Streit im Bus: Trio gesteht fast tödliche Tritte

Münster - Auslöser der Attacke war vermutlich eine Lappalie, doch Martin H. kam dabei fast ums Leben. Nun stehen drei junge Männer vor Gericht. Zum Auftakt des Prozesses gab es eine Anschuldigung und Tränen.

Sie verfolgten einen Mann nach einer nächtlichen Busfahrt, schubsten ihn, traten ihm ins Gesicht und raubten ihn aus: Vor dem Landgericht Münster hat am Donnerstag der Prozess gegen drei Jugendliche begonnen, die im November einen damals 30-Jährigen beinahe zu Tode prügelten. Zum Auftakt gaben alle drei zu, an der Tat beteiligt oder zumindest dabei gewesen zu sein.

Der Älteste der Angeklagten, der 19-jährige Dimitrij M., erhob schwere Vorwürfe gegen seinen Bekannten Karolis S. (17), der ein “Schlägertyp“ und die treibende Kraft hinter dem Gewaltausbruch gewesen sein soll. Den drei jungen Männern werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und Raub vorgeworfen.

Als Martin H. Anfang November 2010 nachts im Bus saß, auf der Fahrt vom Hauptbahnhof nach Hause, begann ein Jugendlicher Streit mit dem 30-Jährigen. Er habe sich wohl auf dessen Hand gesetzt, gab Karolis S. zu Protokoll. Daraufhin habe Martin H. gesagt: “Kleiner Pisser, mach dich nicht so breit.“ Noch im Bus sei der Plan gereift, den fremden Mann “abzuziehen“.

Als Martin H. an seiner Haltestelle ausstieg, folgten ihm die Jugendlichen. Dann begann die Attacke. Mit dem Geld aus dem Portemonnaie ihres Opfers kauften die drei Bier und Zigaretten. Martin H. wurde später von Spaziergängern gefunden. Tagelang lag der inzwischen 31-Jährige im Koma.

Bei dem Jüngsten der Angeklagten, dem 16-jährigen Andreas S., flossen am ersten Prozesstag Tränen. Er soll bei dem Angriff weder zugeschlagen noch getreten haben.

Mehrere Dutzend Zuschauer verfolgten den ersten von sieben Prozessterminen. Trotz der zwei minderjährigen Angeklagten war er öffentlich. Immer wieder haben in jüngster Zeit Prügelattacken junger Männer für Entsetzen gesorgt - zuletzt etwa in Berlin.

dpa

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