Verkehr normalisiert sich nur schleppend

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Der Winter behindert in weiten Teilen Europas auch in der Vorweihnachtswoche den Verkehr.

Berlin - Gestrichene Flüge und ausgefallene Züge: Der Winter strapaziert die Nerven. Besonders viel Geduld brauchten Fluggäste, daher plädiert Verkehrsminister Ramsauer für eine Lockerung des Nachtflugverbots.

Nach dem Winterchaos vom Wochenende ist der vorweihnachtliche Reiseverkehr auf Europas Flughäfen nur schleppend wieder angelaufen. Die Airport-Betreiber warnten am Montag vor weiteren Verspätungen und Ausfällen. Weiter harrten tausende Fluggäste in den Terminals aus. Daher plädierte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Lockerung des Nachtflugverbots. Der Flughafen Frankfurt/Main strich am Montag etwa 340 Verbindungen. An Europas größtem Drehkreuz London-Heathrow starteten und landeten nach anderthalb Tagen Sperrung wieder Maschinen.

Autofahrer brauchten starke Nerven: Die Straßen waren vielerorts spiegelglatt, liegengebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen. In Nordrhein-Westfalen galt zeitweise erneut ein Fahrverbot für schwerere Lastwagen auf Autobahnen und einigen Bundesstraßen. Die Polizei warnte vor Blitzeis. Bei der Bahn fielen wieder Züge aus oder hatten Verspätung. Eine Winterpause ist nicht in Sicht: Meteorologen sagten für Donnerstag zwar mildere Temperaturen voraus, aber bereits am Freitag soll es von Norden her wieder kälter werden und erneut schneien.

Flughäfen

In Frankfurt/Main wurden am Montag etwa 340 der geplanten 1340 Starts und Landungen gestrichen. Hauptgrund waren Ausfälle an anderen europäischen Flughäfen, die im stark vernetzten Luftverkehr auch immer Frankfurt treffen, teilte der Flughafen Fraport mit. In Frankfurt waren alle Start- und Landebahnen voll in Betrieb. Es gebe aber nach wie vor Verspätungen. Am Mittag fing es wieder an zu schneien, mit leichten Einschränkungen des Flugbetriebs sei deshalb zu rechnen, sagte Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm. Etwa 800 Passagiere hatten auf Notbetten die Nacht zum Montag verbracht, die meisten davon Umsteiger, die auf der Durchreise waren und nicht weiterfliegen konnten. Die 1000 Notbetten im Transitbereich und im Terminal 2 sollen vorsorglich stehen bleiben.

Angesichts der zahlreichen gestrandeten Fluggäste plädierte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für eine Lockerung des Nachtflugverbots. In Situationen wie dem gegenwärtigen Schneechaos, wo viele Flugzeuge am Boden blieben, müsse ermöglicht werden, den Stau abzubauen, sagte ein Ministeriumssprecher am Montag der dpa in Berlin. In der “Bild“-Zeitung (Dienstag) appellierte Ramsauer an die Bundesländer, Ausnahmegenehmigungen vom Nachtflugverbot zu erteilen. “Gerade jetzt in der Weihnachtszeit müssen insbesondere gestrandete Reisende, die etwa zu ihren Familien unterwegs sind, schnellstmöglich an ihr Ziel gebracht werden.“

Die Flughäfen in Köln und Düsseldorf meldeten insgesamt 33 Flugausfälle und zahlreiche Verspätungen. Ein Sprecher der Lufthansa ging davon aus, dass es bis Mittwoch dauern werde, bis sich der Flugverkehr in Nordrhein-Westfalen wieder normalisiere. In Berlin waren erneut tausende Flugpassagiere von Verspätungen und Streichungen betroffen. Auch in Hamburg und München fielen Flüge aus.

Der Betrieb an Europas größtem Flughafen London-Heathrow ging am Montag wieder los. Der Flughafenbetreiber BAA warnte jedoch wegen des Schnees weiter vor Flugausfällen und Verspätungen. “Wir arbeiten rund um die Uhr, um alles wieder normal laufen zu lassen“, sagte der Sprecher der Betreibergesellschaft, Andrew Teacher. British Airways wollte am Montag zumindest 60 Flüge von Heathrow starten lassen - ein Bruchteil des Normalbetriebs.

