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Sepsis ist dritthäufigste Todesursache in Deutschland: Wie erkenne ich eine Blutvergiftung?

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Von: Bjarne Kommnick

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Eine Sepsis ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste nach Corona-Erkrankungen und Grippen. Viele Fälle sind vermeidbar.

Berlin – Die Sepsis, auch Blutvergiftung genannt, ist eine tückische Krankheit. Laut der Initiative „Deutschland erkennt Sepsis“ sterben alleine in Deutschland jährlich 75.000 Menschen daran. Damit sei sie die dritthäufigste Todesursache. Weltweit gebe es über elf Millionen Todesfälle von Sepsis pro Jahr. Dabei seien viele Fälle vermeidbar, wie die Initiative beschreibt. Alleine in Deutschland könnten bei frühzeitiger Erkennung mindestens 20.000 Tode verhindert werden. Insbesondere bei Grippe- und Coronaerkrankungen spielt eine Blutvergiftung eine tragende Rolle.

Blutvergiftung und Corona: 90 Prozent aller Toten auf Sepsis zurückzuführen

Die Sepsis Stiftung erklärt den Zusammenhang zwischen Corona und Sepsis: „Laut einem aktuellen Review, welches über 150 Studien zu Covid-19 eingeschlossen hat, erfüllen fast ein Drittel aller im Krankenhaus behandelten Patienten mit Covid-19 die Kriterien einer Sepsis“. Bei Patienten auf der Intensivstation würden rund 80 Prozent an einer Sepsis leiden.

Eine Frau hält sich eine Hand an den schmerzenden Kopf
Muskel- und Kopfschmerzen, Erschöpfung und Luftnot: Viele Symptome der Sepsis gleichen denen von Long-Covid. (Symbolbild) © Oliver Killig/dpa

Konrad Reinhart, Intensivmediziner und Vorsitzender der Sepsis-Stiftung, erklärte gegenüber focus.de: „Frühzeitiges Erkennen und schnellere Intervention könnten viele Tote und zahlreiche gravierende Spätfolgen verhindern, die Uhr tickt für die Patienten unglaublich schnell“, so Reinhart. Demnach seien rund 90 Prozent aller Covid-Toten letztendlich an einer Sepsis gestorben.

Symptome von Long Covid und Post-Sepsis-Syndrom nahezu identisch

Zudem seien laut Stiftung Long-Covid und das Post-Sepsis-Syndrom, also die Langzeitfolgen der Erkrankung in ihrer Art und Häufigkeit, weitgehend identisch, und würden auch bei leichteren Krankheitsverläufen ohne intensivmedizinische Behandlung ähnlich häufig auftreten.

Sie beinhalten beide „Beschwerden wie Erschöpfung und Fatigue, anhaltende Luftnot bei Belastung und Atembeschwerden, kardiale Einschränkungen, kognitive Schwierigkeiten wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung, Muskel- und Kopfschmerzen“.

Intensivmediziner: „Auch harmlose“ Infektionen können in einer Sepsis enden

Grundsätzlich könne jede Infektion in einer tödlichen Sepsis enden, „auch zunächst scheinbar harmlose“, so Reinhart. In vier von zehn Fällen würde eine Sepsis aus einer Lungenentzündung hervorgehen, nur in neun Prozent aller Fälle durch eine Wundinfektion. Die Symptome einer Sepsis würden oft zu spät erkannt werden, weil sie mit ähnlichen Symptomen einer Grippe einhergehen. Dazu würden Fieber, Schüttelfrost, Husten, Atembeschwerden und ein starkes Krankheitsgefühl gehören.

Jedoch müsse eine Sepsis nicht zwingend mit Fieber einhergehen. Demnach könnte sogar eine Unterkühlung des Körpers als Symptom auftreten. Anzeichen hierfür seien schwere und schnelle Atemzüge, mit mehr als 20 Atemzügen pro Minute oder wenn der Blutdruck fallen würde. Weitere Anzeichen auf eine Sepsis seien, wenn der Erkrankte plötzlich verwirrt oder apathisch wirkt. „Bei einem dieser Zeichen in Zusammenhang mit einer Infektion sollte sofort der Notruf 112 benachrichtigt werden“, so Reinhardt.

Bei einer Sepsis wird das Immunsystem „überaktiviert“

Doch wie entsteht eine Sepsis? Die Sepsis Stiftung erklärt: „Wenn Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten eine lokale Infektion verursachen, gelingt es unserem Immunsystem in den meisten Fällen, diese direkt am Entzündungsherd einzudämmen“. Die Infektion würde einen begrenzten und durch geeignete Behandlungsmaßnahmen zu beherrschenden Verlauf nehmen.

„Bei einer Sepsis durchbrechen die Erreger jedoch diese lokale Begrenzung und dringen in die Blutbahn ein. Dies löst im gesamten Körper eine generalisierte Entzündungsreaktion aus, die über eine Kettenreaktion alle Abwehrsysteme aktiviert. Das Immunsystem wird somit überaktiviert“. Dadurch würden nicht nur die Erreger angegriffen werden, sondern als Kollateralschaden auch körpereigene gesund Zellen.

Sepsis: Blutvergiftung führt zu Multiorganversagen

„Wird nun nicht schnell ein wirksames Antibiotikum oder zum Beispiel bei einer Virusinfektion ein gegen diesen Erreger wirksames Medikament verabreicht, entwickeln sich Multiorganversagen und ein septischer Schock, bei dem auch die Blut- und Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe in Mitleidenschaft gezogen wird und diese ihre Funktion einstellen“, so die Stiftung.

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