1. Startseite
  2. Deutschland

Nasenspray gegen Corona: Wie die Impfung die Pandemie beenden könnte

Erstellt:

Von: Carolin Gehrmann

Kommentare

Junge erhält eine Nasenspray-Impfung gegen Schweinegrippe in den USA
Ein Junge erhält eine Nasenspray-Impfung gegen die Schweinegrippe. Auch gegen das Coronavirus könnte die Impfung bald eingesetzt werden. (Symbolbild) © Kenny Crookston/dpa

Nasenspray-Impfungen gegen das Coronavirus wecken in Studien große Hoffnungen. Können sie der Schlüssel sein, um die Pandemie zu beenden?

Berlin – Ein Nasenspray gegen Corona: Die Nase kribbelt, der Hals kratzt – so geht es zumeist los. Meist folgen nur wenig später weiter Symptome wie bei Omikron BA.5 und die traurige Gewissheit in Form von zwei Strichen: Das Coronavirus hat einen erwischt. Trotz doppelter und dreifacher, teils sogar vierfacher Impfung liegen viele Menschen nach der Infektion flach. Was laut Forschenden auch damit zu tun haben könnte, dass die herkömmlichen Impfungen in Deutschland nicht da wirken, wo das Virus zuerst angreift: in den Schleimhäuten von Mund und Nase. Nun könnte die Nasenspray-Impfung den Kampf gegen das Coronavirus vorantreiben.

Neue Impfungen gegen Corona: Nasensprays könnten Ansteckung vollständig verhindern

Neueste Studien weisen nun darauf hin, dass es bei der Impfung gegen Corona möglicherweise bald einen Durchbruch geben könnte. Nasensprays gegen Corona haben sich – zumindest bei Hamstern – als sehr vielversprechend erwiesen, eine Covid-19-Infektion ganz abzuwehren. Ein Forschungsteam der Freien Universität Berlin hatte die Studie durchgeführt.

Das Ergebnis der Corona-Studie: Die kleinen Nagetiere, die ein Spray mit abgeschwächten Coronaviren als Lebendimpfstoff erhalten haben, waren gut gegen eine Infektion geschützt – sogar gegen Omikron, wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtet. Am besten wirkte demnach die doppelte Impfung mit den Lebendviren, dicht gefolgt von einer Kombination aus der mRNA-Impfung und dem Spray.

Corona-Impfung: Nasenspray wirkt direkt an den Schleimhäuten – besser als herkömmliche Impfung

Dem Nasenspray gegen Corona könnte also eine besondere Bedeutung zukommen, da Covid-19 zuerst über die Atemwege auftritt. Deshalb erscheint es nur logisch, die Corona-Infektion auch dort abzuwehren, wo sie passiert: an den Schleimhäuten. Während die klassische, über den Oberarm injizierte Impfung auf den ganzen Organismus wirkt und die Antikörper sich vor allem im Blut bilden, bleibt der Immunschutz der Schleimhäute eher gering. Es handelt sich hierbei nämlich im Prinzip um zwei unterschiedliche Systeme mit einer jeweils anderen Funktionsweise. Deshalb kommt es mit den derzeit verabreichten Impfstoffen auch trotzdem zur Infektion.

Die Erreger treten nämlich über die Schleimhäute in den Organismus ein. Dort vermehren sie sich, da der Immunschutz der Impfung an der Eintrittspforte relativ gering ausfällt. Das Coronavirus wird vom Immunsystem erst erkannt, wenn es von dort aus weiter ins Innere des Körpers vorgedrungen ist und im Blut zirkuliert. Dann ist die Infektion meist schon voll entflammt. Der Patient entwickelt dann Symptome infolge der Inkubtionszeit wie bei Omikron BA.5 und muss das Bett hüten. Durch die systemisch wirkende Impfung über das Blut wird jedoch in den meisten Fällen ein schwerer Verlauf der Krankheit verhindert, wenn auch nicht die Erkrankung selbst.

