Spektakuläre Funde in Thüringen

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Jan Fischer, Doktorand der TU Bergakademie Freiberg, untersucht am Donnerstag die Fährte eines 15 Zentimeter großen Sauriers aus den Gesteinsschichten im Geotop "Lochbrunnen" bei Oberhof.

Oberhof - Wissenschaftler haben in Oberhof in Thüringen bei Ausgrabungen spektakuläre Fossilien ausgegraben, die 295 Millionen Jahre alt sind.

295 Millionen Jahre alte Skelette von molchähnlichen Branchiosauriern, Nadelbaumreste und Tausendfüßer haben Wissenschaftler bei Oberhof in Thüringen ausgegraben. Insgesamt entdeckten die Experten, Studenten und Helfer in den vergangenen zwei Wochen im Geotop “Lochbrunnen“ mehrere hundert fossile Überreste von Pflanzen und Tieren. “Wir sind auf spektakuläre Fossilfunde gestoßen, die mit anderen See-Faunen und -Floren in Europa vergleichbar sind“, sagte der Paläonologie-Professor Jörg Schreiber von der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen am Donnerstag. Darunter seien Zähne von kleinen Süßwasser-Haien, Insektenflügel, Farne, drei kleine Krebsarten und winzige Ursaurierfährten.

Die 15 Grabungsteilnehmer haben damit ein weiteres Fenster zurück in die Vergangenheit aufgestoßen. “Wir haben die Schichten eines Sees untersucht, der in der Rotliegend-Zeit an dieser Stelle war“, sagte Ralf Werneburg, Direktor des Naturhistorischen Museums Schloss Bertholdsburg in Schleusingen. “Wir haben Süßwassermuscheln gefunden und die Überreste von 0,5 Zentimeter großen Quallen.“ Dies sei außergewöhnlich: “Quallen bestehen zum größten Teil aus Wasser und haben sich kaum über die Zeit erhalten.“

Der Geologe und Paläontologe leitet zusammen mit Schneider bis Freitag das diesjährige Projekt. Im Thüringer Wald gibt es mehrere Fundstellen mit Fossilien aus jener Zeit, unter anderem am Bromacker in Tambach-Dietharz und an der Talsperre Schmücke unterhalb von Oberhof.

Der Thüringer Wald ist vor fast 300 Millionen Jahren ein Bindeglied zwischen Nordamerika und Osteuropa gewesen. “Mit den Untersuchungen wollen wir neue Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Pflanzen und Tiere auf dem einstigen Superkontinent Pangäa - als die Erdteile noch nicht getrennt waren - gelebt haben“, sagte Schneider. Die Grabung ist laut Werneburg Teil eines langfristigen Projekts des Museums mit der Bergakademie Freiberg, in dem es auch um Landschaftsentstehung geht.

Der “Lochbrunnen bei Oberhof“ nahe des Rennsteigs sei schon seit 1875 als fossile Fundstelle bekannt und seit Jahrzehnten als geologisches Denkmal geschützt. Mit Hilfe schwerer Technik von der Bergakademie seien fünf steinbruchähnliche Grabungsfelder mit bis zu fünf Metern Tiefe entstanden, sagte Werneburg. Der “Lochbrunnen“ sei jetzt auch wieder für Urlauber erlebbar. Eine Tafel soll Touristen künftig über die Grabungsstelle informieren.

Die Funde werden zuerst gesäubert und notgesichert. Die besten Fossil-Stücke werden von den Freiberger Studenten und den Experten analysiert und sollen in Ausstellungen in Schleusinger Museum präsentiert werden.

dpa

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