Polizei schnappt mutmaßlichen Betrüger

Mann täuscht bei Bootsunfall in der Ostsee seinen Tod vor - ein Detail verrät ihn Monate später 

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Mit einem kleinen Motorboot machte sich der Mann am 7. Oktober 2019 von Kiel in Richtung Dänemark auf. (Symbolbild)

Um rund 4,1 Millionen Euro zu kassieren, hat sich ein Mann gemeinsam mit seiner Frau und Mutter einen ausgeklügelten Plan ausgedacht.

  • Ein 52-Jähriger täuschte seinen Tod in der Ostsee vor und beging damit Versicherungsbetrug
  • Die Polizei fand ihn jetzt in dem Haus seiner Mutter in Schwarmstedt
  • Aktuell schweigt der mutmaßliche Betrüger noch zu den Anschuldigungen

Schwarmstedt -  Versicherungsbetrüger gibt es viele. Mit den verrücktesten Ideen versuchen sie an Geld zu kommen. Doch ein 52-Jähriger aus Kiel setzte dem Ganzen jetzt noch mutmaßlich einen drauf. Nach Polizeiangaben soll der Mann sein Ertrinken in der Ostsee vorgetäuscht haben, um aus zahlreichen Lebens- und Unfallversicherungen die Summen zu kassieren. 

Sieben Monate nach seinem vermeintlichen Tod entdeckten Polizisten ihn jetzt in dem Haus seiner Mutter im niedersächsischen Schwarmstedt. Dort kauerte er auf dem Dachboden versteckt hinter ein paar Kartons. Was ihn verraten hat? Sein funkelnder Ehering.

Die Polizei nimmt den mutmaßlichen Versicherungsbetrüger in Schwarmstedt fest.

Mutmaßlicher Betrüger versteckte sich auf dem Dachboden seiner Mutter in Schwarmstedt

Am 7. Mai war es  endlich soweit und Polizisten fanden den mutmaßlichen Betrüger. Nach einer rund zweistündigen Stunden leuchtete ein Beamter auf dem Dachboden der Stadtvilla in Schwarmstedt mit seiner Taschenlampe herum und sah ein Aufblitzen. Beim genauen Hinsehen stellte sich heraus, dass es sich dabei um den Ehering an einer Hand handelte. Wenige Augenblicke später nehmen die Beamten den 52 Jahre alten Norddeutschen fest, heißt es in einer Nachricht der Deutschen Presseagentur (dpa).

Die Staatsanwaltschaft aus Kiel ermittelt wegen mehrfachen versuchten Betrugs. „Bereits 2018 sind für den Beschuldigten gut ein Dutzend Lebens- und Unfallversicherungen bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften abgeschlossen worden“, sagte Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Die Gesamtsumme liege bei mehr als 4,1 Millionen Euro. „Wir waren relativ schnell der Auffassung, dass hier lediglich der Tod vorgetäuscht worden ist, um die Versicherungssumme zu kassieren.“ Sie sollte im Todesfall an Frau und Mutter ausgezahlt werden. Ein weiterer Fall, der einen Betrug vermuten lässt, ereignete sich erst kürzlich in Syke.

Polizei stieß bei Ermittlungen auf Ungereimtheiten

Zum Hintergrund: Am 7. Oktober 2019 brach der Mann von Kiel aus mit einem kleinen Motorboot zu recht später Stunde in Richtung Dänemark auf, schreibt die dpa weiter. Drei Tage später meldete seine Frau ihn als vermisst. Eine großangelegte Suche verlief ohne Erfolg. Am 11. Oktober entdeckte ein Zeuge das gekenterte Boot vor dem nordöstlich von Kiel gelegenen OrtSchönberg. Der Bug ragte noch aus dem Wasser, das Boot war vom Strand aus zu sehen. Offensichtliche Schäden gab es nicht, Schwimmwesten und Schlauchboot fehlten. 

