Außergewöhnliche Mitbewohner

Puma, Känguru, Affe: Diese Exoten können in Deutschland Haustiere sein - legal

Vier junge Erdmännchen sitzen beieinander und schauen an der Kamera vorbei.
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Viele Wildtiere dürfen in Deutschland legal gehalten werden. (Symbolbild)

Hund und Katze sind in Deutschland die beliebtesten Haustiere, doch in vielen Kinderzimmern findet man auch Hamster oder Kaninchen - und manchmal auch Tiere, die man nicht erwartet hätte...

Ein Känguru im Garten oder ein Puma auf der Couch - in Deutschlands Haushalten sind so einige tierische Mitbewohner unterwegs, die man so nicht erwarten würde. Viele exotische Arten dürfen hierzulande sogar legal gehalten werden - zwar unter bestimmten Mindestanforderungen, aber oft ohne richtige Kontrolle. Wie echo24.de* berichtet, ist bundesweit eigentlich nur für 33 Tierarten die Haltung verboten.

So kommt es, dass im Internet diverse Wildtiere für den heimischen Garten oder das Wohnzimmer gekauft werden können. Laut der Studie „Endstation Wohnzimmer“ der Organisation Pro Wildlife wurden von 2010 bis 2014 10.120 Tiere aus 291 verschiedenen Arten zum Kauf angeboten. Mit dabei zum Beispiel Kapuzineräffchen oder Geparden.

Wildtiere als Haustier? Vieles ist legal - doch ist die Haltung artgerecht?

Doch Experten warnen: Haltung und Handel von und mit Wildtieren sind kritisch zu sehen, denn diese Tiere haben Verhaltensweisen und Ansprüche an ihre Umwelt, die sie ungeeignet für die Heimtierhaltung machen. Am Beispiel eines Sugar Gliders, zu Deutsch „Kurzkopfgleitbeutler“, erklärt die Welt in einem Bericht, was das Leben im Wohnzimmer für ein Wildtier bedeuten kann.

Zum einen ist das niedliche Tierchen mit den Glupschaugen nachtaktiv, zum anderen lebt es in der freien Wildbahn eigentlich in einer Gruppe von Artgenossen und gleitet mithilfe von Flughäuten in den Baumwipfeln umher. All diese Eigenschaften weisen darauf hin, dass die Haltung in einem Käfig oder der Wohnung wohl kaum artgerecht ausfallen könnte. Außerdem können exotische Arten auch exotische Krankheiten auf Menschen übertragen - oder ihnen körperlich gefährlich werden.

Exotische Haustiere: Oft keinerlei Vorkenntnisse gefordert

Denn die meisten exotischen Tiere, die man im Internet erwerben kann, sind keine domestizierten Arten - heißt, sie wurden nicht, wie etwa Hunde oder Katzen, speziell für das Leben mit dem Menschen gezüchtet und so an einen Alltag mit Herrchen oder Frauchen angepasst. Doch viele bemerken erst zu spät, dass der außergewöhnliche Mitbewohner nicht nur niedlich aussieht, sondern auch jede Menge Arbeit macht und eventuell besondere Ansprüche hat.

Das liegt teilweise daran, das beim anonymen Kauf per Mausklick keinerlei Vorkenntnisse gefordert sind. Auch erhält man meistens keine Beratung zur Haltung und Pflege der Tiere. Immer häufiger werden die exotischen Haustiere deshalb ausgesetzt oder in Tierheimen und Auffangstationen abgegeben. Aber wenn die Haltung von Wildtieren so kompliziert ist, wieso ist sie dann in so vielen Fällen legal?

