Vorwurf Rassismus

Stuttgart nach den Randalen: Anzeige gegen Polizisten wegen rassistischer Tonspur - Polizeipräsident im Fokus

Die Ermittlungen der Stuttgarter Polizei nach der Krawallnacht führen zu hitzigen Debatten. Ist die Frage nach dem Migrationshintergrund für die Polizei reine Routine - oder steckt womöglich Rassismus dahinter?

  • In Stuttgart gab es schwere Auseinandersetzungen und Randale
  • Rassistisches Audio eines mutmaßlichen Polizisten aufgetaucht
  • Die Polizei ermittelt im Stammbaum

Update vom Dienstag, 14.07.2020, 09.15 Uhr: Gegen den Polizeibeamten, der wegen eines mehrfach als rassistisch eingestuften Audios („alles Kanaken“) in die Schlagzeilen geriet, wurde Strafanzeige gestellt. Der Bürgerrechtler, Künstler und Publizist Joshua Raffael Sonnenschein („Mordka“) hat die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Auf dem Weg sei ebenso eine Anzeige gegen den Stuttgarter Polizeipräsidenten Franz Lutz.

Stuttgarter Polizei: Anzeige gegen Polizeipräsidenten

Dem Erstgenannten wirft er unter anderem Missachtung des Diskriminierungsverbots, Volksverhetzung und Verletzung der Menschenwürde vor. Das Wort „Kanake“ werde von „Rechtsextremen als Schimpfwort verwendet, das in höchstem Maße eine Verachtung gegenüber einer bestimmten Gruppe unserer Bevölkerung zum Ausdruck bringt. Der Begriff entstammte vor über 100 Jahren einem kolonialen Denken und beinhaltet die Annahme der Existenz von Herrenmenschen“, heißt es im Text seiner Anzeige.

Aufgrund der Nachforschungen bezüglich einer potentiellen Migrationsgeschichte von Tatverdächtigen sollen Franz Lutz sowie sämtliche Involvierten des Vorgangs zur Rechenschaft gezogen werden. Der Vorwurf ist hier eine potentielle Missachtung des Datenschutzes. Dieser gelte auch „für deutsche Staatsbürger mit einem sogenannten obligatorischen Migrationshintergrund“. Das Verhalten des Polizeipräsidenten sei eine „Zäsur der Polizeigeschichte in der Bundesrepublik und darf nicht toleriert werden“. 

Kritik an den Ermittlungsmethoden der Polizei nach der Stuttgarter Krawallnacht

Update vom Montag, 13.07.2020, 16.15 Uhr: Mit ihren Ermittlungen zum Migrationshintergrund der Täter der Krawallnacht in Stuttgart hat die Polizei bundesweit eine heftige Debatte ausgelöst. Die Polizei bestätigte nun, dass sie in elf Fällen bei Standesämtern den Migrationshintergrund abgefragt habe. Die mutmaßlichen Krawallmacher hatten sich demnach in der Vernehmung nicht zu ihrer Herkunft äußern wollen. Die Information fließe in den Ermittlungsbericht ein und sei besonders für Präventionskonzepte wichtig, sagte eine Sprecherin. Es brauche andere Konzepte für türkische Migranten aus sozialen Brennpunkten als etwa für Deutsche, die in der Stuttgarter Halbhöhenlage lebten. Sonstige Informationen seien nicht abgefragt worden.

Randale in Stuttgart: Polizei veröffentlicht Wortlautprotokoll von Franz Lutz

Nach den Ausführungen des Stuttgarter Polizeipräsidenten Franz Lutz im Gemeinderat vergangene Woche sind 24 der 39 Verdächtigen deutsch, 11 dieser 24 hätten gesichert einen Migrationshintergrund, bei weiteren 11 der 24 könnte ein Migrationshintergrund bestehen, das stehe noch nicht sicher fest. 15 der 39 Verdächtigen hätten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Das sei nicht primär polizeiliche Aufgabe in Ermittlungsverfahren, so Lutz, sondern sei jetzt im Prinzip genau diesem Verfahren hier in Stuttgart geschuldet.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der Linken, Martina Renner, bezeichnete die Abfrage der Herkunft der Familien unterdessen als diskriminierend. „Es geht darum, dass eine solche Ermittlungspraxis a) unnötig ist und b) diskriminierend“, sagte Renner im „RTL/ntv-Frühstart“. Natürlich werde bei jugendlichen Straftätern auf das familiäre Umfeld geschaut, auf Vorstrafen und auf die Situation in der Schule.

