Hamburg

Urteil Sterbehilfe-Prozess: Richter spricht Arzt frei

+
Das Urteil im Hamburger Sterbehilfe-Prozess ist gefallen.

Der Mediziner hatte zwei Damen (85 und 81) tödliche Medikamente gebracht und keine Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Das Urteil war mit Spannung erwartet worden.

Hamburg - In einem Prozess um Sterbehilfe für zwei alte Menschen in Hamburg ist der angeklagte Arzt freigesprochen worden. Die Entscheidung der über 80 Jahre alten Frauen, aus dem Leben scheiden zu wollen, sei von ihnen bewusst getroffen worden, sagte der Vorsitzende Richter am Mittwoch. Beide hätten nicht zu unüberlegten spontanen Entscheidungen geneigt.

Sterbewunsch 

Der 75 Jahre alte Mediziner war vor dem Hamburger Landgericht angeklagt, weil er den Frauen im November 2012 tödliche Medikamente gebracht hatte. Ihm wurde versuchte Tötung auf Verlangen durch Unterlassen vorgeworfen. Reine Sterbehilfe ist nicht strafbar. Die Anklage hielt dem Arzt vor, er habe Rettungsmaßnahmen einleiten müssen, sobald die Frauen bewusstlos waren. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft für den Mediziner gefordert.

Das Thema Sterbehilfe sorgt für Diskussionen. Der Christdemokrat Peter Hintze (†) hatte zuletzt für Sterbehilfe gekämpft. Er wollte Rechtssicherheit schaffen für Ärzte und Patienten, die einen ärztlich assistierten Freitod in einer „aussichtslosen Schmerz- oder Ekellage“ ermöglicht. 

Sterbehilfe in Deutschland

Schwerkranke Menschen können in besonderen Fällen Anspruch auf Medikamente für einen schmerzlosen Suizid haben. "In extremen Ausnahmesituationen" dürfe ihnen dies nicht verwehrt werden, urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im März 2017 (BVerwG 3 C 19.15.)

Zum Urteil schreibt das Bundesverwaltungsgericht:

Das allgemeine Persönlichkeitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG umfasst auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Patienten, zu entscheiden, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden soll, vorausgesetzt, er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln. Daraus kann sich im extremen Einzelfall ergeben, dass der Staat den Zugang zu einem Betäubungsmittel nicht verwehren darf, das dem Patienten eine würdige und schmerzlose Selbsttötung ermöglicht.“ 

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Dutzende Tote bei Feuer-Inferno in Bangladesch

Dutzende Tote bei Feuer-Inferno in Bangladesch

Last-Minute-Niederlage für Schalke gegen Manchester City

Last-Minute-Niederlage für Schalke gegen Manchester City

Berlin-Köpenick ist nach Stromausfall wieder am Netz

Berlin-Köpenick ist nach Stromausfall wieder am Netz

Sieben Songs für Israel: Wer singt beim ESC?

Sieben Songs für Israel: Wer singt beim ESC?

Meistgelesene Artikel

VW Golf GTI angehalten! Polizisten können nicht glauben, was sie unter dem Wagen sehen

VW Golf GTI angehalten! Polizisten können nicht glauben, was sie unter dem Wagen sehen

Bentley-Blutbad: Rocker-Boss der Hells Angels niedergeschossen - So geht es "Schlächter" Dariusch F.

Bentley-Blutbad: Rocker-Boss der Hells Angels niedergeschossen - So geht es "Schlächter" Dariusch F.

Flughafen Frankfurt: Zoll kontrolliert 8-Jährige - und verhaftet Mutter sofort

Flughafen Frankfurt: Zoll kontrolliert 8-Jährige - und verhaftet Mutter sofort

Furchtbarer Unfall: Frau fliegt mit BMW Cabrio auf Autobahn über Leitplanke

Furchtbarer Unfall: Frau fliegt mit BMW Cabrio auf Autobahn über Leitplanke

Kommentare