Wildtiere als Haustier: Diese Arten wurden in Deutschland schon verkauft

Laut Pro Wildlife liegt das daran, dass Haltung und Handel von Wildtieren in Privathand in der Bundesrepublik nicht - oder nur unzureichend - geregelt sind. Zwar besteht für manche geschützte Arten eine Meldepflicht, doch gehen die Behörden davon aus, dass nur eine extrem geringe Zahl tatsächlich gemeldet wird. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung München schätzte im Jahre 2014, dass nur etwa jedes zehnte Tier registriert ist. Diese Arten wurden unter anderem in den vergangenen Jahren in Deutschland angeboten:

  • Exotische Nagetiere: zum Beispiel Siebenschläfer, Schneehase, Präriehund, Palmenhörnchen, Chinesisches Grauhörnchen, Streifenhörnchen, Fleckenziesel, Mara, Nacktmull, Springhase, Stachelschwein
  • Raubtiere: zum Beispiel Braunbär, Schakal, Wolf, Wüstenfuchs, Gepard, Karakal, Liger, Savannah-Katze, Ozelot, Serval, Erdmännchen, Dachs, Puma, Schneeleopard
  • Primaten: zum Beispiel Weißhandgibbon, Kapuzineraffe, Katta, Berberaffe, Potto, Schimpanse, Totenkopfaffe
  • Beutelsäuger: zum Beispiel Opossum, Derbywallaby, Parmakänguru, Rotes Riesenkänguru, Wombat, Federschwanzbeutler
  • Sonstige Arten: zum Beispiel Afrikanischer Weißbauchigel, Flughund, Faultier, Gürteltier, Rüsselratte, Tamandua

Immerhin: In acht von 16 Bundesländern gibt es bisher Regelungen zur Haltung von Gefahrtieren in Privathand. Diese unterscheiden sich aber stark. Beispielsweise werden Menschenaffen und große Raubkatzen teils als gefährlich eingestuft - doch ihre etwas kleineren Artgenossen, wie mittelgroße Primaten, Kleinbären oder kleinere Raubkatzen, werden in der Gesetzgebung bisher häufig unterschätzt.

Beispielsweise darf man in Baden-Württemberg problemlos legal einen Puma halten, in Berlin und Hessen ist das verboten - in Bayern muss man nur bestimmte Auflagen erfüllen und kann die Raubkatze dann einziehen lassen. Doch die Experten von „Pro Wildlife“ erklären: „Die Privathaltung von Exoten nimmt zuweilen groteske Züge an und ist oft falsch verstandene Tierliebe: Fang, Transporte und Handel bedeuten Qualen für die Tiere.“

Exotische Haustiere: Paradoxe Regelung - heimische Wildtiere oft als Haustier verboten

Die Folge: Eine hohe Anzahl von importierten Lebewesen stirbt noch auf dem Weg zum Privathalter. Viele werden im Laufe der Zeit in Gefangenschaft krank. Das kann der Halter dann oft nur schwer erkennen, denn Wildtiere kaschieren in ihrer gewohnten Umgebung Schmerzen, um in freier Wildbahn nicht zur leichten Beute zu werden.

Doch auch in Baden-Württemberg gibt es bekannte Beispiele von Wildtieren, die als Haustiere gehalten werden. In Heilbronn leben etwa seit Jahren Geparden* in einem Hotel. Hier ist die Haltung vollkommen legal. Außerdem hält sich ein Heilbronner Unternehmen einen Raubvogel als Haustier*. In Karlsruhe dagegen wird aktuell gegen eine Frau ermittelt, die sich einen Fuchswelpen als Haustier* hielt. Das berichtet BW24.de*. Der kleine Diego wurde ihr aus Tierschutzgründen weggenommen.

Und das ist das Paradoxe an der ganzen Geschichte: dass die Haltung importierter Arten in Deutschland in den meisten Fällen legal ist - die Haltung von einheimischen Säugetieren wie Eichhörnchen oder Igel ist dagegen verboten. Denn diese Arten sind in der Bundesrepublik und der EU streng geschützt. So darf beispielsweise der heimische Igel nicht einfach mitgenommen werden, afrikanische Weißbauchigel dürfen aber zu Hause gehalten werden.

Stellt sich am Ende also die Frage: Wenn man sich ein Haustier wünscht, kann es dann nicht auch eins sein, das sich in den eigenen vier Wänden wohl und heimisch fühlt? Immerhin hat die Haltung eines Wildtieres - sei sie auch legal - oft nichts mit Tierliebe zu tun. *echo24.de und *bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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