Skandal: Bewährung trotz 70-fachen Missbrauchs

Fulda - 70 Mal hat ein 29-Jähriger seine Stieftöchter sexuell missbraucht, um sich an deren Mutter zu rächen. Er muss nicht mal ins Gefängnis, weil die Kinder angeblich keinen schweren Schaden erlitten haben.

Eine Jugendstrafe von zwei Jahren Haft auf Bewährung sprach das Landgericht Fulda aus. Die Staatsanwältin habe daraufhin Revision eingelegt, sagte Richterin Michaela Kilian-Bock am Freitag. Sie hatte auf drei Jahre Haft plädiert. Die Mädchen waren neun und zwölf Jahre alt, als sich ihr Stiefvater viele Dutzend Male an ihnen verging.

Dennoch erklärte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung vom Donnerstagabend, dass den Kindern kein schwerer Schaden zugefügt worden sei. Statt den Mann sofort rauszuwerfen, habe die Mutter der Mädchen den Angeklagten geheiratet, obwohl sie von dem Missbrauch wusste.

In den Augen eines Arztes und eines psychiatrischen Gutachters war der Angeklagte zum Zeitpunkt der Taten im Jahr 2002 noch sehr unreif. Ihn habe die Beziehung zu der elf Jahre älteren, erfahrenen Frau fasziniert. Für die Frau aber sei er wie ein drittes Kind gewesen. Der Mann hatte seine erste feste Beziehung überhaupt mit der Frau. Für sie ist es bereits die dritte Ehe gewesen.

Vor Gericht hatte der Angeklagte die Taten weitgehend gestanden. Als Motiv nannte er Rache an der Mutter der Kinder. Wird das Urteil rechtskräftig, muss er 3000 Euro an die Opfer zahlen und seine Psychotherapie fortsetzen.

dpa

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