Nasenspray gegen Corona: Acht Impfstoffe verschiedener Hersteller werden erprobt – Quarantäne bald kein Thema mehr

In genau diese Lücke gehen jetzt verschiedene Forschungsteams mit der Nasenspray-Impfung gegen Corona. Sie wollen Präparate entwickeln, die nur auf die Schleimhäute wirken. Denn das Immunsystem ist durchaus in der Lage, Viren auch schon früher abzufangen und unschädlich zu machen, sodass wir im Idealfall erst gar nicht mehr krank werden. Wenn das gelingt, könnte bei der Corona-Pandemie die sogenannte sterile Immunität erreicht werden. Ein Weitergeben des Coronavirus würde dann verhindert werden. Quarantäne und Kontaktbeschränkungen dürften in einem solchen Szenario wohl kein Thema mehr sein.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befinden sich acht Stoffe verschiedener Hersteller bereits in der klinischen Erprobung. Fünf hätten bereits die entscheidende Stufe 3 erreicht, bei der ein Stoff an tausenden von Probanden getestet werden darf – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer möglichen Zulassung.

Nasenspray-Impfungen: Hoffnung auf ein Ende der Pandemie? Aber auch starke Nebenwirkungen möglich.

Mindestens einer dieser Tests wurde laut MDR jedoch bereits wieder gestoppt. Denn die Arbeit mit den Nasenspray-Impfungen ist nicht so einfach, wie es zunächst klingen mag. Teils kommt es bei der Anwendung von intranasal verabreichten Stoffen nämlich zu erheblichen Nebenwirkungen, vor allem durch die Nähe der Nasenschleimhäute zum Gehirn, was sich neurologisch auswirken könnte. Bei Studien mit Nasenspray-Impfungen gegen Grippe kam es beispielsweise schon in den 2000er Jahren zu halbseitigen Gesichtslähmungen, wie es in einem Bericht der Zeitschrift Scientific American heißt.

Corona-Impfung: Einige Hersteller haben schon Nasenspray-Präparate entwickelt

Mit nasal verabreichten Impfstoffen gibt es also durchaus schon Erfahrungen – auch schon vor der Corona-Pandemie. In Russland sind sie zur Bekämpfung des Influenzavirus bereits seit 1987 im Einsatz, außerdem wird China, Indien oder Thailand damit geimpft, wie der Stern berichtet. Die Erfahrungen daraus machen sich nun verschiedene Forscherteams zunutze, um einen Corona-Impfstoff in Nasenspray-Form zu entwickeln.

So hat zum Beispiel der bekannte Hersteller Astrazeneca bereits die Wirkung der Nasenspray-Impfung in ersten Studien mit Hamstern bestätigt. Auch in Großbritannien wird an einer alternativen Impfung mit Hochdruck geforscht. An der Universität von Oxfort arbeitet ein Team um die Virologin Sarah Gilbert neben dem Spray auch an einer immunisierenden Tablette. Der große Vorteil beider Methoden liege laut Gilbert darin, dass nicht mehr aufwändig mit Spritzen und Kanülen hantiert werden müsse, wie der Evening Standard berichtet.

Corona-Impfung als Spray: Markteinführung noch in weiter Ferne

Die US-Firma Meissa Vaccines arbeitet schon länger mit dem Coronavirus, vor allem um eine Impfung für Kinder zu entwickeln, die verhindert, dass mögliche lebensgefährliche Atemwegserkrankungen als Komplikation bei einer Infektion der jungen Patienten hervorrufen kann.

So aussichtsreich das alles auch klingt, es wird vermutlich noch eine Weile dauern, ehe eine Zulassung einer derartigen Nasenspray-Impfung gegen das Corona erfolgen kann. Eine Impfung, die eine Ansteckung komplett verhindert, wäre ein Meilenstein in der Pandemiebekämpfung. Doch bis dahin steht noch ein Stück des Weges an – für die Forschenden und für diejenigen, die solche Stoffe zulassen.

Impfungen als Nasenspray: Ab November 2023 könnte es losgehen

Immerhin stellt der Molekularbiologe Emanuel Wyler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, der an der Studie des Berliner Forschungsteams von der FU beteiligt ist, einen ersten greifbaren Zeitrahmen auf: ab November 2023 könnte es eventuell losgehen, wie er auf Twitter äußerte.

Derzeit gehen die Forschenden jedoch eher davon aus, dass die Impfung per Sprühstoß als zusätzlicher Booster zur herkömmlichen mRNA-Imfpung verwendet wird. Der lästige Stich in den Oberarm bleibt uns daher vorerst wohl nicht erspart.

Auch interessant

Kommentare