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Solarenergie und Windkraft auf dem Vormarsch – fossile Energien vorm Aus?

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Von: Yannick Hanke

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Links: Solaranlagen stehen an einem Waldstück. Rechts: Begehrte Eierkohle während der Energiekrise zur Beheizung von Wohnräumen in einem Kohleeimer in der Nähe des Ofens im Wohnraum.
Solarenergie ist auf dem Vormarsch. Es werden zunehmend Solarparks gebaut. Mit Folgen für die fossilen Energien wie Kohle? © Bernd Wüstneck/dpa/Gottfried Czepluch/imago/Montage

Haben Fossile Energien noch eine Zukunft? Schließlich liegt der weltweite Fokus verstärkt auf Windkraft und Solarenergie. Der Status quo und ein Ausblick.

Berlin – Keine Frage, Erneuerbare Energien (EE) liegen im Trend. Sie gelten aber auch als alternativlos, will Deutschland seine hochgesteckten Klimaziele bis 2030 erreichen. Wie Focus Online berichtet, werden 75 Prozent aller neu gebauten Kraftwerke mittlerweile von Windkraft oder Solarenergie betrieben. Und wie steht es um fossile Energien? Zeit, für einen Überblick.

Erneuerbare Energien: Solarenergie und Windkraft auf dem Vormarsch – Bau von immer mehr Wind- und Solarparks

Im August 2022 drehten sich erstmal 165 Windräder in der Nordsee, 89 Kilometer von der Küste des britischen Yorkshire entfernt. Mit „Hornsea 2“ ging der weltweit größte Windpark in Betrieb. Die Windräder erreichen eine Leistung von 1,4 Gigawatt (GW). Das entspricht genug Strom für 1,6 Millionen Haushalte.

Und Großbritannien drückt weiter aufs Gaspedal. Es laufen bereits die Bauarbeiten für „Hornsea 3“. Bis 2027 sollen hier Windräder entstehen, die 2,852 Gigawatt Leistung erreichen. Etwa 1.000 Kilometer südwestlich ging ebenfalls 2022 die „Franciso Pizarro Solar Farm“ ans Netz. Sie ist mitten in Spanien gelegen und mit einer Leistung von 590 Megawatt der aktuell größte Solarpark Europas.

Auch in Katar und Indien entstanden im vergangenen Jahr zwei noch leistungsstärkere Solarparks. Indien beheimatet seit 2020 mit dem Bhadla Solar Park auch die größte Anlage der Welt mit einer Leistung von 2,7 Gigawatt. Allesamt Beispiele, die einen deutlichen Trend abzeichnen: es werden immer mehr und immer größere Wind- und Solarparks auf der Welt gebaut. Und damit auch verstärkt auf Windkraft und Solarenergie gesetzt.

Solarenergie macht Hälfte der weltweit gebauten Kraftwerksleistung 2020 aus – Anteil fossiler Energieträger schwindet

Allein neue Solaranlagen machten 50 Prozent der weltweit gebauten Kraftwerksleistung im Jahr 2020 aus. Das hat die US-Analysefirma BloombergNEF (BNEF) ausgerechnet. Während Solarenergie also den ersten Platz belegt, folgt dann schon Windkraft mit 25 Prozent. Würden Wasserkraft und Biomasse noch mit eingerechnet werden, dann sind mittlerweile sogar 86 Prozent aller neuen Kraftwerke solche mit Erneuerbaren Energien.

Derweil schwindet der Anteil fossiler Energieträger immer mehr. Erstmals überholten die Erneuerbaren Energien Kohle und Gas 2015 beim Zubau, seitdem ist der Unterschied enorm gewachsen. 2021 gingen nur noch 14 Prozent aller neuen Kraftwerkskapazitäten auf das Konto fossiler Energien. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich dabei zwischen Schwellen- und Entwicklungsländern sowie entwickelten Staaten.

In ersteren laufen 26 Prozent aller neuen Kraftwerkskapazitäten noch mit fossilen Energieträgern, in letzteren sind es nur noch drei Prozent. Und der globale Energiehunger wächst rasant. Die weltweiten Kapazitäten für die Stromerzeugung haben sich seit 2006 von vier auf 7,9 Terawatt (TW) nahezu verdoppelt. Dabei dominieren die fossilen Energieträger insgesamt noch. Doch in was für einem Verhältnis?

