Schmerzensgeld für misshandelte Lea-Marie

Die Mitarbeiterin des Jugendamts gab den Hinweis auf Misshandlungen nicht weiter.

Rostock - Vier Jahre dauerte das Martyrium der kleinen Lea-Marie. Sie bekam von ihrer Mutter ätzende Flüssigkeiten verabreicht, litt entsetzliche Qualen. Nun hat sie zumindest Anspruch auf finanzielle Entschädigung.

Die jahrelang schwer misshandelte, heute neunjährige Lea-Marie aus Teterow hat Anspruch auf Schmerzensgeld des zuständigen Landkreises in noch unbekannter Höhe. Das Landgericht Rostock zog damit am Freitag die Konsequenz aus einem früheren Fehlverhalten einer Jugendamts-Mitarbeiterin.

Die wegen ihrer Taten zu neun Jahren Haft verurteilte Mutter hatte dem Mädchen zwischen 2002 und 2006 unter anderen knapp 20 Mal ätzende Flüssigkeiten eingeflößt. Zudem hatte sie das Kind mit kochendem Wasser übergossen, um von der Versicherung Geld zu bekommen.

Im Mai 2003 hatte eine Ärztin das Kreisjugendamt Güstrow auf mögliche Misshandlungen Lea-Maries aufmerksam gemacht, doch die Notiz über den Anruf ging verloren. Das Amt blieb untätig, das Martyrium des Kindes ging jahrelang weiter. Darunter muss Lea-Marie ihrem Anwalt zufolge noch auf Jahre hinaus leiden, in halbjährlichem Abstand muss die verätzte Speiseröhre unter Vollnarkose geweitet werden.

Landkreis muss für schäden zahlen

Laut Gericht war die Jugendamtsmitarbeiterin verpflichtet, den Hinweis so verlässlich durchzustellen, dass es Hausbesuche gegeben hätte. Ein Gutachter hatte ausgeführt, dass die intellektuell eingeschränkte Mutter reagiert hätte, wenn das Jugendamt eingeschritten wäre.

Der Landkreis ist laut der Entscheidung der Zivilkammer auch verpflichtet, Lea-Marie alle weiteren Schäden in der Zukunft zu ersetzen, soweit sie nicht von Sozialversicherungsträgern übernommen werden. Über die Höhe aller Ansprüche werde entschieden, wenn das Urteil rechtskräftig ist.

Ursprünglich hatte der Vormund von Lea-Marie auf 25 000 Euro Schmerzensgeld geklagt. Die Zivilkammer hatte den Streitwert vorläufig auf 80 000 Euro hochgesetzt. Grund dafür seien die schlimmen Verletzungen des Mädchens, die eine lebenslange Nachsorge und Beeinträchtigung nach sich zögen.

Der Landkreis Rostock, nach der Kreisgebietsreform Rechtsnachfolger des Kreises Güstrow, wollte keine Stellungnahme abgeben. Die Entscheidung werde geprüft, hieß es.

Der Anwalt von Lea-Marie zeigte sich sicher, dass der Kreis Berufung beim Oberlandesgericht einlegen werde. Bis die Sache endgültig entschieden sei, würden noch Jahre vergehen.

dpa

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