1. Startseite
  2. Deutschland

Wann die Omikron-Impfung kommt: Lauterbach zuversichtlich für Herbst-Booster

Erstellt:

Von: Carolin Gehrmann

Kommentare

Impfungen gegen die hochansteckenden Corona-Varianten BA.5 und BA.2 könnten die für Herbst befürchtete Omikron-Welle eindämmen. Wann wird es einen wirkungsvollen Impfstoff geben?

Berlin – Nicht nur Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wartet sehnsüchtig auf einen an die zahlreichen Omikron-Varianten des Corona-Virus angepassten Impfstoff, sondern mit Sicherheit auch Viele der derzeit rund 63,1 Millionen grundimmunisierten Menschen in Deutschland. Denn für sie steht eine Booster-Impfung noch aus. Doch ausgerechnet gegen die Omikron-Mutationen sind die herkömmlichen Impfstoffe, die noch für Ursprungsform des Virus entwickelt wurden, weniger wirkungsvoll.

Möglicherweise auch ein Grund, warum sich derzeit eher wenige Menschen impfen lassen, wie der aktuellen Statistik des Bundesgesundheitsministeriums zu entnehmen ist. Die derzeitige Impfmüdigkeit könnte sich dadurch erklären lassen, dass viele auf einen Impfstoff warten, der es auch mit der Omikron-Variante des Virus aufnehmen kann. Gegenüber dem Deutschlandfunk zeigte sich Gesunheitsminister Lauterbach nun zuversichtlich, dass es im Herbst gut auf die Varianten angepasste Wirkstoffe geben werde.

Am Donnerstag sagte er, dass er frühestens im September mit einem Impfstoff gegen die hoch ansteckenden Corona-Varianten rechne. Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Moderna läge mit „vielversprechenden Daten“ momentan im Rennen um den Omikron-Booster vorn. Sollte sich dieser Zeitrahmen bewahrheiten, könnte man zumindest mit einem kleinen Puffer noch vor dem Winter mit einer breit angelegten Auffrischungsaktion beginnen und hoffentlich dieses Mal vor den Infektionswellen im Herbst schwimmen, die im Zuge der Corona-Pandemie schon zu so etwas wie einer traurigen Gewohnheit geworden sind.

Wie gut wirkt die Impfung von Biontech oder Moderna derzeit gegen die Omikron-Varianten BA.2 und BA.5?

Noch einmal zur Erinnerung, da man im Wirrwarr um die Abfolge der Corona-Impfungen schnell den Überblick verlieren kann: Grundimmunisierung bedeutet, dass man bereits zwei Impfungen erhalten hat. Als vollständig geimpft gilt man erst mit der dritten Impfung, weitläufige Berühmtheit erlangte sie hierzulande unter dem Namen „Booster“.

Immerhin 49,7 Millionen Menschen haben den Booster, der im Fachjargon Auffrischungsimpfung heißt, bereits erhalten. Doch ausgerechnet im letzten Winter, als in den Impfzentren auf Hochtouren jene Booster verabreicht wurden, um den Menschen ein möglichst infektionsfreies Weihnachtsfest zu ermöglichen, tauchte die gefürchtete Omikron-Variante auf und machte – wir erinnern uns alle, wenn auch nur ungern – den vorweihnachtlichen Hoffnungen auf einen umfassenden Corona-Schutz einen gehörigen Strich durch die Rechnung.

Denn die Spezialität dieser Variante, damals noch vom Subtyp BA.1, ist zum einen, ansteckender zu sein als die noch zuvor dominante Delta-Variante. Zum anderen kann sich diese Mutation als sogenannte „Escape-Variante“ einem vorhandenen Impfschutz besser entziehen als vorherige Varianten. Was bedeutet, dass sich auch bereits Geimpfte leichter damit infizieren können.

Corona-Varianten BA.2 und BA.5 führen wieder zu steigender Corona-Inzidenz

Nach dem schon erwähnten Corona-Subtyp BA.1 war allerdings nur kurz vor der Mutation mit dem Namen BA.2, die auch als „getarnte Variante“ berühmt wurde, da sie durch eine Mutation am charakteristischen Spike-Protein in Tests schlechter zu erkennen war. Bei Corona-Variante BA.3 reichte es nur für eine kurze Zwischenepisode, ehe der große Auftritt der Subtypen BA.4 und BA.5 kam, die sich durch eine noch höhere Übertragbarkeit und, wie auch bei den Varianten zuvor, durch eine starke Immunflucht auszeichneten.