Stuttgart-Randale: Polizei betreibt Stammbaumforschung bei Tatverdächtigen

+++ 16.19 Uhr: Nach Bekanntwerden, dass die Stuttgarter Polizei den Stammbaum der Tatverdächtigen erforscht, gibt es massive Kritik an der Behörde. Politiker Luigi Pantisano (Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial) bezeichnet die Ermittlungen der Polizei im Interview als „völkisch und rassistisch“.

Update vom Sonntag, 12.07.2020, 09.10 Uhr: Nach der Stuttgarter Krawallnacht gehen die Ermittlungen um die Ereignisse und die Beteiligten vom 21. Juni 2020 weiter. Nur scheint die Polizei offenbar das gewöhnliche Maß an Ermittlungsarbeit zu überschreiten: Die Ermittler sind am Stammbaum der Tatverdächtigen interessiert.

Wie die „Stuttgarter Zeitung“ zuerst berichtete, hat der Polizeipräsident Frank Lutz im Stuttgarter Gemeinderat angekündigt, bei Tatverdächtigen mit deutschem Pass bundesweite Nachforschungen bezüglich des jeweiligen Stammbaums betreiben zu wollen. Die Landesämter sollten hierbei helfend zur Seite stehen.

Stuttgarts Polizeipräsident Frank Lutz. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Kritik erntete dieses Vorhaben früh von einigen Stadträten. „Wie viele Generationen muss man in Stuttgart leben, um als Bürger dieser Stadt anerkannt zu werden“, wird der Grünen-Politiker Marcel Roth vom Blatt zitiert. Der Linken-Stadtrat Christoph Ozasek sieht in der Stammbaumrecherche einen Widerspruch zu den „gelebten Werten in Stuttgart“. Zustimmung kommt hingegen von der Union. So soll der Vorsitzende der JU Stuttgart, Thrasivoulos Malliaras, auf Facebook geschrieben haben, dass „gezielte Präventionsarbeit“ auch die Herkunftsgeschichte der Tatverdächtigen beinhalte.

Stammbaumrecherche in Stuttgart - Diskussion auf Twitter

Die Polizei rechtfertigt ihr Vorgehen mittlerweile als eine „grundlegende Erhebung“, die der „Schwere des Delikts" wohl angemessen sei. Was die Täter ausmache, hängt hier offenbar auch damit zusammen, ob ein Elternteil eine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt oder nicht.

Auf Twitter wird die Ankündigung unter dem Hashtag #Stuttgart diskutiert. Die Debatte kreist um die Frage, inwiefern eine Stammbaumrecherche etwas zur Aufklärung beitragen könne oder ob das nicht vielmehr ein Angriff auf Menschen mit Migrationsgeschichte sei. Immerhin könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Polizei in ihren Ermittlungen hier den Grad des Deutsch seins an die Ahnen koppelt, was in extrem rechten Kreisen eine gängige Praxis ist.

Nach Randale in Stuttgart: Rassistisches Audio aufgetaucht

Update vom Donnerstag, 25.06.2020, 12.55 Uhr: In den sozialen Netzwerken ist ein Audio aufgetaucht, das mutmaßlich ein Mitschnitt eines Polizisten ist. Dieser scheint per Funk über die Ereignisse in Stuttgart seinen Polizei-Kollegen zu berichten.

Stuttgart: Audio mit deutlichem Rassismus aufgetaucht  

Die Tonspur, welche in rechten Kreisen die Runde macht, kann als rassistische Dramatisierung der Randale in Stuttgart* gelesen werden. Die Randalierenden werden beispielsweise pauschal als „Kanaken“ bezeichnet. Gleichsam ist von „Krieg“ die Rede.

Wie die „Stuttgarter Zeitung“ melde, prüft das Fachdezernat für Amtsdelikte die Echtheit der Aufnahme.

Audio aus Stuttgart: Polizeibeamter soll schon bekannt sein

Allerdings gäbe es „keinen Grund, davon auszugehen, dass es nicht echt ist“, wird Stefan Keilbach, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart, von der StZ zitiert. Die Stimme eines Stuttgarter Beamten sei bereits identifiziert. Unklar sei, ob ein „Fehlverhalten der Polizei“ vorliege und wie die Aufnahme, die der Frankfurter Rundschau vorliegt, ins Netz gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen. 

