Union für Neuregelung bei Organspenden

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Nur 17 Prozent der Bundesbürger besitzen einen Organspendeausweis.

Berlin - Angesichts eines Mangels an Organspendern haben sich Unionspolitiker offen dafür gezeigt, das Grundprinzip in der Transplantationsmedizin umzukehren.

Demnach könnten Hirntoten Organe entnommen werden, sofern sie dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hätten, berichtet die “Welt am Sonntag“. “In Anbetracht des Mangels an Spenderorganen muss über alle Möglichkeiten offen diskutiert werden, die zu einer Verbesserung der Situation führen“, sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), dem Blatt. Der Obmann der Union im Gesundheitsausschuss des Bundestags, Rolf Koschorrek, sieht in der Widerspruchsregelung “eine Möglichkeit, die Versorgung mit Spenderorganen hierzulande entscheidend zu verbessern“. Derzeit muss entweder ein Hirntoter schon zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt haben, oder die Angehörigen müssen ihre Zustimmung geben.

Diese Regelung gilt aber in Fachkreisen als restriktiv. “Die Gewichtung in Deutschland ist verquer“, kritisierte der Ärztliche Direktor des Deutschen Herzzentrums Berlin, Roland Hetzer. “Die Rechte von Verstorbenen werden höher gewertet als die von kranken Lebenden.“ Manche Wissenschaftler wollen sogar noch weiter gehen. “Die Bürger sollten dazu verpflichtet werden, sich zu erklären, ob sie nach einem Hirntod mit einer Organspende einverstanden wären oder nicht“, sagte das Mitglied des Deutschen Ethikrats Eckhard Nagel dem Blatt.

Täglich drei Tote wegen fehlender Spenderorgane

Dagegen forderte Gesundheitsminister Philipp Rösler den vermehrten Einsatz von sogenannten Transplantations-Koordinatoren auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Diese sollten nach einem Todesfall mit den Angehörigen über das sensible Thema Organspende sprechen.  Rösler warnte davor, die Menschen mit gesetzlichen Regelungen unter Druck zu setzen und so zur Organspende zu bewegen. Damit entkräfte man Vorbehalte nicht, sondern baue emotionale Hürden auf, sagte er der “Welt am Sonntag“. Der Minister will deshalb den Mangel an Organspenden vor allem durch eine bessere Organisation in den Kliniken beheben.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte der Zeitung: “Viele Krankenhäuser unternehmen zu wenig, um Transplantationen zu ermöglichen.“ Die Kliniken sind verpflichtet, Hirntote als Organspender zu melden, aber sie tun es nach Auskunft von Fachleuten im hektischen Klinikalltag zu selten. Wer ohne Einstufung als Fall mit hoher Dringlichkeit auf der Warteliste landet, hat nach Experteneinschätzung oft geringe Chancen. Bei Nieren sind wegen der paarweisen Anlage auch Lebendspenden möglich - wie im Fall Steinmeier. Die Organspende des SPD-Fraktionsvorsitzenden hat die Debatte über den eklatanten Mangel an Spenderorganen in Deutschland aufflammen lassen.

Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) warten derzeit rund 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Täglich kommen neue schwer kranke Patienten mit Nierenschwäche hinzu. Auch Leber, Herz und Lunge werden dringend benötigt. Zwar stieg die Zahl der Organspender im vergangenen Jahr leicht auf 1217. Um Leben zu retten, würden einer Umfrage im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland ihre Organe nach dem Tod spenden. Im Schnitt sterben täglich drei Menschen, die ein neues Organ gebraucht hätten.

apn/dpa

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