Studie: Kinderwunsch nicht selbstverständlich

In Deutschland sind Kinder laut einer Studie nicht mehr selbstverständlich.

Berlin - Als Hauptgründe für die niedrige Geburtenrate in Deutschland gelten nach einer neuen Studie die finanzielle Unsicherheit und die Sorge um den Arbeitsplatz. Warum Kinder nicht mehr selbstverständlich sind:

Diese Einschätzung äußerten 86 Prozent von 1.012 befragten kinderlosen Frauen und Männern zwischen 25 und 45 Jahren, wie die Zeitschriftengruppe “Eltern“ als Auftraggeber der repräsentativen forsa-Umfrage am Montag in Berlin berichtete. Die Studie hat auch ergeben, dass Perfektionsdruck, Stress und fehlende Partner die Entscheidung für ein Baby verzögern. Mehr Frauen und Männer als früher entscheiden sich aber auch bewusst gegen Kinder. “Kinder zu haben, ist in Deutschland nichts Selbstverständliches mehr“, fasste die Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki die Ergebnisse der Studie zusammen. Für weniger als die Hälfte der Befragten (46 Prozent) ist ein Leben ohne Kind nicht vorstellbar.

Die Wissenschaftlerin Kerstin Ruckdeschel vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden sagte: “Die gewünschte Kinderlosigkeit ist seit Anfang der 1990er Jahre gestiegen.“ Möglich sei aber auch, dass sich heute einfach mehr dazu bekennen. Das Lebensmodell Familie ist der Studie zufolge aber immer noch attraktiv für junge Leute: Zwei von drei Befragten wollen auf jeden Fall oder vielleicht Kinder haben.

Die 66 Prozent sind ein Mittelwert: Deutlich mehr Männer, nämlich 70 Prozent, als Frauen (61 Prozent) wünschen sich Kinder. Im Osten Deutschlands wollen 72 Prozent aller Befragten Nachwuchs, im Westen nur 66 Prozent. Von allen 25- bis 29-jährigen Frauen und Männern möchten sogar 86 Prozent einmal eine Familie gründen; die fehlende finanzielle Sicherheit und ein höherer Stellenwert für den Beruf hindern sie aber daran. Oft fehlt auch einfach der Partner oder die Partnerin zur Familiengründung; bei der Generation über 35 ist das bei 59 Prozent der Fall.

Ruckdeschel verweist dazu auf den Männerüberschuss vor allem in Ostdeutschland. Die Zeitschriften “Eltern“ und “Eltern familiy“ wollen mit ihrer Aktion “Zum Glück: Familie!“ Mut zum Kind machen. “Kinder brauchen keine perfekten Verhältnisse“, sagte Lewicki. Die Politiker werden aufgefordert, über eine Änderung des Steuersystems nachzudenken, das die Hausfrauen-Ehe begünstigt. Und: “Die Menschen wollen Sicherheit über eine Legislaturperiode hinaus.“

dapd

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