Auf den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle wurde der Luftverkehr nach vorübergehenden Sperrungen wieder voll aufgenommen. Wegen heftigen Schneetreibens hatte der im Süden der französischen Hauptstadt gelegene Flughafen Orly am Montagmorgen komplett gesperrt werden müssen. Der Flughafen Straßburg wurde am Vormittag geschlossen. Die belgischen Flughäfen in Lüttich und Charleroi dagegen nahmen am Montag früh wieder den Betrieb auf.

Bahn

Auch am Montag gab es “teilweise erhebliche Verspätungen“, sagte ein Sprecher der Bahn. “Vereinzelt“ seien auch Züge ausgefallen. In ganz Deutschland sei die Höchstgeschwindigkeit der ICE und Intercitys auf 200 Kilometer pro Stunde begrenzt, um Schäden an den Fahrzeugen zu vermeiden. ICE können auf speziell ausgebauten Streckenabschnitten etwa 300 Stundenkilometer schnell fahren, Intercitys schaffen ein Tempo von 200 km/h. Weil Fluggäste zur Bahn wechselten, seien die Züge sehr voll.

Auf die Frage, ob die Wintervorbereitungen ausreichend gewesen seien, antwortete der Sprecher: Angesichts der starken Schneefälle handelte es sich um eine “Extremsituation“, die Straßen, Flughäfen und die Schiene gleichermaßen treffe. Alle verfügbaren Mitarbeiter seien im Einsatz - auf den Bahnhöfen oder zur Räumung von Strecken: “Alles, was wir haben, ist draußen.“ Ein Sprecher des Fahrgastverbands “Pro Bahn“ forderte, die Reisenden besser zu informieren. Probleme gab es auch bei den Eurostar-Zügen, die Paris, Brüssel und London verbinden.

Straßenverkehr

In Nordrhein-Westfalen hatten die Behörden Sonntagnacht ein Fahrverbot auf den Autobahnen sowie einigen Bundesstraßen für Lastwagen mit mehr als 7,5 Tonnen ausgesprochen, Montagmorgen wurde es weitgehend aufgehoben, lediglich im Großraum Köln saßen die Laster auch am Mittag noch auf Rastplätzen fest. Trotzdem gab es mehr als 200 Kilometer Stau im Berufsverkehr, auf vielen Fernstraßen standen Lastwagen quer.

So bleibt Ihr Auto im Winter fit

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Nach dem schneereichen Wochenende warnte die Polizei vor Blitzeis. In ganz Deutschland waren die Straßen vielerorts spiegelglatt. Unfälle gingen mit Blechschäden zumeist glimpflich aus, vereinzelt waren Autobahnabschnitte gesperrt. Bäume brachen unter der Last des Schnees zusammen und blockierten Straßen. Zwei liegengebliebene Lastwagen verursachten auf der A1 zwischen Hamburg und Berlin Staus bis zu 20 Kilometern Länge. Nach Angaben der Polizei in Niedersachsen sind noch immer viele Autofahrer mit Sommerreifen unterwegs.

Erfroren

In Chenée bei Lüttich (Belgien) erfror in der Nacht eine Patientin, die vor einer Klinik eine Zigarette rauchen wollte. Auf dem glatten Boden war die 59-Jährige gestürzt und bewusstlos liegengeblieben, erst Stunden später wurde die Frau tot gefunden.

Weiße Weihnacht

Milder Südwind lässt den Schnee schmelzen - weiße Weihnachten gibt es in Deutschland vielleicht trotzdem. “Das Weihnachtstauwetter scheint dieses Jahr nicht pünktlich zu sein, sondern zu früh zu kommen. Das nährt die Hoffnung auf weiße Weihnachten“, sagte der Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. “Pünktlich zur Bescherung am Abend kommt kalte Luft auf uns zu. Dann könnten die Niederschläge immer mehr in Schnee übergehen.“

Frühlingsgefühle

Griechenland erlebt ungewöhnlich warmes und frühlingshaftes Wetter. In Athen zeigte das Thermometer am Montag 18 Grad Celsius. Auf Kreta wurden 20 Grad gemessen. Grund für die Wärme sind südliche Winde, die warme Luft aus der Sahara bringen, sagten Meteorologen im staatlichen Rundfunk.

dpa

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