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Ende der Corona-Isolationspflicht vertretbar? Studie schafft Klarheit

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Von: Yannick Hanke

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Vier Bundesländer haben die Corona-Isolationspflicht wieder aufgehoben. Ist das vertretbar? Eine Studie zeigt nun, warum sich dies als Fehler erweisen könnte.

Berlin – Ist die Corona-Pandemie in Deutschland längst zur Endemie geworden? Eine Frage, die durch den Vorstoß von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein neu entfacht ist. Diese vier Bundesländer haben nämlich die Corona-Isolationspflicht abgeschafft.

Einer Mitteilung vom Gesundheitsministerium in Stuttgart zufolge hätten sich die Länder auf gemeinsame Empfehlungen als Grundlage für ihre neuen Corona-Regelungen, die ab dem 16. November 2022 gelten sollen, verständigt. Doch ist das zum aktuellen Pandemie-Zeitpunkt überhaupt vertretbar?

Ende der Corona-Isolationspflicht in vier Bundesländern: Maske und Abstand statt Quarantäne effektiver?

Die Corona-Isolationspflicht greift in den genannten Bundesländern also nicht mehr. Die neuen Corona-Regelungen sehen aber vor, dass positiv Getestete außerhalb ihrer eigenen Wohnung eine Maske tragen müssen. Das würde nicht im Freien gelten, insofern ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Vorgesehen sei auch, dass positiv Getestete medizinische und pflegerische Einrichtungen als Besucher nicht betreten dürfen.

Eine junge Frau steht an einem geöffneten Fenster
Vier Bundesländer haben die Corona-Isolationspflicht bereits abgeschafft. Ist das vertretbar? © Fabian Sommer/dpa

Die bisherige Empfehlung vom Robert Koch-Institut (RKI), für Infizierte fünf Tage Isolation anzuordnen, fällt in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein fortan weg. Dies soll in den vier Bundesländern durch Abstand und Masken aufgefangen werden. Doch macht es überhaupt Sinn, wenn ein Infizierter beispielsweise im Büro als einzige Personen einen Mund-Nasen-Schutz trägt? Oder wäre die Selbstisolation nicht viel effektiver?

Corona-Isolationspflicht abgeschafft: Wie die vier Bundesländer ihre Entscheidung rechtfertigen

„Der volle Effekt entfaltet sich nur, wenn alle Masken tragen und diese korrekt sitzen“, sagt Mathematiker Kristan Schneider gegenüber t-online. Er modelliert die Corona-Pandemie und beschäftigt sich seit fast drei Jahren intensiv mit Covid-19. „Tragen zwei Menschen eine FFP2-Maske, die die Virusweitergabe, sagen wir, um 90 Prozent verringert, besteht ein 99-prozentiger Schutz vor der Infektion für beide. Trägt nur einer von beiden eine Maske, ist die Ansteckungsgefahr um das Zehnfache höher“, heißt es weiter.

Vereinfacht ausgedrückt: Ein nur einseitig getragener Schutz in Form der FFP2-Maske weist nur eine geringe Effektivität auf. Und doch verteidigen die Länder ihren Beschluss, die Corona-Isolationspflicht ad acta zu legen und dafür auf Masken zu setzen. „Zurückgehende Infektionszahlen, eine wirksame Schutzimpfung, eine Basisimmunität innerhalb der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent, in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe sowie wirksame antivirale Medikamente rechtfertigen aus Sicht der Länder, diesen Schritt zeitnah zu gehen“, heißt es. Ist das zu kurz gegriffen?

Covid-Studie aus den USA straft Ende der Corona-Isolationspflicht indirekt ab

Keine Corona-Isolationspflicht mehr zu haben, würde nicht bedeuten, „dass Covid-19 für jeden ab jetzt völlig harmlos und nur ein Schnupfen ist“. Das kommunizierte Virologin Sandra Ciesek unlängst via Twitter. Eine neue Corona-Studie aus den USA untermauert dies nun. Hier heißt es nämlich, dass eine vermeintlich hohe Grundimmunität die möglichen schweren Folgen einer Corona-Infektion bis hin zu Long Covid nicht abzumildern scheint.

Corona-Studie aus den USA zeigt: Reinfektion ist auch für Geimpfte gefährlich

Für ihre Studie untersuchten Forscher des VA St. Louis Health Care Systems in Missouri die Krankenakten von fast 41.000 US-Veteranen, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 6. April 2022 mindestens zweimal mit Corona infiziert waren. Deren Akten wurden mit den Daten von über 443.000 Patienten mit nur einer Infektion und 5,3 Millionen Menschen, die sich (noch) nicht mit Corona angesteckt hatten, verglichen.

Das Ergebnis: Reinfizierte Personen hatten ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko als Patienten, die lediglich eine Corona-Infektion durchgemacht hatten. Das Risiko für einen Krankenhausaufenthalt infolge einer Infektion war bei ihnen gar dreimal höher. Dieses Risiko für Komplikationen umfasste dabei Organe wie Lunge, Herz, Nieren, aber auch Probleme mit Blut, Knochen und Muskeln. Zu den Risiken gehörten zudem psychische Probleme, neurologische Störungen sowie die Entwicklung einer Diabetes-Erkrankung.

Berücksichtigt wurden von den Forschern übrigens die Corona-Varianten respektive Subtypen Delta, Omikron und Omikron BA.5. Es hätte sich laut Studienleiter Ziyad Al-Aly gezeigt, dass die Ergebnisse unabhängig vom Impfstatus sind. „Selbst wenn jemand eine vorherige Infektion hatte und geimpft wurde – was bedeutet, dass er eine doppelte Immunität gegen eine vorherige Infektion plus Impfstoffe hatte –, ist er bei einer erneuten Infektion immer noch anfällig für nachteilige Folgen“, heißt es in diesem Kontext vom Epidemiologen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Annahme, dass Corona mitsamt seinen Krankheitsverläufen nach mehrere Infektionen pauschal milder und harmloser werden, lasst sich allem Anschein nach nicht bestätigen. Eine erneute Ansteckung mit Covid-19, also eine Reinfektion, scheint der Studie zufolge ebenfalls ein hohes Risiko für schwere Krankheitsverläufe mit sich zu bringen. Vor diesem Hintergrund kann die Aufhebung der Corona-Isolationspflicht durchaus kritisch hinterfragt werden.

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