Im Januar 2022 als weiterer Untertyp des Coronavirus entdeckt und im April von der WHO offiziell als „besorgniserregende Variante von Omikron“ aufgenommen, hält uns BA.5 seitdem auf Trab und sorgt dafür, dass trotz der warmen Jahreszeit die aktuellen Covid-19-Fallzahlen im Vergleich zu den zwei vorherigen Pandemie-Sommern auch jetzt noch recht hoch sind. Derzeit liegt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland laut RKI bei über 270.

In Portugal bereitet sich BA.5 gerade stark aus. Das Land ist laut dem Dashboard des Zentrums für Krankheitskontrolle der Europäischen Union derzeit trauriger Spitzenreiter in Europa, was die 7-Tage-Inzidenz betrifft. Damit sind die Hoffnungen auf einen halbwegs normalen Sommer in dem auch bei deutschen Touristen beliebten Urlaubsland leider getrübt. In Deutschland dominiert aktuell noch der Subtyp BA.2, der Anteil von BA.5 wächst allerdings. Lauterbach hält die Variante aber für keine sehr gefährliche, auch wenn sie ansteckender als BA.1 und BA.2 sei.

Biontech oder Moderna? Welcher Impfstoff gegen Omikron kommt zuerst?

Bei der Omikron-Variante steigt außerdem auch das Risiko, sich mehrfach mit dem Corona-Virus zu infizieren. Umso dringender werden von Öffentlichkeit und Politik neue Impfstoffe, die gegen die Subtypen wirksam sind, erwartet. Der Bundesgesundheitsminister äußerte sich im Deutschlandfunk optimistisch, da die Daten aus den Studien des US-Pharmaunternehmens Moderna in dieser Hinsicht sehr vielversprechend aussähen.

Am Mittwoch hatte das Unternehmen die Ergebnisse der klinischen Studie zu ihrem neuen Vakzin „mRNA-1273.214“ vorgestellt, das eine Kombination aus dem ursprünglichen Impfstoff „Spikevax“ und einem neuen, angepassten darstellt. Doch wie sieht es mit einem Omikron-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech aus, das bei den Deutschen im Hinblick auf die Corona-Impfung besonders viel Vertrauen genießt? Auch mit ihnen sei man im Kontakt, so Lauterbach zu dem Sender.

Biontech arbeitet ebenfalls mit Hochdruck an einem Omikron-Booster. Klinische Tests laufen bereits seit Januar und man rechne innerhalb der nächsten Wochen mit den Ergebnissen, wie Biontech-Chef Ugur Sahin auf der Hauptversammlung des Mainzer Unternehmens erklärte. Im besten Fall würde eine behördliche Zulassung dann nicht mehr lange auf sich warten lassen. Vorbestellt seien bei Biontech/Pfizer bereits rund 2,4 Milliarden Dosen des an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffes, so der Hersteller.

Vorbereitungen auf befürchtete Omikron-Welle im Herbst laufen, so Lauterbach

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung unter Leitung von Generalmajor Carsten Breuer und das Bundesgesundheitsministerium befassen sich derzeit damit, mögliche Szenarien für den vor uns liegenden Pandemie-Winter zu entwickeln. Das diene dazu, möglichst gut vorbereitet in den Herbst zu gehen, da auch mit den zuletzt weniger krankmachenden Varianten das Risiko nicht vom Tisch sei, dass es zu gefährlicheren und noch ansteckenderen Mutationen kommen könne, so der Gesundheitsminister. Dazu arbeite man vor allem an einem gut strukturierten Impf- und Testkonzept und der Beschaffung von ausreichend Impfstoff. Außerdem wolle man erreichen, dass Krankenhausdaten zügiger und besser erfasst und weitergegeben würden, um zukünftig Tendenzen, wie sich das Infektionsgeschehen in Deutschland entwickelt, schneller erkennen und frühzeitig reagieren zu können.

Auch interessant

Kommentare