Ausflug nach Stuttgart: Esken übt scharfe Kritik an Seehofer

Update vom Dienstag, 23.06.2020, 13.10 Uhr:  Saskia Esken hat sich mit scharfer Kritik an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in die Debatte um eine polizeikritische Schmäh-Kolumne der Tageszeitung „taz“* eingeschaltet. 

Die SPD-Chefin kritisierte Seehofers Überlegungen, Strafanzeige gegen die Autorin zu erstatten. „Die Autorin ist schon sehr unter Beschuss geraten“, sagte Esken am Dienstag in Berlin. „So was dürfen wir als Staat keinesfalls befördern.“

Horst Seehofer spricht von „Enthemmung“ in Stuttgart

Sie selbst habe die Kolumne „auch nicht lustig“ gefunden, sagte Esken. „Aber das ist kein Grund, Anzeige zu erstatten - und schon gar nicht von staatlicher Seite.“ Esken betonte zugleich, dass es wichtig sei, „Polizisten vor der Wut der Straße zu schützen“.

Seehofer hatte von einer „Enthemmung der Worte“ gesprochen, auf die „unweigerlich eine Enthemmung der Taten“ folge. Er hatte dabei auch eine Verbindung zu den Stuttgarter Krawallen vom Wochenende hergestellt.

Randale in Stuttgart: Horst Seehofer fordert harte Strafen

+++ 13.45 Uhr: Bundesinnenminister Horst Seehofer hat nach den Auseinandersetzungen in Stuttgart harte Strafen für die Randalierer verlangt. „Ich erwarte, dass die Justiz den Tätern, die gestellt werden konnten oder noch können, auch eine harte Strafe ausspricht“, sagte der CSU-Politiker am Montag in Stuttgart.

„Da geht es auch um die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates.“ Die Entwicklung vom Wochenende und auch in den Monaten zuvor sei ein „Alarmsignal für den Rechtsstaat“, sagte Seehofer. 

+++ 13.00 Uhr: Seehofer macht gemeinsam mit Strobl eine Ortsbegehung in der Stuttgarter Innenstadt. 

+++ 12.45 Uhr: Thomas Strobl, Landesvorsitzender der CDU in Baden-Württemberg, spricht in einer PK über die Randale in Stuttgart. Er spricht von einem gesellschaftlichen Klima. Der Polizei müsste Vertrauen und Dank entgegen gebracht werden.

Auch Innenminister Horst Seehofer spricht in Stuttgart und betont die Bedeutung der Polizei die Unterstützung der Politik.

Auf der Bundespressekonferenz zeigen sich Journalisten irritiert, dass Seehofer nicht anwesend ist, aber vielmehr „Bild TV“ bereits ein Statement gegeben habe.

Polizeigewerkschaft fordert Sperrstunde und Alkoholverbot   

+++ 11.25 Uhr: Nach den Auseinandersetzungen in Stuttgart darf sich die Stadt nach Ansicht der Polizeigewerkschaft nicht mehr gegen ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen sperren. „Jugendliche haben auch außerhalb der derzeit gesperrten Clubs ausreichend Gelegenheit, sich Alkohol zu kaufen“, sagte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Ralf Kusterer, am Montag. Auch eine Sperrstunde zum Beispiel zwischen 3.00 und 7.00 Uhr morgens müsse diskutiert werden, forderte er. 

„Die Polizei hat nachts überhaupt keine Ruhe mehr, bevor es morgens wieder losgeht. Es läuft rund um die Uhr durch“, sagte Kusterer. Vor allem jüngere Menschen hätten Hemmungen verloren, weil die Polizei in den vergangenen Wochen unter anderem in der politischen Debatte zum Feindbild stilisiert worden sei. Kusterer erneuerte in diesem Zusammenhang seine Vorwürfe gegen SPD und Grüne.

Politiker fordern Härte nach Stuttgart

+++ 10.50 Uhr: Die Krawalle in Stuttgart sorgen in der Bundespolitik parteiübergreifend für erhebliche Empörung. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak (CDU) sagte den Sendern RTL und ntv am Montag, Bilder der Ereignisse verstörten und machten ihn „fassungslos, auch wütend“. 

