Fönen, kämmen und sprayen

Schräg und bunt: Weltmeisterschaft der Friseure

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Kunterbunte Haarpracht: Die Besten der Friseurzunft lassen bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt ihrer Fantasie freien Lauf.
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Kunterbunte Haarpracht: Die Besten der Friseurzunft lassen bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt ihrer Fantasie freien Lauf.

Die Besten der Friseurzunft lassen bei der Weltmeisterschaft in Frankfurt ihrer Fantasie freien Lauf. Das Ergebnis ist kunterbunt, kunstvoll - und gefällt nicht jedem.

Eine zwei Meter große Frau stöckelt auf ihren Plateau-Highheels über die riesige Bühne mitten in der Frankfurter Festhalle, gestützt von ihrem Friseur. Blonde Haare stehen auf ihrem Kopf in einem Puschel nach oben, der Rest der Frisur ist in Schwarz-Rot-Gelb frisiert. Einige Haare hängen in Strähnen nach unten, andere sind kurz geschoren. Erlaubt ist, was gefällt, bei der zweitägigen Weltmeisterschaft der Friseure, die am Sonntag begonnen hat. Mehr als 1000 Haarkünstler sind aus 50 Ländern angereist, die Titelträger werden am Montag gekürt.

„Es hat ein Jahr lang gedauert, bis ich diese Frisur fertig kreiert hatte, und wir haben jede Woche mehrfach trainiert“, erklärt Friseur Martin Dürrenmatt (23) aus Zürich, der sich vor zwei Jahren den Weltmeistertitel geholt hat. An diesem Sonntag steht er um kurz vor zwölf Uhr gemeinsam mit 179 anderen Friseuren auf der Bühne, viele von ihnen tragen Trainingsanzüge. Sie treten in verschiedenen Disziplinen an und warten alle auf das Startsignal. Manche arbeiten wie Dürrenmatt an lebendigen Models, die allesamt in skurrilen Kostümen auftreten - in halben Ritterausrüstungen oder in Strümpfen mit Nieten zum mit riesigen Blumen versehenen Minikleid.

Andere Friseure sitzen an puppenhaften Übungsköpfen, darunter der Gießener Kim-Felix Gralla. Er sieht blass aus, hat die Lippen zusammengekniffen. Sorgsam legt er sich seine Bürsten, Kämme, Sprays und die Stoppuhr auf der kleinen Ablagefläche vor dem Spiegel zurecht. Kaum jemand spricht auf der Bühne, dann zählt der Ansager. „Five, four, three, two, one - and go“, ruft er ins Mikrofon, und die Friseure legen los: Es wird geschnitten, gebürstet, gekämmt, gezupft, gefönt und gesprüht. Sofort riecht es nach Haarspray, manchem Coiffeur zittern die Hände. Vereinzelt schallen Anfeuerungsrufe aus dem auffallend gut frisierten Publikum auf die Bühne.

„Also, schön ist das ja nicht“, sagt ein Besucher, der auch als Friseur arbeitet. „So würde doch keiner auf die Straße gehen.“ Alle Frisuren sind ebenso kunstvoll wie kunterbunt. Eine Frau hat kurzgeschorene grüne Haare mit schwarzen Punkten, eine andere gelb-schwarze Locken. Einem Model hängen die Haare wie ein grün-lila-pinker Vorhang vor dem Gesicht. Eine andere hat lackschwarze Haare mit einem Muster in Gelb, Pink und Türkis.

Je nach Disziplin haben die Friseure unterschiedlich lange Zeit. Gralla sieht auch nach getaner Arbeit angespannt aus. „Das ist hier meine erste Weltmeisterschaft“, sagt der junge Mann, der im vergangenen Jahr Hessenmeister wurde. Er hat seinen Übungskopf mit den bunten Haaren hinten in Wellen und am Oberkopf als Plateau frisiert. Ganz zum Schluss steckt er noch Kaffeebecher auf die Armstumpfe seiner Figur, legt ihr ein kurzes weißes Jackett über und bindet ihr einen schwarzen Schal um den Hals.

„Die Jury schaut zum Beispiel nach, ob alles gleichmäßig ist und nichts absteht“, erklärt der deutsche Cheftrainer Karlheinz Koch aus Bad Endbach bei Marburg. Dann geht er mit seinem Schützling Gralla hinter die Bühne. Der 20-Jährige muss noch für den nächsten Tag trainieren und Fönen üben.

dpa

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