Prozess gegen Aachener Ausbrecher

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In Aachen hat der Prozess gegen die beiden Ausbrecher aus der JVA in Aachen begonnen.

Aachen - Ein halbes Jahr nach dem spektakulären Gefängnisausbruch der Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski müssen sich die beiden Gangster vor dem Aachener Landgericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schwere räuberische Erpressung, erpresserischen Menschenraub und Geiselnahme vor. Denn auf ihrer fünftägigen Flucht hatten sie immer wieder unbeteiligte Personen in ihre Gewalt gebracht und sie gezwungen, ihnen Unterschlupf zu bieten oder sie mit dem Auto in die nächste Stadt zu fahren.

Mit auf der Anklagebank sitzt auch ein 40-jähriger JVA-Beamter, der den Verbrechern bei der Flucht geholfen haben soll. Er soll den bereits zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilten Ausbrechern nicht nur den Weg aus dem Gefängnis geebnet, sondern ihnen auch zwei scharfe Dienstpistolen zugespielt haben. Die Verbrecher sollen ihm versprochen haben, ihn im Gegenzug an der Beute geplanter Banküberfälle zu beteiligen.

Verteidiger beantragt Verfahrenseinstellung

Der Verteidiger des Gefängniswärters, Thomas Gros, beantragte am ersten Prozesstag allerdings die Einstellung des Verfahrens. Denn durch die mediale Vorverurteilung seines Mandanten sei ein faires Verfahren gegen ihn nicht mehr möglich. Der Verteidiger war der Staatsanwaltschaft vor, die Presse gezielt informiert und dabei ein so detailreiches Bild vom Angeklagten gezeichnet zu haben, dass dies dem Anspruch auf Unschuldsvermutung widerspreche. Dies stelle einen Verstoß gegen die europäische Menschenrechtskonvention dar.

Heckhoffs Verteidiger Rainer Dietz schloß sich diesem Antrag allerdings nicht an: “Herr Heckhoff ist schuldig“, begründete er dies. Oberstaatsanwalt Alexander Geimer wies die Vorwürfe aufs Schärfte zurück. Die Schwerverbrecher waren am 26. November 2009 aus der Justizvollzugsanstalt Aachen ausgebrochen. Bewaffnet mit zwei Dienstpistolen verbreiteten sie während ihrer knapp fünf Tage dauernden Flucht Angst und Schrecken an Rhein und Ruhr. Ihre Flucht führte unter anderem zu Rücktrittsforderungen an die Adresse der nordrhein-westfälischen Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter.

17 Verhandlungstage angesetzt

Laut Anklage nutzen die Verbrecher die ihnen zugespielten Waffen, um auf ihrer Flucht Menschen unter Druck zu setzen. So zwangen sie mit vorgehaltener Waffe eine 19-jährige Frau, sie von Köln nach Essen zu fahren. In der Ruhrgebietsstadt drangen sie dann in die Wohnung eines Essener Ehepaares ein und ließen sich von diesem im Auto nach Mülheim an der Ruhr bringen.

Erst nach dreitägiger fieberhafter Fahndung gelang es der Polizei, den Geiselgangster Heckhoff in Mülheim festzunehmen. Zwei Tage später wurde auch der verurteilte Mörder Michalski gefasst, der zu diesem Zeitpunkt auf einem Fahrrad in Schermbeck im Kreis Wesel unterwegs war. Für den Prozess sind zunächst 17 Verhandlungstage anberaumt. Mit einem Urteil wird für den 17. Juli gerechnet.
DAPD

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