"Vaterunser" auf dem Kiez

Schiffssirenen starten Kirchentag

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Der Eröffnungsgottesdienst am Strandkai in der Hamburger Hafencity.

Hamburg - Das gab's auf der Reeperbahn noch nie: Ein Open-Air-Gottesdienst eröffnete den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Es ist der erste Eröffnungsgottesdienst auf der Hamburger Reeperbahn in der Geschichte des Kirchentages - und er gerät zu einem Wechselbad der Gefühle. Auf dem überfüllten Spielbudenplatz beten am Mittwochabend bei strahlenden Sonnenschein 16 000 Menschen laut das „Vaterunser“ und das „Glaubensbekenntnis“.

Die Christen, die zum Teil auf dem Boden vor der Bühne sitzen, singen Lieder von Johann Sebastian Bach („Lobe den Herren, den mächtigen König“) gefühlvoll mit, um dann im nächsten Moment bei den Sacro-Rockklängen von Julian Sengelmann & Band begeistert mitzuklatschen und die Hände zu heben. Und Katrin Göring-Eckardt, Grünen-Spitzenkandidatin und Präsidiumsvorstand des Evangelischen Kirchentages, tanzt auf der Bühne mit dem Chorleiter zu „Wie lieblich ist der Maien“.

„Vor zehn oder 15 Jahren wäre ein solcher Gottesdienst hier undenkbar gewesen“, sagte Kiez-Ikone, Theaterbetreiber und Ex-St.-Pauli-Präsident Corny Littmann. „Aber die Kirche hat sich geändert und die Reeperbahn auch. Ich freue mich sehr, dass Sie hier sind.“ Im Interview auf der Bühne neben dem Altar antwortet Littmann auch auf die Frage, was ihm heilig ist: „Die Menschen, die hier leben und arbeiten.“ St. Pauli, das sei gelebtes Multikulit, das funktioniere. Menschen aus 20 Ländern gibt es im Viertel, Toleranz wird hier gelebt.

Links und rechts neben der Altar-Bühne locken Kneipen, Clubs, das Hotel Keese ebenso wie das Panoptikum Wachsfigurenkabinett, das Operettenhaus mit dem „Rocky“-Musical, ein Kino mit 64 Sexprogrammen oder ein Laden „St. Pauli Sexy Heaven“.

Dann gibt es ein bisschen Aufklärung für die Kirchentagsbesucher aus ganz Deutschland. Auf die Frage, wer denn schon mal auf der Reeperbahn gewesen sei, heben sich erstaunlich wenige Hände. Von der Gottesdienst-Moderatorin um Rat gefragt, wo sich denn ein Familienvater, der treu bleiben wolle, amüsieren könne, sagt Littmann: „Es gibt schon Clubs, wo man in Ruhe gelassen wird und einfach nur tanzen kann.“ Am Ende müsse jeder selber wissen, was er wolle. Und fügt verschmitzt hinzu: „Kleine Sünden vergibt der liebe Gott, für die großen ist die Steuerfahndung zuständig.“

Die Predigt von Prof. Andreas Barner findet Applaus. Zum biblischen Kirchentagsmotto „Soviel du brauchst“ sagt er, vor allem solle man daran denken, was die anderen brauchen.

Zum Abschluss des Open-Air-Gottesdienstes - einem von vier Eröffnungsfeiern des Kirchentages in der Elbmetropole - dankt Göring-Eckardt den Hamburgerinnen und Hamburgern für die Gastfreundschaft, dankt der Polizei, der Feuerwehr und der Stadtreinigung. „Und denen, die sonst auf der Reeperbahn sind und ihren Platz heute mit uns teilen.“

Um 18.08 Uhr eröffnet sie dann förmlich den 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag, dem sie Jubel und Nachdenklichkeit, Tatendrang und Stille zugleich wünscht. „Mögen es wundervolle Tage werden, aber das liegt in Gottes Hand.“

dpa

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