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Suche nach Therapieplatz: „Ich warte schon mehr als zwei Jahre“

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Von: Maria Sandig

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Wer in Deutschland eine Therapie machen will, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Berin Siner (23) weiß, wie schwierig die Suche nach Hilfe ist.

„Psychische Erkrankungen waren schon immer ein Thema in unserem Leben, also in meinem Leben und dem Leben meiner Familie“, sagt die 23-jährige Berin Siner, die in Leipzig wohnt.

Berin Siner hat schon mehrere Therapien hinter sich, mit 14 Jahren war sie das erste Mal bei einer Psychotherapeutin. „Damals dachte ich: Gar keinen Bock auf diese Therapie“, sagt sie rückblickend. Damals sei sie nicht besonders kooperativ gewesen. „Ich habe viel Oberflächliches geredet, wie mit Freundinnen im Park.“ Deswegen habe sie das Gefühl begleitet, dass die Therapie relativ wenig bringt. „Auch weil ich eben selber überhaupt keine Reflexion darüber hatte, was vielleicht zu der Zeit schwierig war“, weiß sie heute. Auf die Therapie folgen mehrere Klinikaufenthalte in Psychiatrien.

Berin Siner hat schon mehrere Therapien hinter sich, mit 14 Jahren war sie das erste Mal bei einer Psychotherapeutin.
Berin Siner hat schon mehrere Therapien hinter sich, mit 14 Jahren war sie das erste Mal bei einer Psychotherapeutin. © Privat

Umso älter Berin Siner wird, desto mehr weiß sie die Erfahrungen zu schätzen, die sie während der Krankenhausaufenthalte und der Psychotherapie gemacht hat. Vor ihrer Zeit in Leipzig ging ihre Therapieplatzsuche los. Nach ihrem Klinikaufenthalt in Stuttgart ist ihr bewusst geworden, dass eine ambulante Therapie nötig ist.

Wie schwierig es ist, überhaupt auf eine Warteliste zu kommen, weiß die Leipzigerin durch ihre Therapieplatzsuche in Stuttgart nur zu gut. Berin suchte sich damals alle Therapeutinnen und Therapeuten in der Umgebung raus, erstellte sich eine lange Liste. „Es ist schon echt wahrscheinlich, wenn man so eine riesige Liste abtelefoniert, dass man viele Absagen bekommt“, weiß sie. Die Wartezeit für einen Therapieplatz kann lang sein. Um schnellstmöglich Hilfe bei der Suche nach einem Therapieplatz zu finden, gibt es viele Infos.

Suche nach Platz in einer Therapie kann lange dauern

Frau Wiedmeyer ist die erste Therapeutin, zu der Berin Siner überhaupt durchgestellt wird und mit der sie persönlich spricht: „Sie sagte nicht nur: Ich habe keine Plätze. Sie hat sich auch mal kurz angehört, was eigentlich abgeht. Sie hat dann auch gleich begriffen, dass ich Unterstützung brauche“, sagt Berin Siner. Innerhalb von drei Monaten bekommt die 23-Jährige einen Therapieplatz. „Drei Monate ist als Wartezeit für eine Therapie noch wenig und ich konnte mich darüber sehr glücklich schätzen.“ In Deutschland kann die Suche nach einem Therapieplatz sehr langwierig sein – aus unterschiedlichen Gründen.

Noch heute greift Berin Siner auf Onlinesprechstunden mit ihrer damaligen Therapeutin zurück. „Fast drei Jahre bin ich jetzt schon bei Frau Wiedmeyer. So eine Konstante und Zuverlässigkeit, die durch sie reinkam, hatte ich noch nie in meinem Leben. Nicht von meinen Eltern. Und von sonst nichts. Aber eine Onlinetherapie ersetzt nicht annähernd den persönlichen Kontakt“, sagt die 23-Jährige.

Berin hatte eine schwierige Kindheit und lebt mit vielen Traumata.
Berin hatte eine schwierige Kindheit und lebt mit vielen Traumata. © Privat

Deshalb sucht sie seit zwei Jahren in Leipzig nach Ersatz. Doch das Vorhaben stellt sich deutlich schwieriger als in Stuttgart heraus: „Ich hatte 2020 ein erstes Gespräch in einer Praxis und stehe seitdem auf der Warteliste. Vermutlich muss ich noch ein weiteres Jahr warten. Das ist sehr frustrierend für mich“, gibt die Berin Siner zu.

Berin Siners Familie hat eine Migrationsgeschichte. Ihr Opa ist nach Deutschland geflüchtet, war selber Waisenkind in der Türkei und hatte wenig Bezug zu seiner Familie. „Er ist wahrscheinlich mit sehr viel Traumata aufgewachsen, was man auch mega an seinem Verhalten gemerkt hat. Er war toxisch und gewaltbereit“, sagt die 23-Jährige. Situationen eskalierten gerade auf Familienfeiern schnell. „Als Kind ist es schlimm zu sehen, wenn sich Familienmitglieder schlagen und gewaltbereit sind“, sagt Berin Siner rückblickend.

Probleme in der Familie prägen Kindheit

Auch mit ihren Eltern sei es nie leicht gewesen. „Meine Mutter war massiv überfordert und mein Vater spielsüchtig, er hat unser ganzes Geld verzockt. Meine Mutter hat auch echt viel gearbeitet, sie hatte drei Jobs. Mein Vater hat sich irgendwann nach Paris verabschiedet und hat dann meine Mutter alleinerziehend mit drei Kindern gelassen, ohne Job. Das hat mich auch voll bewegt, während meiner Kindheit.“

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