkedIn ein neues Windrad mit dem Namen MySE 18.X-28X angekündigt, dessen Rotorblätter 140 Meter groß werden und das sogar der Windgeschwindigkeit eines Taifuns standhalten soll. Insgesamt habe der Rotor demnach einen Durchmesser von über 280 Metern, womit die Turbine 66.052 Quadratmeter überstreicht – das entspricht einer Fläche von neun Fußballfeldern.

Die Windräder sind für den Offshore-Einsatz gedacht und sollen eine Leistung von über 18 Megawatt an den Tag legen können. Bei einer durchschnittlichen Windgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde können die innovativen Windräder damit laut dem IT-Onlinemagazin Golem 80 Gigawattstunden an elektrischem Strom im Jahr erzeugen. 96.000 Menschen sollen im Zuge dessen mit grünem Strom versorgt werden – von einer Turbine wohlgemerkt. Gleichzeitig sollen durch den Einsatz eines Offshore-Windrades dieser Art 66.000 Tonnen an CO₂-Emissionen im Jahr eingespart werden.

Erneuerbare Energien sollen in Deutschland ausgebaut werden – auch mithilfe der Offshore-Windkraft

Während China also in Bezug auf Erneuerbare Energien mit ständigen Innovationen über sich selbst hinauswächst, scheint Deutschland beim Ausbau von Offshore-Windenergie zu schwächeln. Und das, obwohl die installierte Leistung von Windrädern im Wasser bis zum Jahr 2030 auf mindestens 30 Gigawatt (GW), bis 2035 auf mindestens 40 GW und bis 2045 auf mindestens 70 GW steigen soll. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde das Windenergie-auf See-Gesetz (WindSeeG) verabschiedet, das am 1. Januar 2023 final in Kraft getreten ist.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus Ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Um die richtigen Voraussetzungen für dieses ambitionierte Vorhaben zu schaffen, werden die Ausbaupfade und Ausschreibungsmengen von Offshore-Windenergie im Zuge des Gesetzes massiv angehoben.

Windkraft in Deutschland soll stärker genutzt werden – Offshore-Windenergie mehr als verdreifachen

Das ist auch bitter nötig, denn laut der Online-Fachzeitschrift Erneuerbare Energien betrug die installierte Leistung der in Betrieb befindlichen Offshore-Windenergieprojekte in Deutschland Ende 2022 nur 8,1 GW – innerhalb von acht Jahren soll diese Summe also mehr als verdreifacht werden. Nordsee-Stürme, die Windenergie fördern und Strom billiger machen, könnten dabei behilflich sein.

Aber ist dieses Ziel überhaupt umsetzbar? „Wir müssen gemeinsam mit der Politik umgehend eine realistische Grundlage für die Umsetzung der Ausbauziele im Bereich Windenergie auf See für Strom und grünen Wasserstoff schaffen“, mahnen die Branchenorganisationen BWE, BWO, Stiftung Offshore-Windenergie, VDMA Power Systems, WAB e.V. und WindEnergy Network e.V. laut Erneuerbare Energien. „In Europa sollen in diesem Zeitraum [bis 2030] zusammen rund 150 GW Windenergieleistung zugebaut werden. Die Branche erwartet daher einen erheblichen Anstieg ab 2025 und vor allem gegen Ende des Ausbauzieles 2030, was eine industrielle Machbarkeit voraussetzt“, heißt es von den Verbänden.

Ihrer Meinung nach sind dafür jedoch Anpassungen am WindSeeG erforderlich – insbesondere an der durch das Gesetz eingeführten Gebotskomponente, die die Risiken für Investoren erhöhe und die Stromkunden mit zusätzlich steigenden Preisen entlaste. Andererseits könnten die vorgesehenen Ausbauziele nicht sicher umgesetzt werden. Die installierte Windkraft an Land sorgt in Deutschland indes für Rekorde – und zeitgleich auch Probleme.

Auch interessant

Kommentare