Nächste Pandemie-Welle droht

Virologe Drosten schlägt Corona-Alarm: „Die Zahlen sehen übel aus“

Deutschland hat hinsichtlich der Impfquote noch reichlich Luft nach oben – befindet Virologe Christian Drosten. Der Direktor der Berliner Charité wird deutlich.

Berlin – Die bundesweiten Corona-Infektionszahlen haben sich beruhigt – zumindest vorübergehend. Denn nach Ansicht vom Virologen Christian Drosten sei dies nur ein kurzfristiges Phänomen. Vor allem in ostdeutschen Bundesländern sei schon zu sehen, dass die Corona-Inzidenz wieder an Fahrt aufnehme. Deswegen spricht der Wissenschaftler der Berliner Charité deutliche Warnungen aus.

Virologe:Christian Drosten
Geboren:12. Juni 1972 (Alter 49 Jahre), Lingen (Ems)
Ausbildung:Goethe-Universität Frankfurt am Main (1994–2000) u.v.m.

Virologe Christian Drosten sieht vierte Corona-Welle auf Deutschland zukommen – Grund hierfür sei die zu geringe Impfquote

„Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden“, prognostiziert Drosten in seinem „Coronavirus-Update“-Podcast vom Dienstagabend, 28. September 2021. Der vorherige Anstieg der Inzidenz sei nach Ansicht des Virologen auf das Testen an Schulen nach Ende der Sommerferien und eingeschleppte Fälle aus dem Sommerurlaub zurückzuführen. Neben der Corona-Welle könnte auch noch eine Grippewelle auf Deutschland zukommen, sodass eine Grippeimpfung für 2021 zumindest eine Empfehlung ist.

Virologe Christian Drosten lässt verlauten, dass die derzeitige Impfquote in Deutschland nicht für Herbst/Winter ausreicht. Er sieht eine erneute Corona-Welle aufs Land zurollen und spricht von Zahlen, die „übel“ aussehen. (kreiszeitung.de-Montage)

Nach Einschätzung von Christian Drosten sei dies aber noch nicht einmal der Beginn der Corona-Winterwelle. Vielmehr geht der Virologe von einem Losrollen dieser Welle zu einem Zeitpunkt wie 2020 aus. Das führt Drosten auf die derzeitige Impfquote von rund 64 Prozent zurück. Zur Erinnerung: Im Vorjahr sei es in der zweiten Oktoberhälfte eindeutig gewesen, „dass wir wieder in einen exponentiellen Anstieg gehen“.

„Die Zahlen sehen übel aus“: Virologe Christian Drosten nimmt Politik in die Corona-Impfpflicht

Um die Impflücken in Deutschland zu schließen, müsse kollektiv zusammengearbeitet werden. Letztendlich gelte es, Ungeimpfte zu überzeugen oder anderweitig dazu zu bringen, sich impfen zu lassen. In diesem Fall spricht Christian Drosten von einer politischen Aufgabe. Denn den derzeitigen Impffortschritt in Deutschland fasst der Virologe als unzureichend auf.

„Die Zahlen sehen übel aus“, heißt es in diesem Kontext von Drosten. Er verweist beispielsweise auf Dänemark, das sich von seinen Corona-Regeln verabschiedet hat – und sich in einer deutlich besseren Position als Deutschland befinden würde. Drosten sei zwar auch bewusst, dass der Glaube besteht, dass sich mehr Menschen impfen ließen als bislang offiziell gemeldet. Doch sei dies letztendlich auch nur eine „schöne Hoffnung“ – und keine Basis für Entscheidungen der Politik.

Diskussion über mögliche Corona-Impfpflicht fürs Pflegepersonal, Lehrkräfte und Erzieherinnen

Indes hat sich auch SPD-Gesundheitsökonom Karl Lauterbach, der neuer Gesundheitsminister werden könnte, mal wieder zum Impfen geäußert. Der Sozialdemokrat spricht explizit über eine im Raum stehende Impfpflicht für Lehrkräfte, Erzieherinnen und das Pflegepersonal – und lehnt diese ab. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ spricht sich Lauterbach gegen eine Forderung von Kinder- und Jugendärtztepräsident Thomas Fischbach aus.

Dieser hatte gegenüber demselben Medium Folgendes verlauten lassen: „Wenn viele Beschäftigte in Kitas, Schulen und Kliniken Impfungen weiter verweigern, sollte der Gesetzgeber ernsthaft über eine Impfpflicht in diesen sensiblen Bereichen nachdenken“. Zudem wusste sich Fischbach in seinen Ausführungen noch drastischer auszudrücken: „Wer mit vulnerablen Gruppen zu tun hat und die eigene Immunisierung ablehnt, hat seinen Verstand ausgeschaltet“.

SPD-Politiker Karl Lauterbach sieht hohe Impfquoten in Schulen und Kitas – und lehnt Impfpflicht ab

Dies sieht der Linken-Kritische Karl Lauterbach gänzlich anders. Der Sozialdemokrat spricht über eine Impfquote bei Lehrkräften und Kita-Personal, die sehr hoch sei: „Sie liegt nach meiner Beobachtung und Einschätzung bei weit über 90 Prozent“. Nach Ansicht des SPD-Politikers seien das Problem in den Schulen und Kitas nicht die geimpften Erzieher und Lehrer, sondern dass sich Kinder und Jugendliche schlichtweg gegenseitig anstecken.

Darüber hinaus weiß sich Lauterbach auch zu einer Impfpflicht in Krankenhäusern zu äußern: „Und da wir in den Gesundheitsberufen ebenfalls eine hohe Impfquote haben, sehe ich auch keinen Grund dafür, eine Impfpflicht für Ärzte und Pfleger einzuführen“.

Erfreuliche Corona-Zahlen aus Niedersachsen: Sieben-Tage-Inzidenz sinkt weiter – wie auch der Hospitalisierungswert

Ungeachtet dieser Aussage gibt es erfreuliche Nachrichten aus den niedersächsischen Krankenhäusern zu vermelden. Denn dort ist die Zahl der Covid-19-Patienten erneut weiter gesunken. Wie die dpa berichtet, lag der Hospitalisierungswert am Mittwoch, 29. September, noch bei 2,5. Tags zuvor waren es 2,8.

Der Wert gibt Auskunft darüber, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner in den jeweils zurückliegenden sieben Tagen im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion in eine Klinik eingeliefert worden. Der Hospitalisierungswert ist zudem der neue, wichtigste Leitindikator, um die Corona-Lage in Deutschland bewerten zu können.

Zudem hat sich das Corona-Infektionsgeschehen in Niedersachsen leicht abgeschwächt. Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist ebenfalls am 29. September auf eine Sieben-Tage-Inzidenz von 44,9 im nördlichen Bundesland. Tags zuvor lag dieser Wert bei 45,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Janine Schmitz/imago images & Christoph Hardt/imago images

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