Studentenproteste in ganz Deutschland

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Ein Transparent hängt am Mittwoch am Gebäude der Neuen Universität in Heidelberg. Aus Protest gegen die Bildungspolitik und aus Solidarität mit österreichischen Kommilitonen hatten Studenten mehrerer deutscher Hochschulen Uni-Räume besetzt.

Berlin - Angesichts anhaltender Studentenproteste hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) ihre Länderkollegen aufgerufen, die verabredeten Hochschulreformen rasch umzusetzen.

“Die Studierenden brauchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen bei der neuen Studienstruktur gibt“, sagte sie am Donnerstag dem Südwestrundfunk. Sie forderte eine “Entschlackung der Studiengänge“. Auch die Ausbildungsförderung Bafög müsse im Hinblick auf höhere Förderbeträge und Altersgrenzen diskutiert werden. Nationale Stipendienprogramme müssten verbessert werden, sagte Schavan.

In rund 20 deutschen Städten wurden inzwischen Hörsäle und Räume von Hochschulen besetzt, zum Teil wurden sie aber schon wieder geräumt. Die Studenten wollen auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam machen. Sie begründen ihre Proteste mit überlasteten Studiengängen, sozialen Ungleichheiten im Bildungssystem, der chronischen Unterfinanzierung der Unis sowie Mängeln bei der Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse. Die Proteste hatten vor rund drei Wochen in Wien begonnen und breiten sich inzwischen auch im gesamten deutschen Bundesgebiet aus. Für den 17. November kündigten Studentenorganisationen einen Protesttag an hundert Hochschulen an.

An der Humboldt-Universität in Berlin besetzten am Mittwochabend rund 800 Studierende den Hörsaal Audimax. Die Leitung der Hochschule engagierte einen Wachdienst, der bis Mitternacht den Zutritt zum Hauptgebäude unterband. Auch die Polizei war vor Ort, griff aber nach Angaben eines Sprechers nicht ein. Auch an der Berliner Freien Universität (FU) haben Studenten den größte Hörsaal seit Mittwoch besetzt.

In München hielten rund 250 Studierende am Mittwochabend den Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität besetzt, der größten Universität in Bayern. In Würzburg harrten rund 50 Studenten über Nacht im Audimax der Julius-Maximilians-Universität aus. “Die Vorlesungen werden, soweit es möglich ist, in andere Hörsäle verlegt“, sagte ein Sprecher. Auf Transparenten forderten die Studierenden unter anderem die Abschaffung der Studiengebühren und erklärten ihre Solidarität mit österreichischen Kommilitonen. Am Donnerstagabend wollten sich Uni-Leitung und Besetzer zu einem Gespräch treffen. Die Hochschulleitung setze auf Deeskalation, sagte der Sprecher.

Dagegen räumten in Tübingen rund 200 Studenten am frühen Donnerstagmorgen den größten Hörsaal der Universität. Um Mitternacht war ein entsprechendes Ultimatum der Universitätsleitung abgelaufen. Als die Studenten am Morgen den Saal immer noch besetzten, wurde die Polizei hinzugezogen. Sie musste aber nicht einschreiten, da die Studierenden das Gebäude freiwillig verließen.

dpa

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