Berlin: Textilprovinz oder Modemekka?

Berlin - Was mag hinter dem Motto “Denver-Clan versus Forstwirtschaft“ stecken? Bei der Fashion Week kommt das Publikum ins Rätseln. Textilprovinz oder Modemekka? Das ist in Berlin die Frage.

Bei der Fashion Week scheint sich die Waage ein wenig in Richtung Modestadt zu neigen. Auch wenn mächtige Modezarinnen wie die Chefin der US-Vogue Anna Wintour fehlen, auch wenn die in der Szene als Leithammel geltende Internetseite style.com nicht berichtet - bei den noch bis Samstag laufenden Schauen gab es richtig gute Kollektionen. Top-Gesprächsthema war ein im “Spiegel“ erschienener Artikel, der Berlins Ambitionen, zur Modemetropole aufzusteigen, in Bausch und Bogen für gescheitert erklärt. Viele Modejournalisten sind da anderer Meinung.

Berliner Fashionweek: Heiße Trends und sexy Models

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Doch die Kritik nagt. Zum Glück gab es am Donnerstag auch bei den jungen Aufsteigerkollektionen richtige Lichtblicke, allen voran die des Berliner Duos Perret Schaad. Locker und leicht erschienen die Entwürfe der beiden Designerinnen. Gerade Linien kontrastierten sie mit weichen Rundungen. “Wir haben vom Material aus gedacht“, erklärten Johanna Perret und Tutia Schaad nach der Schau. Raffinierte Licht- und Glanzeffekte machten die klar geschnittenen Entwürfe besonders. Schimmernde schmale Röcke in einem Korallenton, nachtblaue leicht gerundete Mäntel und eine voluminöse Bomberjacke, die aus einem wie Leder wirkenden Techno-Stoff gemacht war, offenbarten Raffinesse. Professionell, ästhetisch und gelungen waren die Modelle von Mongrels in Common. Hinter dem kryptischen Namen verbergen sich die Designerinnen Livia Ximénez-Carrillo und Christine Pluess, ein weiteres “Winning Team“ dieser Modewoche.

Die Models - mit tiefrot geschminkten Lippen - erinnerten in ihren gerafften Seidenkleidern in mattem Moosgrün oder sattem Blau, den feinen Schluppenblusen und den zweireihigen Mänteln in Schwarz an Hollywood-Stars der 40er Jahre. Das Motto “Denver-Clan versus Forstwirtschaft“ erschloss sich nicht ganz, brachte aber einen schönen gelblichen Blattwerk-Druck hervor. Elegant, perfekt geschnitten und regelrecht dahinfließend trat die Kollektion von Rena Lange auf. Das Münchner Luxushaus ist eine der wenigen Marken in Berlin von langjährigem internationalen Rang und Namen. Softe Seidenkleider in - an den Franzosen Yves Saint Laurent erinnernden - leuchtenden Farbblöcken, hautenge Rollkragenpullover und beigefarbene Tweedmäntel atmeten Noblesse. 70er-Jahre-Anklänge fügten Sexyness und Lässigkeit hinzu. Bei Allude startete die Schau mit einem Auftritt der schwedischen Avantgarde-Sängerin Lykke Li. Die Entwürfe wirkten gut gemacht, doch mit Strickoberteilen mit Fellkragen und Pumps mit Blockabsatz eher konventionell.

Am stimmigsten kamen die maisgelben mehrteiligen Strickensembles mit wadenlangen Röcken heraus. Mit der Schau von “Hugo by Hugo Boss“ gab es am Abend dann ein echtes Highlight mit weltstädtischem Charakter. Schon die Neue Nationalgalerie als Location war gut gewählt - Fließtext der Künstlerin Jenny Holzer an der Decke, schwarz ausgeschlagene Sitzreihen, schräge Musik und Schreibmaschinengeräusche vom Band gaben genau den richtigen Rahmen für das Metropolengefühl. Internationale Gäste wie die Schauspielerinnen Tilda Swinton und Chloé Sevigny und ihr Kollege Hayden Christensen sowie Rennfahrer Lewis Hamilton (neben Lokalgrößen wie Klaus Wowereit) sorgten für Glamour. Die “Hugo“-Kollektion brachte für jeden etwas: Lässige Shirt-Oberteile und schwingende Röcke sowie cremefarbene leicht gerundete Mäntel in Couture-Optik für die Damen, auf Figur geschnittene Anzüge und Kapuzenmäntel für die Herren. Drucke, die an glühende Lava erinnerten, rote Strickteile, Lack, Leder und rasant geschlitzte schwarze Abendkleider. “Hugo ist für alle da“, schienen die Entwürfe zu rufen. “Und Berlin immer noch hip.“

dpa

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