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Windkraft in Deutschland: Mega-Windparks sollen in der Nordsee entstehen

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Von: Yannick Hanke

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Die Bundesregierung will den Ausbau der Windkraft in Deutschland bis 2030 vorantreiben. Das gilt vor allem für Nord- und Ostsee. Welcher Masterplan vorliegt.

Berlin – Die Klimaziele der Bundesregierung bis 2030 sind hochgesteckt. Es soll verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Eine wichtige Rolle nimmt dabei der Ausbau der Windkraft in Deutschland ein. Der Masterplan der Regierung wurde nun veröffentlicht. So sollen in der Nordsee Mega-Windparks entstehen. Welche Gebiete konkret davon betroffen sind.

Windkraft in Deutschland: Bundesregierung will Mega-Windparks in der Nordsee bauen

Laut des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) drehen sich aktuell über 1.500 Windräder in der deutschen Nord- und Ostsee, um Strom zu produzieren. Bald sollen es noch deutlich mehr werden, um den Ausbau der rekordverdächtigen Windkraft in Deutschland voranzutreiben.

Am Freitag, 20. Januar 2023, hatte das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) den Flächenentwicklungsplan 2023 veröffentlicht. Dieser dient als Basis, um die derzeit installierte Offshore-Leistung von 8,1 Gigawatt bis 2030 auf 30 Gigawatt zu steigern. Das würde fast eine Vervierfachung darstellen. Und auch zur Wasserstoff-Gewinnung weist dieser Plan neue Gebiete aus.

Ausbauziel von 40 Gigawatt Offshore-Windkraft bis 2035 soll durch Mega-Windparks übertroffen werden

Auf den neuen Flächen in Nord- und Ostsee könnten insgesamt bis zu 36,5 Gigawatt an neuer Leistung installiert werden. Damit soll das bis 2035 gesetzlich festgelegte Ausbauziel von 40 Gigawatt Offshore-Windkraft deutlich übertroffen werden. Das teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit.

Mehr als 3.500 Quadratkilometer zusätzliche Fläche zum Ausbau von Windkraft allein in der Nordsee

Wo aber sollen diese neuen Windparks zum besseren und schnelleren Förderung von Windkraft in Deutschland konkret entstehen? Der Schwerpunkt des geplanten Vorhabens der Bundesregierung ist die Nordsee. Hier wird nun eine zusätzliche Fläche von mehr als 3.500 Quadratkilometern für Offshore-Windkraft ausgewiesen. Hinzukommen etwa 330 Quadratkilometer in der Ostsee. Das ergibt zusammen etwa die 1,5-fache Fläche des Saarlandes.

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Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in einem Statement

Doch werden die neuen Gebiete nicht in unmittelbarer Küstennähe liegen. Die Anlagen werden deswegen durch lange Stromtrassen mit Unterseekabeln an das Stromnetz angeschlossen. Zuletzt war der deutsche Offshore-Ausbau kaum vorangekommen. So ging zwischen Mitte 2020 und Mitte 2022 kaum eine neue neue Anlage ans Netz.

Ausbau der Windkraft in Deutschland erfolgt innerhalb der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ)

Die zum Ausbau der Windkraft in Deutschland auserkorenen Standorte der Windparks sind bewusst ausgewählt worden. Sie liegen vollständig innerhalb der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Deutschlands. Das umfasst gemäß dem Völkerrecht Gebiete mit bis zu 200 Seemeilen (rund 370 Kilometer) vor der Küste.

Windpark in der Nordsee
Der Offshore-Windpark „Butendiek“, etwa 30 Kilometer vor der Insel Sylt in der Nordsee. © Daniel Reinhardt/dpa/Archivbild

Denn anders als auf Hoher See dürfen Länder in ihrer AWZ exklusiv zum Beispiel Bodenschätze ausbeuten. Zur Einordnung: Die deutsche AWZ in Nord- und Ostsee umfasst rund 33.000 Quadratkilometer. Und wie an Land auch, gibt es für diese Gebiete staatlich festgelegte Nutzungspläne. Diese geben vor, was wo gemacht und auch gebaut werden darf.

Umweltschützer mit Bedenken bei Mega-Windparks in der Nordsee

Das gehört auch zur Wahrheit: Große Teile der deutschen AWZ in Nord- und Ostsee sind Naturschutzgebiet. Die jetzt ausgewiesenen Windpark-Flächen grenzen teilweise an solche Schutzgebiete, darunter das Sylter Außenriff - Östliche Deutsche Bucht. Deswegen werden im Bericht des Bundesamtes Maßnahmen aufgelistet, mit denen der ökologische Schaden von Bau und Betrieb der Anlagen möglichst gering bleiben soll.

Hierzu haben sich Umweltschützer bereits geäußert. Zwar wurden viele wichtige Punkte angesprochen, Nachweispflichten etwa bei Gefahren für Vögel durch Windräder seien aber zu hoch angesetzt, so Anne Böhnke-Henrichs vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gegenüber ZDFheute. „Die Schutzmaßnahmen werden so komplett ausgehöhlt“.

Doch gibt es auch positive Aspekte aus Sicht von Böhnke-Henricks: Sie habe sich gefreut, dass die jetzt veröffentlichte Version des Entwicklungsplans auf kritische Anmerkungen von Naturschützern zum Schutz der Seetaucher-Population nahe eines geplanten Nordsee-Windparks eingegangen sei. Und: „Es ist wichtig, dass die Planungen auch in Zukunft an neue Erkenntnisse angepasst werden können“.

Ausbau Erneuerbarer Energien wird durch neue EU-Maßnahme beschleunigt

Doch sehen Umweltschützer auch eine ab Januar geltende Maßnahme der Europäischen Union (EU), die beim Windkraft-Ausbau in Nord- und Ostsee greifen könnte, kritisch. Denn um den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu beschleunigen, sollen Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.

Mit der Notfallverordnung erleben wir eine Abschaffung des flächenbezogenen Naturschutzes. Artenschutz und Klimaschutz gehören zusammen. Man darf nicht das eine für das andere aufgeben.

Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu, gegenüber „ZDFheute“

So müssten in den kommenden 18 Monaten in bestimmten Ausbaugebieten nur noch reduzierte Prüfungen zur Umweltverträglichkeit durchgeführt werden. Konkret könnten alte, bereits vorhandene Daten zu Tierpopulationen herangezogen werden, um neue Projekte zu genehmigen.

Ausbau der Windkraft in Deutschland: Offshore-Branche mit positivem Feedback auf Entwicklungsplan

Und wie geht es jetzt weiter? Es wurden Gebiete zum Ausbau der Windkraft in Deutschland gefunden, das ist jedoch nur der erste Schritt. Als Nächste müssen Betreiber gefunden werden, die dort auch tatsächlich Windparks bauen möchten. Da die Offshore-Branche jedoch positiv auf die Veröffentlichung des Entwicklungsplans reagierte, sollte das nicht allzu schwer werden.

Ausschreibungsverfahren über insgesamt 8,8 Gigawatt zu installierende Leistung sind für 2023 geplant. Das erste neue Ausbaugebiet, O-1.3 mit 300 Megawatt Leistung, soll 2026 via Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern ans Netz gehen. Die Ausschreibung war bereits 2021 erfolgt. Fünf Jahre später könnte es dann Realität werden.

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