Vorbeugung gegen Lehrer-Burn-Out

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Gegen ein Burnout-Syndrom bei Lehrern bieten  einige Hochschulen Trainingsprogramme an.

Frankfurt/Main - Wissensvermittler, Psychologe, Sozialarbeiter, Krisenmanager - Lehrer müssen heute viele Fähigkeiten mitbringen. Damit sie nicht vom Burn-Out-Syndrom eingeholt werden, wollen einige Hochschulen jetzt Programme anbieten.

Wer mit dem Gedanken “Ich war 13 Jahre lang in der Schule und kenne deshalb den Beruf“ die Lehrerlaufbahn einschlägt, wird im Berufsalltag bald eines Besseren belehrt - nicht selten stehen am Ende frustrierte Pädagogen mitBurn-Out-Syndrom. Einige Hochschulen haben daher Programme eingeführt, die die Berufseignung angehender Lehramtsstudenten testen beziehungsweise trainieren sollen.

Eine Studie zeigt, dass vor allem diejenigen Lehrer über Burn-Out klagen, die bereits im Studium unmotiviert und überfordert waren. Vielen wird erst im Berufsalltag wirklich klar, dass sie als Lehrer ungeeignet sind, die Schwächen zeigen sich oft schon deutlich während des Referendariats - doch dann ist es meistens zu spät.

Um unrealistischen Berufsvorstellungen vorzubeugen, gibt es inzwischen mehrere Internetfragebögen zur Selbsteinschätzung von Lehramtsanwärtern. Etwa das von der EU unterstützte Projekt “Career Counselling for Teachers“ (CTT) oder ein Fragebogen des Deutschen Beamtenbundes (dbb). Bei diesem “Self-Assessment“ arbeiten die Interessenten Fragen zum Berufsfeld und zu persönlichen Fähigkeiten durch. So werden bei dem dbb-Fragebogen jeweils drei Fragen zu insgesamt 21 Gebieten wie “Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen“, “Fähigkeit zur offensiven Verarbeitung von Misserfolgen“, “Durchsetzungsfähigkeit“, “Sicherheit im öffentlichen Auftreten“ oder “Stabilität bei emotionalen Belastungen“ gestellt.

Solche Tests bieten einige Hochschulen ihren Lehramtsanwärtern bereits freiwillig an, langfristig sollen sie verpflichtend werden. Die Universität Passau hat darüber hinaus ein “PArcours“ genanntes Eignungsfeststellungsverfahren entwickelt, das sie ihren zukünftigen Lehramtsstudenten als Beratung anbietet. Im Frühjahr wurde das Verfahren den damals 100 neuen Studierenden erstmals angeboten, 25 von ihnen nutzten die Chance.

Selbstsicherheit und Sprachkompetenz werden geprüft

“Die Studenten, die den PArcours durchlaufen haben, gingen mit einem ganz anderen Selbstwertgefühl und einer völlig anderen Motivation ins Studium“, erklärt der Direktor des Zentrums für Lehrerbildung, Norbert Seibert. “Einigen Studierenden konnten wir Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen und sie darauf hinweisen, wo sie weiter an sich arbeiten müssen.“

Vor dem Start des Wintersemesters können auch die neuen Lehramtsstudierenden zurzeit noch bis zum 2. Oktober ihre Eignung testen. Das jeweils eintägige Verfahren besteht aus verschiedenen Stationen, bei denen mündlich und schriftlich getestet wird, wie selbstsicher die Bewerber sind, wie sprachkompetent sie mit anderen Kompromisse aushandeln, wie effektiv und effizient sie bestimmte Handlungen ausführen, wie sie Entscheidungen begründen und wie sie Probleme lösen.

Noch sind diese Tests unverbindlich, mittelfristig will die Uni so aber ein Instrumentarium entwickeln, mit dem sie ihre Lehramtsstudierenden selbst auswählen kann. Einen Schritt weiter ist die Universität in Kassel: Dort müssen bereits seit dem letzten Wintersemester alle Lehramtsstudierenden das zweitägige Blockseminar “Psychosoziale Grundkompetenzen im Lehrerberuf“ belegen, das die Arbeitsgruppe “Eignung für den Lehrerberuf“ unter Leitung des Erziehungswissenschaftlers Heinrich Dauber erarbeitet hat. Die Teilnehmer müssen nach einer schriftlichen Selbstreflexion zu den Motiven ihrer Studienwahl Übungen zu vier Grundkompetenzen des Lehrerberufs durchlaufen: Selbstkompetenz, Handlungskompetenz, Sozialkompetenz und Systemkompetenz.

Was erhält Lehrer gesund?

Die Gruppen aus jeweils zwölf Teilnehmern werden von zwei Teamern beobachtet, die jedem am Ende eine persönliche Rückmeldung über Auffälligkeiten geben und ihm gegebenenfalls weitere professionelle Beratung empfehlen. Grundlage für das Seminar ist eine Studie Daubers zu den Gründen, warum sich Lehrer aus Krankheitsgründen frühpensionieren ließen. Aus der Frage, was Lehrer krank macht, entwickelte sich die neue Frage: Was erhält sie gesund? Ziel dieses Seminars ist es somit, die Lehramtsstudierenden ihr eigenes Potenzial erkennen zu lassen und ihre Ressourcen zu stärken, wie Timo Nolle erklärt. Der Doktorand bildet die Teamer aus und begleitet das Projekt wissenschaftlich.

Internettests wie die des CTT oder des dbb sind für ihn nur ein erster Schritt. “Sie sind geeignet, Studierende dazu zu bringen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, erklärt er. Bei solchen Tests gehe es aber nur um fiktive Situationen, die die Studierenden selbst noch nicht erlebt hätten. In den Seminaren könnten sie dagegen erfahren, wie sie mit entsprechenden Situationen umgehen und wo sie an sich arbeiten müssen, erklärt Nolle. Solche Übungen müssten optimalerweise aber mit dem weiteren Studium verzahnt werden, damit die zukünftigen Lehrer kontinuierlich an sich arbeiten könnten.

ap

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