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Ursachen von Lungenkrebs bei Nichtrauchern: Studie nennt mögliche Gründe

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Von: Yannick Hanke

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Ein Stethoskop liegt auf einem Tablet, auf dem „lung cancer“ angezeigt wird.
Lungenkrebs kann auch bei Nichtrauchern entstehen. Doch woran liegt das? © imago/Symbolbild

Auch Nichtraucher können von Lungenkrebs betroffen sein. Doch woran liegt das? Eine Studie liefert nun die Erklärung.

Berlin/London – Oftmals werden Raucher mit den Folgen ihres tabakhaltigen Konsums in Form von Lungenkrebs konfrontiert. Doch laut einer im Fachmagazin JAMA Oncology veröffentlichen Studie kann Lungenkrebs auch bei Nichtrauchern auftreten. Zwölf Prozent der Lungenkrebspatienten hätten nämlich nie Zigaretten konsumiert. Woher aber resultiert dann die Erkrankung?

Ursachen von Lungenkrebs bei Nichtrauchern: Studie gibt Aufschluss

Wissenschaftler des Francis Crick Institute (The Crick) und des University College London (UCL) haben auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO Congress) eine mögliche Erklärung vorgestellt, warum auch Nichtraucher an Lungenkrebs erkranken können.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte der Onkologe Charles Swanton, dass es in der Medizin schon länger die Vermutung gibt, dass eine hohe Luftverschmutzung das Risiko für Lungenkrebs, der wie andere Krebsarten frühzeitig erkannt werden kann, erhöht. „Aber wir wussten nicht wirklich, ob die Verschmutzung direkt Lungenkrebs verursacht – und wenn ja, wie“.

Führt eine höhere Luftverschmutzung mit Feinstaub zu Lungenkrebs bei Nichtrauchern?

Eine Theorie war es, dass Stoffe, die sowohl in Zigarettenrauch als auch in Abgasen vorkommen, DNA-Mutationen auslösen, aus denen sich wiederum Lungenkrebs entwickeln kann. Diese Annahme hätte laut Swanton aber nicht dazu gepasst, dass gemäß Studien DNA-Mutationen auftreten können, die keinen Lungenkrebs auslösen und dass die meisten krebserregenden Stoffe keine DNA-Mutationen auslösen.

Tücken und Symptome von Lungenkrebs

Der Lungenkrebs beziehungsweise das Bronchialkarzinom bezeichnet eine bösartige Erkrankung der Lunge respektive der Luftwege. Sie äußert sich jedoch erst vergleichsweise spät durch verschiedene Beschwerden. Symptome können beispielsweise Husten, Gewichtsverlust, Luftnot oder auch Schmerzen in der Brust oder den Knochen sein. Menschen, die ein hohes Risiko für Lungenkrebs aufweisen, sollten die wichtigen Warnzeichen frühzeitig erkennen und bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufsuchen.

Deswegen untersuchten die Forscher auf Basis von Patientenakten, Probenentnahmen und Tierversuchen, ob und wie sich die Luftverschmutzung auf die Entstehung einer tödlichen Krebsart wie dem Lungenkrebs auswirken kann. Die Analyse von insgesamt 460.000 Gesundheitsdaten aus England, Südkorea und Taiwan hätte ergeben, dass eine höhere Luftverschmutzung mit Feinstaub das Risiko für eine Mutation des Gens EGFR erhöht.

Erbgutveränderungen beim Menschen scheiden als Ursache für Lungenkrebs bei Nichtrauchern aus

Darüber hinaus konnten die Forscher mithilfe von Mäusen zeigen, dass Feinstaub der Partikelgröße PM 2,5 neben Veränderungen am EGFR-Gen auch zu Veränderungen am KRAS-Gen führt. Das Entscheidende: Beide Gene stehen mit Lungenkrebs in Verbindung. Außerdem wurden 250 Proben aus der Lunge von Menschen untersucht, die in Regionen mit geringer Luftverschmutzung lebten und auch keinem Tabakrauch ausgesetzt waren.

Wie hoch ist die Lebensdauer bei Lungenkrebs?

15 Prozent der männlichen Patienten, welche die Diagnose Lungenkrebs erhalten haben, leben nach fünf Jahren noch. Bei den weiblichen Patienten trifft dies auf 21 Prozent zu. Bei der relativen 10-Jahres-Überlebensrate für Lungenkrebs ergibt sich ein ähnliches Bild: Hier ist die Lebenserwartung bei Frauen geringfügig höher als bei Männern.

Sie entdeckten dabei Mutationen am EGFR-Gen (18 Prozent) und am KRAS-Gen (33 Prozent). Und das, obwohl die Lungen de facto gesund waren. Die zunehmenden Erbgutveränderungen mit fortschreitendem Alter seien laut Swanton deswegen aller Wahrscheinlichkeit schon mal keine Ursache dafür, dass Lungenkrebs auch bei Nichtrauchern entstehen kann. „Die sitzen da einfach. Für sich allein reichen sie wahrscheinlich nicht aus, um Krebs zu verursachen“, fasst der Onkologe den Befund zusammen.

Lungenkrebs frühzeitig erkennen: Was sind die Anzeichen und Symptome der Erkrankung?

Luftverschmutzung indirekt der Auslöser für Lungenkrebs bei Nichtrauchern

Doch könne die Luftverschmutzung, wie es sie auch in Deutschland gibt, laut der Studie eine Wundheilungsreaktion mit Entzündungsprozessen verursachen, die wiederum in den von der Genmutation betroffenen Zellen die Bildung von Lungenkrebs auslösen kann. Neben diesem Erklärungsansatz für die Entstehung von Lungenkrebs bei Nichtrauchern entdeckten die Forscher übrigens auch eine neue Präventionsmethode.

Wie wird eigentlich festgestellt, ob ein Mensch Lungenkrebs hat?

Damit Lungenkrebs festgestellt werden beziehungsweise im Optimalfall ausgeschlossen werden kann, wird auffälliges Gewebe entnommen. Unter dem Mikroskop wird dieses auf Krebszellen untersucht. Anschließend werden die Gewebeproben von Pathologen untersucht.

Bei den bereits erwähnten Mäusen konnte ein Antikörper nämlich den Botenstoff Interleukin 1 beta, der den Entzündungsprozess verursacht, blockieren. Heißt: Es ist möglich, ein Medikament herzustellen, dass die Entstehung von Lungenkrebs präventiv, also bereits im Vorfeld, stoppt. Laut Swanton könnte dies in Form einer Tablette erfolgen, welche die Risikogruppen täglich einnehmen müssten.

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