Kein Schmerzensgeld für Streich

Stuhl weggezogen: Schüler scheitert mit Klage

Hannover - Ein Schüler ist vor Amtsgericht Hannover gelandet, weil sein Klassenkamerad ins Krankenhaus kam, nachdem er diesem den Stuhl unterm Hintern weggezogen hatte.

Der heute 17-Jährige hatte im März 2013 als Neuntklässler seinem Sitznachbarn den Stuhl weggezogen. Dieser fiel auf sein Steißbein, schlug mit dem Kopf auf und erlitt Prellungen sowie Blutergüsse. Der auf den Boden gefallene Junge konnte nach Darstellung seines Anwalt Thomas Kräft nicht mehr aufstehen und wurde deshalb mit einem Rettungswagen in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht. Weil das Opfer unter der Bluterkrankheit leidet, wurde der Junge anschließend dort drei Tage lang beobachtet. Einen Osterurlaub habe er absagen müssen, weil er lange Zeit nur habe stehen und liegen können. Da er monatelang unter Schmerzen litt, verklagte er den Stuhlwegzieher auf 1400 Euro Schmerzensgeld.

Kinder müssen für Neckereien im Klassenzimmer nicht haften

Das muss der damals 15-Jährige nach dem Urteil vom Dienstag jedoch nicht zahlen. Das Amtsgericht Hannover wies die Klage des Opfers ab, weil Kinder für Neckereien untereinander im Klassenzimmer in der Regel nicht haften müssen. So habe der Bundesgerichtshofs ähnliche Fälle entschieden.

„Das ist kein Freifahrtschein, dass man sich in der Schule prügeln darf“, betonte die Richterin Catharina Schwind. Nach Schulunfällen hat eine Zivilklage Aussicht auf Erfolg, wenn dem Verursacher Vorsatz nachzuweisen ist. Der Vorsatz muss sich der Richterin zufolge aber nicht nur aufs Wegziehen des Stuhls, sondern auch auf die gesundheitlichen Folgen beziehen. Im aktuellen Fall liege kein Vorsatz vor, sagte Schwind. 

Anwalt Kräft sagte zum erfolglosen Ausgang der Klage: „Wir hatten das befürchtet.“ Jetzt werde er mit seinem Mandanten prüfen, ob sie Berufung einlegen. Der Mitschüler habe von der Vorerkrankung des 15-Jährigen gewusst und mit Vorsatz gehandelt, ist Kräft überzeugt. Der Rechtsanwalt des Stuhlwegziehers, Jens Tietgens, bestreitet das und betont, sein Mandant habe sich danach sofort entschuldigt.

Die beiden früheren Klassenkameraden einer Realschule in Hannover waren nicht zur Verhandlung erschienen, sondern ließen sich von ihren Anwälten vertreten. Auch Zeugen waren nicht geladen.

dpa

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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