Komplize tot - Diebesbande vor Gericht

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Einer der Täter kam beim Überfall ums Leben. Der Rest muss sichjetzt vor Gericht verantworten.

Stade - Fünf junge Männer versuchten im Dezember einen 77-jährigen Rentner in dessen Haus auszurauben. Der Überfall mißlang, einer der Täter (16) wurde erschossen und der Rest der Bande steht jetzt vor Gericht.  

Die jungen Räuber hoffen auf eine Millionenbeute. Sie überfallen einen allein lebenden, vermögenden 77-Jährigen in seinem Haus in Sittensen (Niedersachsen). Plötzlich geht die Alarmanlage los, die Männer fliehen mit ihrer Beute über die Terrasse. Der Rentner ist Jäger. Er greift eine seiner Waffen und schießt den Flüchtenden hinterher. Tödlich getroffen bricht ein 16-Jähriger zusammen. So hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch die Tatnacht im Dezember 2010 vor dem Landgericht Stade geschildert. Angeklagt sind die fünf mutmaßlichen Komplizen des Erschossenen. Die Ermittlungen gegen den Senior wegen des Verdachts des Totschlags werden laut Staatsanwaltschaft vermutlich bald eingestellt.

Für die Hinterbliebenen ist das unbegreiflich. Sie haben in der Nähe des Tatorts einen Gedenkplatz mit Kerzen, Blumen und Fotos des 16-Jährigen aus Neumünster (Schleswig-Holstein) aufgebaut. Mehrere Verwandte des Jugendlichen verfolgen das Verfahren. Der 77-Jährige ist nicht erschienen, er soll zu einem späteren Zeitpunkt als Zeuge aussagen. Auch wenn es in diesem Prozess nicht der Rentner ist, der als Angeklagter vor Gericht steht, dreht sich in den Gesprächen der Prozessbeobachter doch immer alles um die Frage: Notwehr oder nicht?

“Wir sind der festen Überzeugung, dass der beschuldigte Rentner nicht in Notwehr gehandelt hat“, sagt der Rechtsbeistand der Familie des Getöteten, Thomas Kämmer. Er hofft, dass der Prozess gegen die Bande Hinweise auf eine Schuld des Ausgeraubten liefert und die Einstellung der Ermittlungen gegen den Mann verhindert wird. Laut Obduktion traf der Rentner den Jugendlichen in den Rücken.

Vor dem Landgericht müssen sich vier Männer im Alter zwischen 23 und 25 Jahren wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sie alle haben wie der getötete 16-Jährige eine lange Vorstrafenliste. Angeklagt ist auch eine 21-Jährige, weil sie ihre Bekannten zu dieser Tat angestiftet haben soll.

Eine entscheidende Frage für den Urteilsspruch ist, ob die Täter Waffen bei sich trugen. Ein Angeklagter erklärte vor der Kammer, dass er und seine Komplizen unbewaffnet gewesen seien. “Wir hatten keine Waffen und nichts zum Knebeln dabei“, sagte der 25-Jährige. Sie hätten ihr Opfer nur festgehalten und ihm immer wieder versichert: “Wir wollen nur das Geld, wir tun Dir nichts.“

Die Anklage aber ist überzeugt, dass die Bande dem Ex-Bestattungsunternehmer eine Softair-Waffe an den Kopf hielt. Als die Alarmanlage losging und die Männer aus dem Haus rannten, will der Rentner auch einen Schuss gehört haben. “Jedenfalls fiel ein Schuss und ich habe gedacht, jetzt wird es ganz gefährlich und jetzt kannst Du zur Waffe greifen“, soll er bei der Polizei ausgesagt haben.

Die Ermittler hatten nach der Tat zwei Waffen gefunden. Eine hatten die Fliehenden aus dem Auto geworfen. Sie habe während des Überfalls die ganze Zeit über im Handschuhfach gelegen, betonte der 25 Jahre alte Angeklagte. Eine Woche nach dem Verbrechen entdeckte die Polizei zudem eine Gaspistole in der Nähe des Leichenfundortes. Sie sei wegen des Schnees zunächst nicht gesehen worden, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Waffe gehört dem Rentner. Die Anklage geht davon aus, dass der 16-Jährige sie aus dem Haus mitgenommen hatte. Neben seiner Leiche habe außerdem die mit mehr als 2000 Euro gefüllte Geldbörse des 77-Jährigen gelegen.

dpa

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