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Vierter Tag in Folge: Klima-Aktivisten blockieren erneut Straßen in Berlin

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Von: Bjarne Kommnick

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Seit vier Tagen trifft sich die „Letzte Generation“, um in Berlin Straßen zu blockieren. Ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz polarisieren immer stärker.

Berlin – Zum vierten Tag in Folge protestieren Aktivistinnen und Aktivisten der „Letzten Generation“ in Berlin, um gegen die aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung zu demonstrieren. Insbesondere liege der Fokus der Bewegung darauf, neue Öl-Importe über die Nordsee verhindern zu wollen, die von der Ampel-Koalition zuvor angekündigt wurden. Die Demo-Woche polarisiert. Auf der einen Seite hagelt es starke Kritik, mit Wutausbrüchen inklusive, auf der anderen Seite könnte der Zuspruch größer kaum sein. Ein unauflösbarer Konflikt?

StadtBerlin
Fläche891,8 km²
Höhe34 m
Bevölkerung3,645 Millionen

Blockaden in Berlin: Mercedes Fahrer schiebt Aktivisten vor sich hin

Denn bereits am Vortag machten während der Protestaktion Meldungen die Runde, die zeigen, wie sehr das Thema die Menschen bewegt, ob positiv oder negativ. Auf Twitter.com kursiert ein Video, in dem zu sehen ist, wie ein wütender Mercedes-Fahrer die Geduld verliert und der Mann Aktivistinnen und Aktivisten mit seinem Auto vor sich hinschiebt., ähnlich wie bei einem Vorfall, bei dem ein Elterntaxi demonstrierende Schüler angefahren hatte. Ein anderes Video der Proteste ging viral, in dem Polizisten mit Salatöl die auf der Straße festgeklebten Hände von Aktivisten gelöst hatten. Rund 70 Menschen seien an den Straßenblockaden vom Vortag beteiligt gewesen.

Umweltaktivisten in Berlin blockieren die Straße.
Zum vierten Tag in Folge blockieren Aktivistinnen und Aktivisten die Straßen in Berlin Mitte. © Twitter.com / Lina Eichler

Auch am Donnerstag seien laut Angaben der Bewegung wieder ähnlich viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer erschienen wie am Tag zuvor. Rund zwei Stunden nach Beginn der Aktion war die Polizei bereits mit der Räumung der Aktivistinnen und Aktivisten gestartet. Videos zeigen, wie die Polizei Beteiligte unter anderem mit Rollbrettern zu den Einsatzwagen abführt, um sie anschließend in Gewahrsam zu nehmen.

„Letzte Generation“ fordert: „Öl sparen, statt nach neuem zu bohren“

Doch so wie es scheint, ist die „Letzte Generation“ mit ihrer Aktion zufrieden. Zwar könne die Polizei die Mitglieder räumen, so die Organisation, was sich jedoch nicht räumen lasse, seien „Starkregen, Ernteausfälle und globale Hungersnöte“, wie es in einem Beitrag auf Twitter heißt: „Wir sitzen hier und stören, weil wir keine Zeit mehr haben“, so die „Letzte Generation“ weiter. Einer der Forderungen: „Wir müssen jetzt Öl sparen, statt nach neuem zu bohren“. Insbesondere FDP-Mann Christian Lindner hatte sich für den Import von Öl über die Nordsee ausgesprochen.

Berliner Bezirksbürgermeisterin demonstriert mit „Letzter Generation“

Unterstützung gibt es dabei auch von der Bezirksbürgermeisterin aus Berlin-Friedrichshain, Clara Hermann von den Grünen. Sie war am vierten Tag persönlich dabei: „Ich bin heute hierhergekommen, um zu zeigen, dass es eine Solidarität gibt und dass wir gemeinsam anpacken müssen, um die Klimakrise zu beenden“, sagt sie in einem Video, während sie im Vordergrund von Aktivisten steht. Eine Passantin erklärt: „Als ich davon gehört habe, bin ich gleich hergefahren. Ich bin euphorisch, dass endlich mal jemand was macht“.

Anders als Bezirksbürgermeisterin Hermann, steht Berlins SPD-Innensenatorin, Iris Spranger zu den Protest-Aktionen. Auf eine Pressekonferenz verurteilte sie die Aktivistinnen und Aktivisten scharf und erklärte: „Ich verurteile so etwas, und ich erwarte, dass die Justiz dann auch zu Verurteilungen kommt“. Dazu will sie offensichtlich einen Teil dazu beitragen: „Wir haben im ganzen Stadtgebiet Polizeikräfte, die sehr schnell vor Ort sind“, sagt sie vor dem Protest.

Protest-Tag vier: Hitze man Aktivisten zu schaffen

Doch auch an Tag vier spielt die Hitzewelle in Deutschland eine große Rolle. Denn auch in Berlin wurden für Donnerstag erneut Höchsttemperaturen um die 30 Grad angekündigt. Die „Letzte Generation“ teilte auf Social Media ein Bild, in dem eine Passantin die Aktivistinnen und Aktivisten mit einem Sonnenschirm unterstützt. Dazu kommentiert sie: „Hitze macht uns allen zu schaffen, wir alle sind die Letzte Generation, die immer stärkere Hitze noch eindämmen kann“.

Freiburger Wissenschaftler legt Arbeit nieder und unterstützt ab sofort den Aktivismus

Ein Wissenschaftler aus Freiburg hat für den Aktivismus nun sogar seine Arbeit niedergelegt. Denn Dr. Alexander Grevel war bis vor kurzem noch wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Freiburg. Doch nun entscheidet er sich für den Aktivismus, „weil das einfach jetzt notwendig ist, durch einen friedlichen zivilen Widerstand unseren Bundeskanzler und die Bundesregierung daran zu erinnern, dass die konsequenten Klimaschutz machen müssen“, wie er vor dem vierten Protest-Tag der „Letzten Generation“ in Berlin erklärt hatte.

Wutentbrannte Kommentare im Netz: „Das sind Öko-Terroristen“

Zwar sei die Lage auf der Straße am Donnerstag weitgehend friedlich und entspannt geblieben, was wohl auch daran liegen könnte, dass einige Autofahrerinnen und Autofahrer am vierten Protest-Tag ihre Route bereits im voraus anders geplant haben könnten. Jedoch lassen viele Nutzerinnen und Nutzer im Netz ihrer Wut freien Lauf. „Man sollte nicht mehr von Aktivisten sprechen, das sind Öko-Terroristen“, kommentiert ein Nutzer die Straßenblockade in Berlin.

Ein anderer schreibt: „Kriminelle sind das, mehr nicht“. Ein Nutzer fordert derweil harsche Konsequenzen für die „Letze Generation“: Er schlägt vor, die „Einsätze der Polizei den Aktivisten in Rechnung zu stellen“. Doch viele Aktivistinnen und Aktivisten, von denen ein Großteil von der Polizei in die Gefangenensammelstelle abgeführt wurden, haben voraussichtlich ohnehin mit einem Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit zu kämpfen, alles für den Klimaschutz.

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