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Hunderte sterben jeden Tag in Deutschland: Wer sind die Corona-Toten?

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Von: Fabian Raddatz

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Särge mit Corona-Toten stehen in einem dunklen Raum.
Täglich sterben in Deutschland hunderte Menschen an oder mit Corona. © Julian Stratenschulte/dpa

Corona und kein Ende, die Zahlen der Neuinfektionen sind so hoch wie nie. Hunderte sterben pro Tag. Wer sind diese Menschen, wo kommen sie her?

Berlin – Während in der Ukraine der Kriegt tobt, findet auch hierzulande ein Kampf statt – mittlerweile seit mehr als zwei Jahren: der gegen Corona. Täglich gibt es neue Horror-Meldungen: „Inzidenz laut RKI auf neuem Höchstwert*“, titelt die Frankfurter Rundschau. Die Tagesschau berichtet von 1,5 Millionen Infektionen binnen einer Woche. Auch am Freitag, 25. März 2022, wieder: knapp 300.000 Corona-Neuinfektionen.

Hunderte Menschen sterben täglich. Die Corona-Todeszahlen schwanken zwischen 200 und 350 Menschen pro Tag. An manchen Tagen sind es auch knapp 500. Das sind im Durchschnitt bis zu zwei vollbesetzte Boeing 737-Maschinen, die täglich abstürzen. Global gesehen, steht Deutschland damit auf Platz 6 der täglichen Todes-Tabelle, die von Staaten wie den USA oder Russland angeführt wird – in denen aber das Vielfache an Menschen lebt.

Hunderte sterben jeden Tag: Wer sind die Corona-Toten in Deutschland?

Doch wer sind diese Menschen, die derzeit zu Hunderten in Deutschland mit oder an Corona sterben? Woher kommen sie? Und warum sterben hierzulande so überproportional viele? Ein Blick in die Daten des Robert-Kochs-Instituts verrät schon mal eines: Es sind vor allem die Ungeimpften, die derzeit sterben. Sie machen über die Hälfte der in Deutschland bekannten Corona-Todesfälle aus.

Zudem sind die Corona-Toten zum Großteil 60 Jahre oder älter. Ergo: Es sind die alten, ungeimpften Menschen, die jetzt vor allem sterben. Die zweitgrößte Todes-Gruppe sind die Älteren, die auch bereits eine Booster-Auffrischungsimpfung erhalten und sich mit Corona angesteckt haben.

Wo kommen die Corona-Toten her?

Dabei sind Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Bundesländer mit der höchsten Corona-Sterblichkeitsrate. Auffällig: Gerade diese Bundesländer weisen die niedrigsten Impfquoten in Deutschland auf, mit Sachsen als Schlusslicht.

Die Impfquote ist in Deutschland notorisch schlecht. Mit 75,8 Prozent liegt die Bundesrepublik als westliche Industrie-Nation damit hinter Staaten wie Mauritius oder Kambodscha. Experten sehen in der niedrigen Impfquote auch einen direkten Zusammenhang mit den hohen Corona-Todesraten im Land.

Experte: Corona-Impfquote und Sterberate hängen wohl zusammen

Es gebe hinreichend Belege, die zeigen, dass eine höhere Impfquote zu einer niedrigeren Hospitalisierungsrate und zu einer geringeren Belegung der Intensivstationen führe – und sich damit eben auch auf die Sterbewahrscheinlichkeiten auswirke, sagte Göran Kauermann vom LMU-Statistikinstitut der Deutschen Presse-Agentur.

Geimpfte hätten ein erheblich niedrigeres Risiko, auf einer Intensivstation zu landen, so der Wissenschaftler. „Alles deute in die gleiche Richtung.“ Einen „knallharten kausalen Schluss“ gebe es jedoch nicht.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach wirbt für Impfungen und Impfpflicht

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nennt die derzeitige Situation unhaltbar: „Wir können nicht zufrieden sein mit einer Situation, wo 200 bis 250 Menschen jeden Tag sterben und die Perspektive die ist, dass in einigen Wochen noch mehr Menschen daran versterben.“

Bereits seit geraumer Zeit werben Experten wie Lauterbach, sich impfen zu lassen. Erst am Donnerstag, 24. März 2022, riet er wegen der hohen Infektionszahlen durch Omikron besonders dringend zu schnellen Impfungen. Noch nie sei das Risiko für Ungeimpfte so hoch gewesen, sich zu infizieren und schwer zu erkranken.

Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach spricht von unhaltbaren Zuständen angesichts der Corona-Toten in Deutschland. © Kay Nietfeld/dpa

Der Gesundheitsminister warb erneut für Verständigungen im Bundestag, um eine Mehrheit für eine allgemeine Corona-Impfpflicht als Vorsorge für den Herbst zu sichern. Damit habe man es in der Hand, die Pandemie für Deutschland in diesem Jahr zu beenden. „Wir sollten diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen.“

Die Impfquote steigt in Deutschland seit Monaten fast gar nicht mehr. Die Zahl der Impfungen nimmt derzeit sogar ab. Am Mittwoch wurden laut RKI bundesweit noch 60.000 Dosen gespritzt – nach 82.000 vor einer Woche.

Allgemeine Impfpflicht in Deutschland? „Daran darf man einige Zweifel haben“

Ebenso wie die Impfquote in Deutschland kommt auch die Einigung auf eine allgemeine Impfpflicht nicht voran. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann befürchtet, dass die allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus doch nicht kommen wird. „Daran darf man – wie es so aussieht – einige Zweifel haben“, sagte der Grünen-Politiker am Montagabend im SWR-Fernsehen. „Es sieht im Moment nicht so aus, als ob sich der Bundestag da auf eine Linie einigen kann. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Nichts wäre schlimmer, als die mühsam erreichten Erfolge aufs Spiel zu setzen.

Bundeskanzler Olaf Scholz wirbt für eine Impfpflicht

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat die Abgeordneten des Bundestags dazu aufgerufen, gegen eine drohende weitere Corona-Welle im Herbst den Weg für eine Impfpflicht zu ebnen. „Nichts wäre schlimmer, als die mühsam erreichten Erfolge aufs Spiel zu setzen“, sagte Scholz am Mittwoch in der Generaldebatte des Bundestags in Berlin. „Für mich heißt das vor allem: Wir werden alles dafür tun, dass eine neue Infektionswelle unser Land im Herbst nicht wieder zum Stillstand bringt.“

Im Bundestag soll nach bereits erfolgter erster Lesung Anfang April eine Entscheidung zur Impfpflicht ohne die sonst übliche Fraktionsdisziplin getroffen werden. Derzeit hat noch keiner der vorliegenden Anträge und Entwürfe für oder gegen eine Impfpflicht eine Mehrheit. (Mit dpa-Material) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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