Vierfachmord: Angeklagter zeigt Reue

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Bestatter tragen am 10. April 2009 in Eislingen, Baden-Wuerttemberg, einen Sarg aus dem Haus in dem ein Ehepaar und seine zwei erwachsenen Toechter tot in ihrer Wohnung gefunden worden waren.

Ulm - Einer der beiden mutmaßlichen Vierfachmörder von Eislingen hat kurz vor Beginn des Prozesses erstmals Reue geäußert.

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Vierfachmord in Eislingen: Anklage erhoben

“Das Schlimmste ist, dass ich meinen Vater so vermisse“, sagte der 18-Jährige Andreas H. der “Bild am Sonntag“ zufolge seinem Anwalt Hans Steffan. H. soll im April zusammen mit seinem 19-jährigen Freund Frederik B. seine beiden älteren Schwestern und seine Eltern erschossen haben. Im Prozess, der am Montag vor dem Landgericht Ulm beginnt, wollen beide ein Geständnis ablegen. Die Staatsanwaltschaft sieht Habgier als Motiv der beiden Jugendlichen - H. habe das sechsstellige Geldvermögen seiner Mutter als Erbe an sich bringen wollen. Dem widerspricht in der “Bild am Sonntag“ Anwalt Steffan. Er sieht das Motiv für die Bluttat in der schwierigen Vater-Sohn-Beziehung. Der Vater sei streng und dominant gewesen, der Sohn habe sich in der Familie isoliert gefühlt.

Der Anwalt spricht von “Regeln, Verboten, Demütigungen und noch viel mehr“ von seiten des Vaters. Diese hätten den Sohn verzweifeln und in Gewalt- und Selbstmordphantasien abdriften lassen. Von der Mutter und den beiden Schwestern habe H. sich nicht unterstützt gefühlt, wenn er es gewagt habe, gegen den Vater Position zu beziehen, sagte Steffan den Angaben zufolge weiter. “Er fühlte sich dann allein einer Wand gegenüber.“ Eskaliert sei die Lage, als der 18-Jährige mit Auszug gedroht habe.

Tatwaffen stammten vom Schützenverein

Sowohl H. als auch der Mitangeklagte B. wollen nach Angaben ihrer Anwälte vor Gericht ein Geständnis ablegen. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die jungen Männer an Gründonnerstag gegen 22.00 Uhr im Haus der Familie H. die 22 und 24 Jahre alten Schwestern Annemarie und Ann-Christin in deren Betten im Dachgeschoss erschossen. Auf die jungen Frauen wurden zehn beziehungsweise neun Schüsse abgegeben. Andreas' Eltern, der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen H. und seine 55-jährige Frau Ilse, hielten sich in einer Gaststätte auf. Den Ermittlungen zufolge gingen Andreas H. und Frederik B. nach den Morden zu ihnen und blieben etwa eine Stunde.

Nach ihrer Rückkehr warteten sie in dem Wohnhaus auf die Eltern, die sie noch in Straßenkleidung im Eingangsbereich des Hauses erschossen. Der Vater wurde von acht Kugeln getroffen, die Mutter von drei. Damit gaben die Täter insgesamt 30 Schüsse ab. Die verwendeten Waffen stammten laut Anklage aus einem Einbruch im Eislinger Schützenverein, bei dem beide Mitglied waren. Dort sollen sie im Oktober 2008 17 groß- und kleinkalibrige Waffen, darunter die Tatwaffen, sowie etwa 1.700 Schuss Munition geklaut haben. Insgesamt hat die Jugendkammer zwölf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird für 27. Januar erwartet. Bei einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht drohen den mutmaßlichen Mördern maximal zehn Jahre Gefängnis.

ap

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