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Nordsee-Stürme fördern Windenergie und machen Strom billiger

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Von: Felix Busjaeger

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Windturbinen des Windparks Thorntonbank
Der Zubau von Offshore-Windkraft in Deutschland kommt wieder in Gang. © IMAGO / imagebroker

Windenergie wird im Zuge der Energiewende immer wichtiger. Die Ausbauziele sind ambitioniert und könnten Deutschland zum wichtigen Standort machen.

Berlin – Draußen ist es grau, der Regen prasselt gegen die Scheiben und der Wind pfeift immer stärker um die Ecke. Was für viele Menschen in Deutschland eine lästige Begleiterscheinung der kalten Jahreszeiten ist, könnte sich für Verbraucher als unterschätzte Energiequelle entpuppen – und sogar einen positiven Effekt für die Stromrechnung haben. Zumindest, wenn die Winde und Stürme weiter kräftig über der Nordsee pusten. Die Rede ist von Stromgewinnung in Offshore-Windparks. Seit Jahren boomt die Branche. 2021 betrug der Anteil der sogenannten Nordsee-Ernte bereits knapp 20 Prozent – Tendenz steigend.

Offshore-Windparks könnten Wende bringen: Windenergie macht Nordsee-Stürme nutzbar

Nach einem zeitweise kompletten Stillstand ist der Bau neuer Windräder auf See im vergangenen Jahr wieder in Schwung gekommen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, sind im vergangenen Jahr 38 neue Anlagen mit einer Gesamtleistung von 342 Megawatt (MW) gebaut worden. Das geht aus einer Analyse des Beratungsunternehmens Deutsche Windguard im Auftrag mehrerer Branchenverbände hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Damit waren zum Jahresende 2022 in Deutschland 1539 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 8,1 Gigawatt (GW) in Betrieb. Bis zum Jahr 2030 soll die installierte Leistung von Offshore-Windenergie auf mindestens 30 Gigawatt und bis 2045 auf mindestens 70 Gigawatt steigen. 

Dabei kommt der größte Anteil von der Nordsee (insgesamt 7 GW). Unter den Bundesländern hat Niedersachsen klar die Nase vorn, gefolgt von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Auffällig: Die Windräder werden immer größer und damit leistungsfähiger. Im Schnitt hatte ein Windrad zum Jahresende nach Branchenangaben eine Leistung von knapp 5,3 Megawatt (MW). Neue Räder erreichen eine Höhe von bis zu 145 Meter bis zur Nabe und einen Rotordurchmesser von bis zu 236 Metern. Derweil wird klar: Europa gewinnt wohl den Energiekrieg gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Allerdings zeigt sich auch, dass Deutschland und Robert Habeck beim Ausbau der Windenergie weiterhin hinterher hinken.

Windenergie gewinnt an Bedeutung: Erneuerbare Energien sollen in Deutschland Wende bringen

Die Entwicklung bei den Erneuerbaren Energien zu Wasser zeigt: Windkraft gewinnt in Deutschland immer mehr an Bedeutung. Und auch ein Blick auf die Anrainerstaaten zeigt, dass sich Deutschland in gute Gesellschaft befindet. Dänemark etwa schraubt seinen Ausbau bei der Förderung von Windkraft weiter hoch. Wie der Focus schreibt, könnte sich im gegenwärtigen Boom der Windenergie-Branche der Schlüssel verstecken, um Europas Klimaziele zu erreichen. Wie es weiter heißt, könnt es außerdem die womöglich letzte Chance sein, um auf dem Globus relevant zu bleiben.

Zwischenzeitlich gab es allerdings auch die Überlegungen, die Gasförderung in der Nordsee hochzufahren, um die Preisexplosionen beim Gas zu kompensieren. Dänemark ist dabei seit jeder der Vorreiter und trieb bereits vor drei Jahrzehnten den Ausbau der Windenergie im Offshore-Bereich, also auf der Nordsee, entschieden voran. Doch mit der Windenergie und der Abhängigkeit von anderen Erneuerbaren Energien steigt zugleich auch das Risiko, wegen Energiequellen, die schwer kontrollierbar sind, auf mögliche Ausfälle vorbereitet zu sein. Immer wieder kommt es vor, dass Windparks aufgrund der Wetterlage gar nicht oder nur kaum effizient arbeiten können.

Nordsee wird zum Energiezentrum: Windenergie wird in Offshore-Parks gewonnen

Während der Ausbau der Offshore-Windparks im vergangenen Jahr einen Fortschritt machte, ist weiterhin die Einspeicherung der überschüssigen Energie die größte Herausforderung in Deutschland – zu Land und zur See. Dennoch bietet die Nordsee ein großes Potenzial für die Energiezukunft Europas. Bei allen Vorteilen: Der Windenergie-Branchenverband WAB fordert von der Bundesregierung, die Bedingungen für die Branche zu verbessern und sieht die Ausbauziele im Offshore-Bereich in Gefahr. 

Aufgrund der Möglichkeit, auch künftig verstärkt die Energieförderung im Norden voranzutreiben, könnte auch der Norden Deutschlands für Unternehmen noch interessanter werden: Die Nähe zu einer funktionierenden Energieinfrastruktur könnte etwa Bundesländer wie Schleswig-Holstein oder Niedersachsen für zahlreiche Branchen zum attraktiven Standort machen. Erst Ende des vergangenen Jahres wurde beschlossen, dass sich Windräder auch im Wald drehen dürfen.

Windenergie-auf-See-Gesetz: Neue Vorgabe regelt Ausbauziele im Offshore-Bereich

Das Windenergie-auf-See-Gesetz ist zum 1. Januar 2023 in Kraft getreten und gibt unter anderem vor, dass es künftig ein zügigeres Plangenehmigungsverfahren für zentral voruntersuchte Flächen geben wird. Dadurch soll der Ausbau der Windenergie vorangetrieben werden. Zudem werden Vorgaben zur Dauer von Verfahren zur Planfeststellung und Plangenehmigung erlassen und Umweltprüfungen sowie Beteiligungsrechte stärker gebündelt.

Dass Niedersachsen schon jetzt in den Fokus der Entscheider aus Politik und Wirtschaft rückt, zeigt ein Blick auf den Nordseehafen Wilhelmshaven und das neue LNG-Terminal. Während Wladimir Putins Ukraine-Krieg die deutsche Energieversorgung und die Wirtschaft in eine tiefe Krise gestützt hat, entstand in Niedersachsen das erste deutsche Terminal für die Einfuhr von LNG. Zwar gilt das Gas nur als Brückentechnologie, dennoch soll das neue Terminal später für den Transport von Wasserstoff genutzt werden können.

Windenergie in Deutschland: Strom könnte günstiger und sauberer werden

Inwieweit die Windenergie Deutschland und andere Länder an der Nordsee künftig zu den Gewinnern der Energiewende machen könnte, bleibt indes noch abzuwarten. Dennoch: Ein stetiger Ausbau der Offshore-Anlagen könnte dazu führen, dass Strom in Deutschland auf lange Sicht wieder günstiger werden könnte. Ungemütliche Winde über der Nordsee könnten also künftig viel Nutzen bringen. Schlussendlich wäre der Ausbau der Windenergie in Deutschland, insbesondere im Offshore-Bereich, damit nicht nur eine Alternative zu konventionellen Energieträgern (etwa Gas, Kohle oder Atomkraft), sondern würde den deutschen Strom auch noch sauberer machen.

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