Sieben Tote: Prozess um Klinik-Skandal beginnt

Düsseldorf - Einer der größten Krankenhaus-Skandale in Deutschland beschäftigt ab Donnerstag das Landgericht in Mönchengladbach.

Der ehemalige Chefarzt der Klinik im niederrheinischen Wegberg soll aus Profitstreben für den Tod von sieben Patienten und mehr als 60 Körperverletzungen verantwortlich sein. Neben dem Klinikleiter sind sieben weitere Krankenhausärzte angeklagt. Gegen zwei Mediziner wurde das Verfahren gegen Geldauflagen eingestellt.

Ermittler waren dem Chefarzt Anfang 2007 durch eine anonyme Anzeige auf die Spur gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptangeklagten, der das St. Antonius-Krankenhaus in Wegberg Anfang 2006 übernommen hatte, Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen und fahrlässige Tötung in vier Fällen vor.

Er habe nach dem Kauf der Klinik sämtliche Abteilungen einem strikten Spardiktat unterworfen, heißt es in der Anklage. Auf seine Anweisung hin sei bei der Gabe von Blutkonserven und teuren Medikamenten gespart worden und in vielen Fällen zur Wunddesinfektion statt einer teuren sterilen Lösung frisch gepresster Zitronensaft verwendet worden.

Ohne Not unter das Skalpell

Darüberhinaus kamen laut Anklage zahlreiche Patienten ohne Not unter das Skalpell: Sie wachten demnach unter anderem ohne Gallenblase, Niere oder Blinddarm auf, ohne dass für die Eingriffe eine medizinische Notwendigkeit bestanden hätte. Bei der Behandlung einiger Patienten soll sich der Klinikchef außerdem medizinische Fachkompetenz angemaßt haben, über die er nicht verfügt habe, heißt es in der Anklage weiter. Dadurch sei es zu folgenreichen medizinischen Fehlentscheidungen gekommen, die in insgesamt sieben Fällen den Tod der Patienten nach sich gezogen hätten.

Dem Klinikleiter drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Hauptverhandlung, die zunächst auf 24 Prozesstage angesetzt ist, dürfte sich nach Angaben des Gerichtssprechers sehr aufwendig gestalten, weil eine Vielzahl von Einzelfällen aufzuklären ist. Zwtl: Urteil nicht vor März erwartet Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat in ihrer Anklageschrift vom März insgesamt 106 Zeugen und sechs medizinische Sachverständige benannt. Betroffen waren Patienten im Alter zwischen 50 und 92 Jahren.

Ein Urteil wird nicht vor März nächsten Jahres erwartet. Politiker forderten vor dem Prozess einen verstärkten Kampf gegen Bestechlichkeit und Selbstbedienung im Gesundheitswesen. Der CDU-Pflegepolitiker Willi Zylajew verlangte laut “Spiegel“ eine umfassende Kronzeugenregelung und Schwerpunktstaatsanwaltschaften, die mit Juristen und Medizinern besetzt werden sollten.

ap

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