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Wieso 2023 „das Jahr des Aufbruchs“ für Windenergie werden könnte

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Von: Yannick Hanke

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Deutschland setzt auf erneuerbare Energien. Hierzu zählt auch die Windenergie. 2022 lief ihr Ausbau jedoch schleppend. Doch könnte es 2023 besser laufen. Warum?

Berlin – Quo vadis, Deutschland? Eine Frage, die in Bezug auf erneuerbare Energien (EE) durchaus gestellt werden kann und muss. Schließlich lief der Ausbau der Windenergie 2022 sehr schleppend. Zwar konnte bei neuen Onshore-Anlagen ein leichtes Plus verzeichnet werden. Doch sind die längerfristigen Ziele, die sich die Bundesregierung selbst gesteckt hat, weit entfernt. Nun wird branchenintern auf einen Neustart gehofft. Und zwar 2023.

Erneuerbare Energien: 2023 kann laut Experten „das Jahr des Aufbruchs“ für Windenergie werden

„2023 kann für die Windenergie das Jahr des Aufbruchs werden“, hieß es von Hermann Albers Mitte Januar auf einer Pressekonferenz. Der Präsident des Bundesverbands WindEnergie (BWE) spricht der Branche und der Politik mit seiner Aussage wohl aus der Seele. Schließlich soll 2023 nach jahrelanger Flaute die Trendwende beim Ausbau der Windräder in Deutschland, die sich nach einem Gerichtsurteil auch im Wald drehen dürfen, gelingen.

Der Windpark „Albertshof“ der Berliner Stadtwerke (Luftaufnahme mit einer Drohne).
2023 soll „das Jahr des Aufbruchs“ für Windenergie in Deutschland werden. Ist das realistisch? © Patrick Pleul/dpa

Einen Schub, den sich auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) erhofft. Wie tagesschau.de unter Berufung auf eine Sprecherin berichtet, hätten sich die Rahmenbedingungen für Windenergieanlagen zum Jahreswechsel noch einmal deutlich verbessert. Das würde nun zu einem stärkeren Zubau und beschleunigten Verfahren beitragen. Und das ist auch dringend notwendig.

Windenergie in Deutschland: Ausbau neuer Windkraftanlagen zuletzt ins Schleppen geraten

Schließlich gilt der Ausbau von Ökostrom, wie er beispielsweise aus Windkraft gewonnen wird, als einer der Schlüssel bei der Energiewende. Er spielt aber auch eine große Rolle bei Deutschlands Bestreben, weniger abhängig von Energieimporten zu werden. Zuletzt lief die Entwicklung jedoch schleppend. Während die Zahl der neuen Windkraftanlagen 2016 und 2017 an Land (Onshore) noch um mehr als 1300 pro Jahr gewachsen war, nahm sie danach stetig ab. 2021 wurden lediglich 233 Windräder installiert.

Laut der Bundesregierung würde sich Deutschland nun jedoch wieder im Aufwärtstrend befinden. 2022 seien an Land Anlagen mit einer Kapazität von 2,3 Gigawatt (GW) installiert worden, so das zuständige Ministerium. Die ausgebaute Leistung würde damit knapp 24 Prozent über dem Vorjahr liegen.

„Im fünften Jahr in Folge ernüchternd“: Ausbau von Onshore-Windkraftanlagen bleibt hinter den Erwartungen zurück

Den Daten zufolge ist die durchschnittliche Nettoleistung der einzelnen neuen Windanlagen von vier auf 4,4 Megawatt (MW) gestiegen. Zudem habe auch die Zahl der Windkraftanlagen nach Abzug der zurückgebauten alten Anlagen netto um 306 zugenommen. Doch, das gehört auch zur Wahrheit: Das entspricht gerade einmal etwa einem Prozent sämtlicher Onshore-Windkraftanlagen in Deutschland.