Gewalt gegen Sicherheits- und Rettungskräfte sei ein generelles Problem. Die Täter müssten vor Gericht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bezeichnete die Krawalle in „Bild TV“ als „wahnsinnig irrationale Gewalt“. Er erwarte, dass die Behörden „zuschlagen“ und gegen derartige Phänomene „mit aller Härte dagegen vorgegangen wird“. Sie dürften sich nicht ausweiten.

Randale in Stuttgart: Stadtdekan Hermes spricht von „Affen“ 

Update vom Montag, 22.06.2020, 7.00 Uhr: Der katholische Stadtdekan Christian Hermes hat die gewaltsamen Ausschreitungen am Wochenende in Stuttgart kritisiert. „Die Ausschreitungen eines hemmungslosen und hasserfüllten Mobs heute Nacht hier vor unserer Tür machen mich fassungslos“, sagte er der „Stuttgarter Zeitung“ (Montag): „Die muskelbepackten Horden, die unsere Stadt zusammengehauen haben, können hoffentlich ermittelt und mit aller Härte bestraft werden.“ Empört zeigte sich der Geistliche auch über die zahlreichen Schaulustigen, „die das Ganze als großartiges Spektakel bewundert haben. Was für Affen!“

OB sieht keinen Rassismus bei Stuttgarter Polizei 

+++ 18.47 Uhr: Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat sich nach den Krawallen in der Stadt zu möglichen Parallelen zu den weltweiten Anti-Rassismus-Demos geäußert. „Ich habe die letzten Jahre die Stuttgarter Polizei so erlebt, dass sie ganz liberal und weltoffen ist und kein rassistische Profil hat oder dass ich rassistische Strukturen sehe“, sagte Kuhn. Er wolle aber nicht ausschließen, dass durch Bilder in den Medien von US-Protesten „sich der ein oder andere vielleicht besonders ermutigt fühlt, etwas gegen die Polizei zu unternehmen“.

Bei schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei haben Hunderte Gewalttäter in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und dabei 19 Beamte verletzt. Die Krawalle begannen laut Polizei gegen Mitternacht. Die Polizei sieht keine politischen Motive hinter der Gewalt, sie macht Partygänger und Krawalltouristen für die Eskalation verantwortlich.

Sieben Haftbefehle nach schweren Krawallen in Stuttgart

+++ 17.29 Uhr: Nachdem es in Stuttgart zu Krawallen gekommen war, sollen mindestens sieben der 24 vorläufig Festgenommenen dem Haftrichter vorgeführt werden. Von den Festgenommenen seien sieben unter 18 Jahre und sieben zwischen 18 und 21 Jahre alt. Das gab Thomas Berger, Polizeivizepräsident Stuttgarts, am Sonntag bekannt. 

+++ 15.51 Uhr: Nachdem es in Stuttgart zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen war, bei der die Polizei mit Steinen und Flaschen attackiert wurde und nachdem es Randale und Plünderungen gab, zieht die Polizei diese Bilanz:

  • Hintergrund: Bei einer Polizeikontrolle wegen eines Drogendelikts solidarisierten sich im Laufe der Zeit fast 500 Menschen aus der Partyszene mit dem 17-jährigen Verdächtigen und gingen die Polizei an. Anschließend weiteten sich die Ausschreitungen auf mehrere Teile der Innenstadt von Stuttgart aus
  • Es kam zu 24 Festnahmen
  • Insgesamt 300 Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz
  • 19 Beamte wurden verletzt, ein Beamter so schwer, dass er dienstunfähig war
  • Bei der Randale in Stuttgart wurden 14 Polizeiwagen teils stark beschädigt
  • Circa 40 Geschäfte in Stuttgart wurden angegriffen, in neun Läden kam es zu Plünderungen

Live-PK: Das sagt Oberbürgermeister Fritz Kuhn zur Krawallnacht von Stuttgart

+++ 15.26 Uhr: Niemand, der das Nachtleben in Stuttgart genießen wolle, dürfe die Polizei angreifen, betont der Oberbürgermeister Fritz Kuhn. „Die Stadt Stuttgart steht voll und ganz hinter dem Handeln unserer Polizei“, unterstreicht der Oberbürgermeister. „Meine Solidarität und meine Wünsche liegen auf der Seite der Polizei“. „Das Besondere der Stadt Stuttgart wird durch solche Nächte angegriffen“, sagt Kuhn eindringlich. Die Stadt werde deutlich machen, dass so etwas in Stuttgart nicht passieren dürfe.