Anteil von Solarenergie und Windkraft an globaler Stromerzeugung noch gering – doch ihr Anteil steigt jährlich

Fakt ist: Kohle kam 2021 auf einen Anteil von 35 Prozent an der globalen Stromerzeugung, Erdgas auf 23 Prozent. Wasserkraft machte mit 16 Prozent den drittgrößten Anteil vor Nuklearenergie mit zehn Prozent aus. Sowohl Windkraft als auch Solarenergie, auf die auch Niedersachsen setzt, sind stark am Wachsen. Doch gemeinsam kommen sie in dieser Hinsicht nur auf elf Prozent. Doch steigt ihr Anteil jährlich – während die zuvor genannten Energieträger an Prozentwerten verlieren.

Eine Ausnahme gibt es aber. Diese lautet Kohle. Denn der Klassiker unter den Energieträgern feierte 2021 ein, wenn auch nur kleines, Comeback. Weltweit wurden 750 Terawattstunden mehr aus Kohle generiert als im Jahr zuvor, wobei hierfür keine neuen Kraftwerke gebaut, sondern alte reaktiviert wurden, berichtet Focus Online. Die Liste führt China mit 395 Terawattstunden (TWh) an. Auf den Plätzen folgen Indien (153 TWh) und die USA (110 THw).

Auf dem vierten Platz liegt Deutschland mit 30 Terawattstunden mehr aus Kohle. Zum Kohle-Comeback kam es einerseits durch die Lockerungen nach der Corona-Pandemie, die den weltweiten Energiehunger schlagartig erhöhten sowie die schon im zweiten Halbjahr 2021 stark steigenden Gaspreise. Andererseits leidet die führende der Erneuerbaren Energien, nämlich Wasserkraft, immer stärker unter Dürren in Folge des Klimawandels.

Solarenergie als am weitesten verbreiteter Energieträger – Erneuerbare Energien stechen fossile Energieträger aus

Kohlestrom ist ein auf weniger Länder begrenztes Problem. Für 87 Prozent allen Kohlestroms sind nur zehn Länder verantwortlich. Allein China produziert 52 Prozent vor Australien mit elf Prozent und Südafrika mit neun Prozent. Global betrachtet liegt Deutschland noch auf dem sechsten Platz. Dies sollte sich mit dem immer näher rückenden Kohleausstieg aber ändern.

Doch ist auch der starke Zubau von Solarenergie, bei deren Ausbau Deutschland noch Luft nach oben hat, regional begrenzt. Hier machen nur sieben Länder 71 Prozent der gesamten globalen Produktion aus. Führend ist – erneut – China mit 33 Prozent des Solarenergie-Marktes vor den USA mit elf Prozent und Japan mit neun Prozent. Deutschland liegt mit fünf Prozent des weltweit erzeugten Solarstroms auf dem fünften Rang.

Was durchaus überrascht: Zu den größten Solarproduzenten gehören auch Schwellen- und Entwicklungsländer wie Brasilien, Vietnam, die Türkei und Mexiko. 2021 wurden Solarparks in insgesamt 112 Ländern gebaut. Damit ist kein anderer Energieträger so weit verbreitet wie die Solarenergie. Zur Einordnung: Nur 53 Staaten bauten Windparks, 47 Wasserkraftwerke, 42 Staaten errichteten neue Gaskraftwerke, 24 Ölkraftwerke und nur 15 Staaten neue Kohlekraftwerke. Insgesamt setzen 78 Prozent aller Länder weltweit stärker auf Erneuerbare Energien denn auf fossile Energieträger.

Ausbau Erneuerbarer Energien wird immer schwieriger – und doch geraten fossile Energien ins Hintertreffen

Noch sind die Zahlen für das vergangene Jahr nicht ausgewertet. Doch hat BNEF schon einige der Kernpunkte zusammengefasst. Die Investitionen in Erneuerbare Energien stiegen 2022 auf 461 Milliarden Euro. Das stellt einen neuen Rekord dar. Allein die Hälfte davon wurden in China investiert. Deutschland folgt zumindest auf dem dritten Platz – doch weit abgeschlagen hinter der schier übermächtigen Konkurrenz aus Asien.

Doch: Steigende Zinsen, hohe Inflation und die enormen Energiepreise haben dazu geführt, dass auch die Kosten für den Ausbau Erneuerbarer Energien stark steigen und viele Staaten Rückzieher beim Klimaschutz gemacht haben. So wurden auch in Deutschland beispielsweise Kohlekraftwerke aktiviert. Und dennoch rechnet BNEF damit, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien auch 2023 weiterwächst. Zum Leidwesen von fossilen Energien.

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