Weniger junge Raucher - Frauen hören seltener auf

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Einen Trend sehen die Fachleute, weil weniger junge Leute rauchen.

Wiesbaden/Köln - Öffentliche Rauchverbote, wachsendes Gesundheitsbewusstsein und Imageverlust - der Kampf gegen den blauen Dunst zeigt nur allmählich Wirkung.

Der Anteil der Nichtraucher steigt langsam: Fast drei Viertel (74 Prozent) der Bundesbürger gaben bei der Haushaltsbefragung Mikrozensus 2009 an, Nichtraucher zu sein. Das ist nur ein Prozentpunkt mehr als vier Jahre zuvor, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte.

Einen Trend sehen die Fachleute jedoch, weil weniger junge Leute rauchen. Unabhängig vom Alter falle es Frauen schwerer als Männern, das Rauchen aufzugeben, warnen sie. Dabei seien sie noch anfälliger für die damit verbundenen Gesundheitsschäden als Männer. Das Einstiegsalter für den ersten Glimmstängel ist im Vierjahresvergleich gesunken, von 18,0 auf 17,8 Jahre. „Vermutlich fangen viele früher an, hören aber auch früher wieder auf“, erklärt Karin Lange, die für Gesundheitsfragen beim Mikrozensus zuständig ist. Denn: „Der Nichtraucheranteil ist vor allem in den jüngeren Altersgruppen gestiegen.“

Männer rauchen häufiger wegen Stress

Gemeint sind die 15- bis 24-Jährigen. Der höchste Raucheranteil findet sich dagegen bei den 25- bis 29- Jährigen. In diesem Alter greifen auch besonders viele Frauen zur Fluppe. Mit zunehmendem Alter rauchen dann wieder weniger. Am seltensten zünden sich Seniorinnen ab 75 Jahren eine Zigarette an. Fast 80 Prozent aller Frauen in Deutschland kommen laut Statistischem Bundesamt ohne Tabak-Genuss aus. Von den Männern rauchen demnach nur 70 Prozent überhaupt nicht.

Der Anteil der Ex-Raucher unter den Nichtrauchern ist jedoch bei den Männern mit 25 Prozent höher als bei den Frauen mit 15 Prozent, denen das Aufhören schwerer fällt. Sie rauchten häufiger, um sich in stressigen Situationen zu beruhigen, erklärt das die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, Prof. Elisabeth Pott. Außerdem hätten sie mehr Angst, an Gewicht zuzulegen, wenn sie die Qualmerei aufsteckten.

„Die Gesundheit von Frauen ist aber für Schäden infolge des Rauchens besonders anfällig“, warnt Pott. „Wie wissenschaftliche Studien belegen, reichen bei Frauen geringere Tabakmengen aus, um das Risiko für chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs zu erhöhen“, stellt sie fest. „Seit vielen Jahren steigt die Zahl der an Lungenkrebs erkrankten Frauen. Aber auch die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs oder Brustkrebs wird durch das Rauchen wahrscheinlicher.“

Um 20 bis 30 Prozent höheres Krebs-Risiko

Der Tabakrauch beschleunige zudem die Alterung der Haut und erhöhe das Risiko für Atemwegserkrankungen und Osteoporose. Rauchertypische Krebserkrankungen der Frauen haben erheblich zugenommen, warnen auch die Statistiker. Als Todesursache hätten sich diese Krebserkrankungen innerhalb von zehn Jahren sogar nahezu verdoppelt: So seien 2008 durchschnittlich 31,2 Frauen je 100 000 Einwohner an vom Rauchen verursachten Krebs gestorben. Bei den Männern blieb der Anteil im Vergleichszeitraum zwar etwa gleich, mit 76,4 auf 100.000 Einwohner waren es aber immer noch mehr als doppelt so viele wie bei den Frauen. Rund 43.830 Menschen starben der Statistik zufolge 2008 an für Raucher typischen Krebsarten. Das waren etwa 5,2 Prozent aller Sterbefälle.

Schätzungen zufolge erliegen aber bis zu dreimal so viele Menschen den Folgen des Rauchens, sagt Torsten Schelhase vom Referat Gesundheitsstatistiken. Die Techniker Krankenkasse (TK) betont die Gefahren des Passivrauchens. „Vielen ist nicht bewusst, dass Nichtraucher, die Tabakrauch aus der Raumluft einatmen, die gleichen Erkrankungen wie Raucher erleiden können“, warnt Jana Flommersfeld von der TK Hessen in Frankfurt.

Wer regelmäßig dem blauen Dunst ausgesetzt sei, habe ein um 20 bis 30 Prozent höheres Risiko an Lungenkrebs zu erkranken. Die TK lehne daher die Aufweichung des Nichtraucherschutzgesetzes wie in Hessen ab. Denn: Eine Studie zeige, dass in Toronto seit der Einführung des Rauchverbots 1999 deutlich weniger Menschen mit Herz- Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sowie mit Atemwegserkrankungen in die Notaufnahme der Krankenhäuser gebracht worden seien.

dpa

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