Auf die Frage, wie es so weit kommen konnte, antwortet Kuhn: In Stuttgart seien wenn der Sommer losgehe sehr viele Menschen draußen unterwegs. Da keine Diskotheken und Bars offen seien, seien noch mehr Menschen draußen, was definitiv eine Rolle spiele.

Live-PK: Der Polizeipräsident zur Krawallnacht von Stuttgart

+++ 15.16 Uhr: So etwas hat er in seiner Erfahrung als Polizist in Stuttgart noch nicht erlebt, unterstreicht Polizeipräsident Frank Lutz. „Das was heute Nacht geschehen ist, ist in seinem Ausmaß noch nie dagewesen“, betont er. Die Stadt Stuttgart habe eine klare rote Linie gegen Gewalttäter. Jetzt gelte es, weiter diese „Stoppschilder“ aufzustellen und Gewalt im Ansatz zu unterbinden.

Gemeinsam wolle man die Lage analysieren und die Lage so in den Griff bekommen, dass so etwas nicht mehr passiere. Bisher gebe es außerdem keine politisch erkennbare Motivation zu den Krawallen, so Lutz.

Jetzt Live-PK: Die Bilanz der Nacht in Stuttgart von Polizeivizepräsident Thomas Berger

+++ 15.11 Uhr: Polizeivizepräsident Thomas Berger ist der erste, der sich zu der Randale und den Krawallen in Stuttgart äußert. Er betont, dass sein Bericht sich auf den derzeitigen Stand bezieht und sich die Polizei noch mitten in den Ermittlungen befindet.

In der Nacht auf Sonntag (21.06.2020) sollte im Rahmen eines normalen Polizeieinsatzes ein 17-jähriger Mann kontrolliert werden. Der Verdacht eines Drogendeliktes bestand. Schnell wurden die Beamten von bis zu 300 Menschen attackiert und mit Steinen und Flaschen beworfen. Die Menge wuchs auf fast 500 Menschen an, die sich der Polizei entgegenstellten.

Jetzt Live-PK: Das sagt Polizeivizepräsident Thomas Berger zur Randale in Stuttgart

Die Polizei beschreibt die angreifende Gruppe in Stuttgart als Personen aus der „Eventszene“. Aus der Menschenmenge hatten sich daraufhin Kleingruppen gebildet, die ihrerseits die Polizei an mehreren Orten der Innenstadt angriffen.

In seiner Bilanz schildert der Polizeivizepräsident 24 Festnahmen, davon werden mindestens sieben Personen noch heute dem Haftrichter vorgeführt. 19 Polizeibeamte wurden verletzt, einer davon so schwer, dass er seinen Dienst nicht fortsetzen konnte. Im weiteren Verlauf des Abends wurden 40 Geschäfte in Stuttgart „angegangen“. Es wurden Schaufensterscheiben beschädigt und, nach bisherigem Stand, neun Geschäfte geplündert. 14 Polizeiwagen wurden beschädigt. Circa 300 Beamte waren im Einsatz.

Ab 15 Uhr: Live-PK der Polizei und Stadt zu Krawallen in Stuttgart

+++ 14.47 Uhr: Nach der Randale in Stuttgart werden die aktuellen Entwicklungen um 15.00 Uhr in einer live Pressekonferenz verkündet. Vor Ort werden der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Ordnungsbürgermeister Martin Schairer, Polizeipräsident Frank Lutz und Polizeivizepräsident Thomas Berger im Rathaus Rede und Antwort stehen.

Randalierer wüten in Stuttgart – OB Fritz Kuhn ist entsetzt

Update, 12.00 Uhr: Nach den Ausschreitungen in Stuttgart in der vergangenen Nacht hat sich inzwischen auch Stuttgarts Oberbürgermeister erstmals zu Wort gemeldet. Fritz Kuhn (Grüne) zeigte sich entsetzt und verurteilte die Randale scharf. 