Mit einem kleinen Motorboot machte sich der Mann am 7. Oktober 2019 von Kiel in Richtung Dänemark auf. (Symbolbild)

Die Kieler Polizei stieß bei den Ermittlungen auf Ungereimtheiten. Ein Gutachter stellte zudem Manipulationen am Boot fest. „Das hat für uns einen Unfall ausgeschlossen“, sagte der Ermittler. Auch das Verhalten der Ehefrau habe Fragen aufgeworfen. Sie habe angeblich keine Kenntnis von alltäglichen Dingen aus dem Leben ihres Mannes gehabt und „recht spät eine Vermisstenmeldung erstattet“. Außerdem beantragten mehrere Versicherungen Akteneinsicht.

Mann aus Kiel heckte den Plan gemeinsam mit seiner Ehefrau und Mutter aus

„Der Plan war durchdacht und gut vorbereitet“, sagte eine Ermittlerin und weiter: „Da steckte ein Haufen Arbeit dahinter.“ Die Polizisten gehen davon aus, dass der Mann, seine gleichaltrige Ehefrau und die 86 Jahre alte Mutter des Kielers den Plan gemeinsam ausgeheckt haben. Die Ehefrau sitzt seit Ende April in Untersuchungshaft. Ihr Mann schweigt zu den Vorwürfen, seine Mutter ebenfalls.

Antrag auf Auszahlung des Geldes sei bereits gestellt worden, sagte Oberstaatsanwalt Bieler. Bei Seeunfällen gelte eine sechsmonatige Frist. Sonst könne eine Person erst nach fünf Jahren für tot erklärt werden. Der 52-Jährige ist für die Staatsanwaltschaft kein Unbekannter: Er wurde in Kiel bereits wegen Kreditbetrugs verurteilt, das Urteil ist aber nicht rechtskräftig. Das ist aber nur eine, von weiteren Taktiken, die sich Versicherungsbetrüger zu Nutze machen.

Fall aus Kiel weist Parallelen zu einem Hamburger Betrugs-Verbrechen auf

Der aktuelle Fall weist deutliche Parallelen zu einem Hamburger Verbrechen auf, heißt es in der Nachricht der dpa weiter. In der Nacht zum 29. April 1994 setzt ein ehemaliger Betreiber eines Tauch- und Segelshops in Hamburg auf der Elbe seinen 18 Meter langen Kutter in Brand und verschwand, um seinen Tod vorzutäuschen. Mit Hilfe seiner Ehefrau wollte er Lebensversicherungen von rund einer Million Mark kassieren.

Für tot erklärt wurde er aber nicht und die Lebensversicherungen zahlen nicht aus. Schließlich fand ihn die Polizei im März 1999 in Berlin vor dem Haus seines Vaters. 2001 verurteilte das Landgericht Itzehoe den damals 50 Jahre alten Kaufmann wegen versuchten Betrugs zu 13 Monaten auf Bewährung.

Mutmaßlicher Betrüger sowie seine Frau und Mutter sollen noch in diesem Jahr angeklagt werden

In dem Fall aus Kiel haben die Ermittler bislang nur die Ehefrau vernommen. „Wir haben Hinweise, dass sich der Mann längere Zeit bei seiner Mutter aufgehalten hat“, sagte ein Ermittler. Gesichert seien diese Erkenntnisse aber nicht. Unklar ist auch die Staatsangehörigkeit des in Deutschland geborenen Kielers. Offen ist zudem, welchem Beruf er zuletzt nachging. „Wir haben verschiedene Angaben und Hinweise“ erläuterte der Oberstaatsanwalt. Noch in diesem Jahr soll das Trio angeklagt werden, schreibt die dpa.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat keine Zahlen zu Fällen, bei denen Menschen mit dem Vortäuschen ihres Todes Versicherungsbetrug versuchen. Eine Sprecherin geht aber davon aus, „dass dieses Phänomen sehr selten vorkommt“.

Quelle: Material der dpa/Nala Harries

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