Dementsprechend bleiben die Zahlen für den Branchenverband BWE auch „im fünften Jahr in Folge ernüchternd“. Auch Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power System, meint, dass der Zubau von neuen Windkraftanlagen an Land noch immer zu gering sei. Er nimmt dabei die Position eines Fachverbandes des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) ein.

„Windkraftausbau im Schneckentempo“: Dietmar Bartsch (Linke) kritisiert Ampel-Koalition

Schon im Dezember hatte das Umweltbundesamt (UBA) argumentiert, dass die Ausbauziele für 2022 erreicht worden sein. Aber: Es handele sich dabei nicht um einen großen Erfolg. Schließlich seien die Zwischenschritte nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) „eher mäßig ambitioniert“. Fraglich ist jedoch, ob Deutschland seine Ziele in diesem Tempo erreichen kann.

Was ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gilt als zentrale Säule der Energiewende in Deutschland. Es ist das zentrale Steuerungsinstrument für den Ausbau von Erneuerbaren Energien. Unter anderem wird dadurch geregelt, dass der Anteil der Erneuerbaren Energien bei der Stromgewinnung bis 2050 auf mindestens 80 Prozent steigen soll.

Wie das zuständige Ministerium bekannt gibt, erfolge der Ausbau „insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes zur Entwicklung einer nachhaltigen Energieversorgung“. Die jüngste Änderung ist seit dem 1. Januar 2023 in Kraft getreten (Art. 12 G vom 20. Dezember 2022).

Deswegen sprach Dietmar Bartsch, der Vorsitzende der Linken im Bundestag, auch schon von einem „Windkraftausbau im Schneckentempo“. Die Ampel-Koalition würde auf einem „Groko-Niveau“ stagnieren, so der Politiker gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Ausbau von Windenergie in Deutschland soll durchs „Wind-an-Land-Gesetz“ gefördert werden

Ab diesem Jahr soll sich das ändern. Im Sommer hatte die Ampel-Koalition neben der EEG-Novelle auch das „Wind-an-Land“-Gesetz auf den Weg gebracht. Darin ist unter anderem von dem Grundsatz die Rede, dass erneuerbare Energien künftig im überragenden öffentlichen Interesse liegen und der öffentlichen Sicherheit dienen. „Damit haben sie bei Abwägungsentscheidungen künftig Vorrang vor anderen Interessen“, so das Ministerium.

Zudem sollen neue Regeln für den Artenschutz, die Konflikte mit Naturschützern entschärfen könnten, zu schnelleren und rechtssicheren Planungs- und Genehmigungsverfahren beitragen. Hinzukommt eine Erhöhung der Förderung angesichts der Inflation und gestiegenen Zinsen um bis zu 25 Prozent.

Zum Hintergrund: Früher konnte jedes Unternehmen Windkraftanlagen bauen und bekam dafür eine feste Einspeisevergütung. 2017 wurden dann Ausschreibungen eingeführt. Seitdem gilt: Wer die geringste Förderung verlangt, der bekommt auch den Zuschlag.

Norden liegt beim Ausbau der Windkraft vorne – Süden fällt deutlich ab

Eine Höchstgrenze wird für die Subventionen festgelegt. 2023 könnte sie um ein Viertel höher liegen als noch im Vorjahr. Wie es vom BWE heißt, würde der Staat in diesem Jahr eine Rekordmenge von Projekten mit fast 13 Gigawatt ausschreiben. Ab 2024 könnte sich das in deutlich höheren Zubau-Zahlen niederschlagen.

Für 2023 rechnet die Branche übrigens mit einer Neuinstallation zwischen 2,7 und 3,2 Gigawatt an Land. Das würde nur leicht über dem Ausbau im Vorjahr liegen. Und doch besteht sie, die Hoffnung auf „das Jahr des Aufbruchs“ für Windenergie in Deutschland. Bundesweit ist auf jeden Fall eine große Diskrepanz zu verzeichnen. Während der Norden beim Ausbau der Windkraft an der Spitze steht, hinkt der Süden deutlich hinterher.

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