„Eines muss klar sein: Es darf keine rechtsfreien Räume in Stuttgart geben“, teilte Kuhn auf Twitter mit. „Ich bin schockiert von dem Ausbruch an Gewalt, von den Angriffen auf die Polizei und den Zerstörungen in unserer Stadt. Das ist ein trauriger Sonntag für Stuttgart.“

Randale in Stuttgart: Straßenschlachten zwischen Polizei und mehreren Gruppen

Erstmeldung vom Sonntag, 21.06.2020, 08.15 Uhr: Stuttgart - Mitten im Herzen von Stuttgart kam es Samstagnacht (20.06.2020) zu schweren Ausschreitungen. Dutzende kleine Gruppen lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Es gab Randale und Plünderungen.

Wie ein Polizeisprecher angab, begannen die Ausschreitungen gegen Mitternacht. „Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, sagte der Sprecher am frühen Sonntagmorgen in Stuttgart. Während der Randale wurden Fahrzeuge der Polizei angegriffen und Geschäfte geplündert. In einer Pressemitteilung gab die Polizei an, dass sich Feiernde in Zusammenhang mit einer Polizeikontrolle wegen eines Rauschgiftdelikts gegen die Beamten solidarisiert hatten. Anschließend seien mehrere Gruppen in Richtung Schlossplatz gezogen und hatten sich in der Innenstadt verteilt.

Ein Polizeisprecher unterstrich: „Es wurde richtig randaliert.“ Das zeigen auch viele der Bilder und Videos aus Stuttgart auf der Online-Plattform Twitter. Zu sehen ist, wie Polizeiautos unter anderem mit Stühlen, Stangen und Steinen beworfen werden. In einem weiteren Video ist zu sehen, wie sich eine Person an ein Auto der Polizei in Stuttgart anschleicht und die Luft aus den Reifen lässt. Ein anderes zeigt, wie eine Person die Fenster eines Polizeibusses einschlägt. Im Hintergrund wird gejubelt und geschrien.

In Stuttgart sorgten Randale und Plünderungen für Aufsehen. Randalierer lieferten sich außerdem Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Randale und Plünderungen in Stuttgart: Zahlreiche Geschäfte verwüstet

Aber nicht nur die Polizei war das Ziel vieler wütenden Gruppen in Stuttgart. Es wurden auch Geschäfte und Läden angegriffen und demoliert. Auch Plünderungen fanden statt. Einer der Schwerpunkte sei der Schlossplatz in Stuttgart gewesen, ebenso wie die benachbarte Königstraße, die Shoppingmeile der Stadt. 

Videos auf Twitter zeigen das Ausmaß der Plünderungen in Stuttgart. Tausende kleiner Scherben liegen verstreut auf dem Boden herum. In einem Geschäft in Stuttgart hängt die Eingangstür nur noch halb in den Angeln, was allerdings keinen Unterschied macht, denn die Fensterscheibe des Ladens ist nicht mehr da. Ziel der Ausschreitungen seien mehrere Handy-Läden gewesen. Randale und Plünderungen soll es auch in einem Eiscafé auf der Königstraße und in einem bekannten Bekleidungsgeschäft nahe des Charlottenplatzes gegeben haben. 

Randale in Stuttgart: Kräfte der Polizei aus gesamten Bundesland im Einsatz

Über 200 Einsatzkräfte aus dem gesamten Bundesland waren nach Stuttgart beordert worden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Erst am Sonntagmorgen beruhigte sich die Situation wieder, so die Polizei Stuttgart. Über die genauen Hintergründe der Straßenschlachten und Randale ist noch nichts bekannt. Mehrere hundert Menschen sollen in kleinen Gruppen unterwegs gewesen sein. Verletzte habe es sowohl unter den Angreifern als auch auf Seiten der Polizei gegeben. Die genaue Zahl wurde bisher noch nicht bekannt. Es kam zu mehr als 20 vorläufigen Festnahmen.

Die Bilder erinnern viele, wie in einigen Videos auf Twitter unterstrichen wird, längst nicht mehr an Stuttgart, sondern an die Randale und Proteste in den USA nach dem Tod von George Floyd. Bereits am vergangenen Wochenende war es zu Auseinandersetzungen in Stuttgart gekommen – allerdings in einem weitaus geringerem Ausmaß. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. (slo/dpa) 

Die angekündigte Studie zum „Racial Profiling“ bei der Polizei war wohl nie geplant. Laut Seehofer ist nicht klar, wie es zu der Aussage kam.

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Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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